Freisinniger Abweichler

13. Dezember 2012 13:46; Akt: 13.12.2012 13:53 Print

Das rote Schaf

von Simon Hehli - Ein einziger Nationalrat der rechten Ratshälfte stimmte für die Abschaffung der Wehrpflicht: Fathi Derder. Der Waadtländer FDPler ist ein unkonventioneller Liberaler mit einem Hang zur Selbstdarstellung.

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Fathi Derder möchte die Wehrpflicht abschaffen und eine Berufsarmee einführen - anders als seine freisinnigen Kollegen im Nationalrat. (Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

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Da ist nur ein kleiner roter Punkt inmitten eines grünen Feldes. Die ganze rechte Ratshälfte sagt Ja zur Wehrpflicht und erteilt damit der GSoA-Initiative eine Absage – mit einer Ausnahme: Fathi DerderFathi
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. Wer ist der Bürgerliche, der sich auf die Seite linker Armee-Abschaffer schlägt?

Der 42-Jährige, der einen algerischen Vater und eine Walliser Mutter hat, sitzt seit gut einem Jahr im Nationalrat. Er entstammt den Waadtländer Liberalen, die vor knapp zwei Monaten mit der FDP fusionierten.

Rascher Aufstieg ohne Ochsentour

Seine Wahl hatte der Lausanner auch glücklichen Umständen zu verdanken: Der liberale Kandidat für den Ständerat, Jean-Marie Surer, zog sich im Juli 2011, gut drei Monate vor den Wahlen, zurück. Derder erbte die Kandidatur – die zwar chancenlos blieb, ihm aber genügend Rückenwind für die Nationalratskampagne verlieh.

Eine parteiinterne Ochsentour hatte der Schnellredner und -denker zuvor nicht zurücklegen müssen. Bekannt war er in der Romandie vielmehr als Radio- und TV-Moderator – ähnlich wie SP-Mann Matthias AebischerMatthias
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in der Deutschschweiz.

Alles dem liberalen Credo untergeordnet

Derders grosses Credo ist der Liberalismus – und damit verbunden eine tiefe Abneigung gegen alles Konservative. Von seinen Werten liess er sich auch am Mittwoch im Nationalrat leiten. «Freiheitliche Prinzipien lassen sich nicht damit vereinbaren, dass der Staat seine Bürger in die Armee zwingt», sagt er gegenüber 20 Minuten Online.

Der grüne Nationalrat Geri MüllerGeri
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hat nur lobende Worte für den Abweichler übrig: «Derder ist der einzige Freisinnige, der konsequent liberal ist.» Liberalismus sei eigentlich eine grundsätzliche Haltung, genauso wie Grün-Sein: Man könne nicht selektiv bei Ladenöffnungszeiten liberal sein, nicht aber bei Bürgerrechten, die durch die Wehrpflicht tangiert würden, findet GSoA-Mitglied Müller.

Noch nicht in Bern angekommen

Für Derder sei der Liberalismus schon fast ein Selbstzweck, ein Dogma, meint ein Fraktionskollege hinter vorgehaltener Hand und mit kritischem Unterton. Besonders aufmüpfig trat Derder bisher in der Bundesberner FDP-Fraktion nicht auf – dafür machte er Waadtländer Parteikollegen wütend, weil er gegen eine Listenverbindung mit der SVP kämpfte. «Er ist wie ein Velofahrer», sagt der Fraktionskollege: «Gegen oben nickt er mit dem Kopf, gegen unten tritt er mit den Füssen.»

In der Romandie ist der vierfache Vater für sein Selbst- und Sendungsbewusstsein berühmt-berüchtigt. Gemessen an seinem Ruf hat er im Nationalrat noch keine grossen Stricke zerrissen. Derder bekam nur einen Sitz in der wenig prestigeträchtigen Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur zugewiesen.

Diskussion über Berufsheer

Eine Karriere als FDP-Sicherheitspolitiker hat er sich durch seinen Alleingang am Mittwoch wohl vorerst verbaut. Dabei sei er keineswegs antimilitaristisch eingestellt, betont Derder. Ihm schwebt einfach ein Berufsheer vor, das weniger Mittel verschlingt als die heutige Miliztruppe. «Die Initiative der GSoA», findet er, «ist ein guter Steilpass, um über solche Fragen diskutieren zu können.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fred am 13.12.2012 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Schwer Wählbar weil schwer verständlich

    Schön gibt es Freidenker. Nur, es ist für den Wähler sehr schwierig zu verstehen, für was genau jetzt diese Partei wirklich einsteht.

  • Remo Brügger am 13.12.2012 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo, weisses Schaf

    Super, wenigstens einer der ehrlich und neutral bleibt. Die anderen muss man verstehen, die erhalten via EMD Lobby ein schönes Sackgeld.

  • Risibisi am 13.12.2012 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch Herr Müller

    Selber eher dem linken Flügel zugehörig stört mich die Ansicht von Geri Müller. Genau solche stures Verhalten endet in Oppositionspolitik. Resultat: Verkrampfte zänkische Verfahren und, wenn überhaupt, extreme Lösungen. Die richtige Lösung ist meiner Ansicht nach meist im Kompromiss zu finden. Das erwarte ich von einem Politiker, nicht Linientreue mit dem Parteiprogramm.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jungfreisinniger am 13.12.2012 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Herr Derder!

    Wenigstens ein Parteikollege im Nationalrat der den Liberalismus richtig verstanden hat.

  • Marc am 13.12.2012 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Wer wählt eigentlich solche Leute?!

    Um in ein politisches Amt gewählt zu werden, reicht es anscheinend heutzutage völlig aus , wenn man einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzt. Offensichtlich wirft ein beträchtlicher Teil der Wählerinnen und Wähler die Wahlunterlagen einfach so in die Urne, ohne sich angemessen darüber zu Informieren, wen sie da eigentlich wählen und wofür derjenige steht. Kein Wunder tummeln sich in praktisch allen Räten haufenweise Selbstdarsteller und Hinterbänkler, welche keinen ernst zunehmenden Leistungsausweis vorweisen können.

  • Remo Brügger am 13.12.2012 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo, weisses Schaf

    Super, wenigstens einer der ehrlich und neutral bleibt. Die anderen muss man verstehen, die erhalten via EMD Lobby ein schönes Sackgeld.

  • Fred am 13.12.2012 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Schwer Wählbar weil schwer verständlich

    Schön gibt es Freidenker. Nur, es ist für den Wähler sehr schwierig zu verstehen, für was genau jetzt diese Partei wirklich einsteht.

  • Risibisi am 13.12.2012 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch Herr Müller

    Selber eher dem linken Flügel zugehörig stört mich die Ansicht von Geri Müller. Genau solche stures Verhalten endet in Oppositionspolitik. Resultat: Verkrampfte zänkische Verfahren und, wenn überhaupt, extreme Lösungen. Die richtige Lösung ist meiner Ansicht nach meist im Kompromiss zu finden. Das erwarte ich von einem Politiker, nicht Linientreue mit dem Parteiprogramm.

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