Bundesgezwitscher

22. Dezember 2012 11:43; Akt: 23.12.2012 09:26 Print

Das sind die Twitterkönige im Bundeshaus

von Simon Hehli - Niemand zwitscherte in der Wintersession fleissiger als die SP-Nationalräte. Doch noch nutzen lange nicht alle Parlamentarier den Kurznachrichtendienst – vor allem die Ständeräte haben Nachholbedarf.

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SVP-Scharfschreiber Christoph Mörgeli machte sich letzte Woche auf Twitter darüber lustig, dass Lesben und Schwule künftig die Kinder ihrer Partner adoptieren können. «Wann verlangen die Linken auch das Adoptionsrecht für Haustiere?», fragte der ausgebuffte Provokateur – und erreicht genau, was er wollte: einen medialen und öffentlichen Aufschrei.

Umfrage
Muss ein Politiker auf Twitter aktiv sein?
19 %
81 %
Insgesamt 627 Teilnehmer

Dass ein Tweet aus SVP-Kreisen für Wirbel sorgt, ist insofern untypisch, als die Vertreter der Rechtspartei derzeit nicht zu den fleissigsten Twitterern gehören. Die Web-Plattform SoMePolis hat sämtliche Tweets ausgewertet, die während der letzte Woche zu Ende gegangenen Wintersession aus dem Bundeshaus kamen.

Deutlich am aktivsten sind die Sozialdemokraten, sowohl was die Anzahl der Twitterer betrifft, als auch die Anzahl abgesetzter Nachrichten (siehe Grafik). Besonders mitteilsam waren in den drei Wochen der Waadtländer Jean Christophe Schwaab (134 Tweets), Cédric Wermuth (105), Jacqueline Badran (85) und Susanne Leutenegger Oberholzer (80).

Natalie Rickli fehlt der SVP

Den zweiten Platz belegt die CVP, was sie vor allem dem Twitterkönig in ihren Reihen zu verdanken hat: Der ehrgeizige Walliser Yannick Buttet schrieb 146 Mitteilungen. Kaum aktive Twitterer gibt es bei den Kleinparteien BDP und GLP. Bei den Grünen ist der Zürcher Balthasar Glättli praktisch allein für die Präsenz im sozialen Netzwerk besorgt.

Die SVP-Fraktion inklusive Lega dei Ticinesi hat nur fünf Twitterer, wobei Natalie Rickli schmerzlich vermisst wird. Sie hat – auch wegen ihrer Dauerpräsenz in den sozialen Netwerken – ein Burnout erlitten. Bei der FDP sind es acht Nutzer, wobei diese nicht sehr häufig in die Tasten greifen.

Hochbetrieb während der Session

SoMePolis hat auch eruiert, welche Begriffe besonders häufig auftauchen. Spitzenreiter ist das Wort Initiative: Der Nationalrat beriet jene zur Abschaffung der Wehrpflicht und jene für eine Volkswahl des Bundesrates. Zudem begann während der Wintersession der Abstimmungskampf für die Abzocker-Initiative. Auch die Themen EWR und EU, Asyl, Transparenz und IV tauchen regelmässig auf. Die meist genannte Person ist Maya Graf, die neue Nationalratspräsidentin. Bei den einzelnen Fraktionen sind die Schwerpunkte ganz unterschiedlich (siehe Bildergalerie).

Während der Session würden Politiker deutlich häufiger twittern als in den anderen Wochen, sagt Ralph Straumann von SoMePolis gegenüber 20 Minuten Online. Zwar ist die junge Generation von Wermuth bis Lukas Reimann (SVP) unter den häufigen Twitter-Nutzern erwartungsgemäss gut vertreten. Aber auch Ü-40-Vertreter wie Badran, Silvia Schenker, Carlo Sommaruga (alle SP) oder Pierre Rusconi (SVP) halten gut mit.

Tendenziell wird die Gruppe der Twitterer immer grösser und damit auch die Anzahl an Nachrichten. Noch haben aber viele Parlamentarier Nachholbedarf: Nur 52 von 246 verfassten während der Session mindestens eine Nachricht – darunter sind kaum Ständeräte.

Die drei Gruppen von Twitter-Nutzern

Straumann unterscheidet drei Gruppen von Twitter-Nutzern. Die erste bilden Politiker wie Glättli, Buttet oder Reimann, die eine Debatte mit anderen Zwitscherern suchen und entsprechend häufig auf deren Wortmeldungen antworten. So entsteht innerhalb des Netzwerkes eine neue Art von politischer Öffentlichkeit, auch die Wähler können sich in einen Schlagabtausch einklinken.

In der zweiten Gruppe finden sich jene Parlamentarier, die Twitter als kommunikative Einbahnstrasse verstehen. Sie nutzen den Dienst, um die Aufmerksamkeit von Medien und Öffentlichkeit auf ihre eigenen Aktivitäten zu lenken und teilen Links, verzichten aber auf Retweets. Die dritte Gruppe wird gebildet durch Politiker alter Schule, die zwar einen Twitter-Account haben, aber sich kaum je zu Wort – so etwa Christoph Blocher.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marc Aeschlimann am 22.12.2012 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    liefere statt lavere

    Mir bringt das imfall gar nichts, wenn die alle so toll twittern oder auch nicht, wenn alle Steuern und Abgaben ständig steigen und man für jeden Gugus auch nochmal eine komische Steuer erfunden wird. Die sollen sich auf ihren Job in konzentrieren und den im Sinne ihrer Wähler erledigen, nichts anderes. Wenn ich Ende 2013 weniger Geld im Sack habe als 2012 haben sie versagt, egal wie viele Follower Unmengen von deren Nachrichten retweeten.

  • Müller am 22.12.2012 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Waschweiber...

    Die sollten sich lieber um die Politik kömmern als alles und jedes, 2 sekunden nach dem hören oder lesen grad an die öffentlichkeit zu versenden. Alles doch so möchtegern Wikileaks-Bläser....

  • Real Ist am 22.12.2012 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Energie

    Finde ich irgendwie schon sehr bezeichnend das SP und Grüne (der Balthasar) am meisten twittern. Das das intensive nutzen von Online-Diensten massiv Energie verbraucht (Datacenter sind die mit die grössten Ernergieverbraucher) scheint bei diesen Leuten nicht angekomen zu sein, oder es ist ihnen schlicht egal. Da sollen lieber andere mit Energie haushälterischer umgehen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Steuerzahler am 25.12.2012 23:15 Report Diesen Beitrag melden

    Das brauchen wir nicht

    Entschuldigung aber diese Leute sind einfach nur peinlich.

  • S. Feilsch am 24.12.2012 08:17 Report Diesen Beitrag melden

    Erwachsene politisieren -Kinder twittern

    Die Linken sollten mehr arbeiten und weniger mit dem Handy spielen. Erwachsene machen Politik, nicht die Handyspieler.

  • J. Meyer am 23.12.2012 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    Neue polit. Form?

    Vielleicht werden Gesetze oder Vernehmlassungen in Zukunft auch über Twitter verbreitet und bestimmt. Bussen, Verordnungen, etc. u überhaupt vielleicht die ganze Politik über Twitter vertreten sein? Wer weiss? Doch heute denke ich lieber, statt das die Twitter lieber sich um Politik kümmern sollten, als ständig ihre Verslein zu vertwittern. Vielleicht versucht aber so mancher Politgenosse seine polit. Inkompetenz mit Twitter zu vertuschen u schreibt, was andere schreien? Weit haben wir es gebracht - wahrlich weit...

  • Till Sitter am 23.12.2012 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Twittern

    Ja das ist der reinste Wahsinn !!! Die Wintersession dauerte 3 Wochen also 15 Wochentage in denen Jean Christophe Schwaab 134 Tweets gezwitschert hat, also rung 9 Tweets pro Tag. Angenommen er braucht für einen 140 Zeichentweet 1 Minute 30, so hat er pro Tag unfassbare 13.5 Minuten verbraucht. Na wenn das kein Skandal ist !

    • Gerhard Müller am 25.12.2012 07:56 Report Diesen Beitrag melden

      Twittern

      Er hat seinen Senf sicher in einer Pause ins Netz gestellt!

    einklappen einklappen
  • mafuu am 23.12.2012 13:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hehe

    richtig SP ist wieder mal vorne dabei. böse zungen sagen, die müssen auch nicht arbeiten und haben zeit ;) bitte keinen aufschrei ;)