Bagger-Crash

14. Januar 2014 15:20; Akt: 15.01.2014 14:10 Print

Datenschützer hat keine Freude an Dashcam-Video

Das Video eines Leser-Reporters zeigt, wie am Montag ein Bagger in eine Brücke auf der A1 krachte – gefilmt von einer Dashcam. Diese Bordkameras sind in der Schweiz umstritten.

Die Dashcam eines Autofahrers filmte den Bagger-Unfall.
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Es sind eindrückliche Bilder, die die Dashcam eines «Tages-Anzeiger»-Leser-Reporters am Montag festgehalten hat. Nur wenige Autolängen hinter dem Unfall-Fahrzeug aufgenommen, zeigt das Video, wie der aufgeladene Bagger bei voller Fahrt in die Brücke auf der A1 im Kanton Aargau donnert. Dem höchsten Datenschützer der Schweiz, Hanspeter Thür, dürften die Aufnahmen weniger gefallen. «Solche Dashcams können das Datenschutzgesetz verletzen», sagte die Mediensprecherin seines Büros, Eliane Schmid, auf Anfrage.

Das Problem: Die im Auto installierten Kameras nehmen alles auf, was während einer Fahrt in ihre Reichweite kommt. «Die Betroffenen wissen nicht, dass sie gefilmt werden und können sich so auch nicht dagegen wehren», kritisiert Schmid. Auch darüber, was der Dashcam-Besitzer später mit dem Filmmaterial tut, habe man keine Kontrolle. «So können Videos mit erkennbaren Autonummern und Gesichtern im Internet landen, ohne dass die Betroffenen überhaupt davon Kenntnis haben.» Ein rechtmässiger Einsatz von Dashcams könnte nur schwer gerechtfertigt werden.

Anders sieht man das unter anderem in China und Russland. Dort verfügen mittlerweile zahlreiche Autos über die Kameras. Die Videos sollen bei der Aufklärung von Unfällen helfen – einige Versicherungen machen den Besitz einer Dashcam bereits zur Bedingung für einen Vertrag. Auch Schweizer Versicherer schätzen Videomaterial als Beweismittel: «Generell begrüssen wir alles, was hilft, Unfallhergänge zu klären», sagt Jürg Thalmann, Mediensprecher der Mobiliar. Einen Fall mit einer Dashcam habe es aber noch nicht gegeben. «Bis jetzt haben die Leute erst Handy-Videos eingereicht.»

Richter entscheidet über Videos als Beweismittel

Der VCS hofft, dass sich kein Dashcam-Trend entwickelt. «Wir raten davon ab, weil die Gefahr einer Ablenkung zu gross ist», sagt Sprecher Gerhard Tubandt. Nicht nur die Bedienung des Geräts, auch der Blick auf den Bildschirm könne zur Gefahr werden. Weil sie kaum einen Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten, steht auch der TCS den Dashcams kritisch gegenüber und verweist auf den Datenschutz. «Auch wenn der Einsatz von Dashcams nicht explizit verboten ist, raten auch wir wie der eidgenössische Datenschutzbeauftragte dazu, auf den ständigen Einsatz von Dashcams auf öffentlichem Grund zu verzichten. Sie filmen nämlich nicht nur den Verkehr, sondern auch die Fahrer, die Velofahrer und die Fussgänger», so Sprecher David Venetz. Deshalb sei fraglich, ob ein Gericht Dashcam-Aufnahmen überhaupt als Beweismittel zulassen würde. «Die Verwendung bei schweren Verbrechen ist denkbar, bei einfacheren Übertretungen oder Vergehen sollte dies jedoch kaum der Fall sein.»

Dem Leser-Reporter von der A1 droht wahrscheinlich kein Ärger. «Nur ein direkt Betroffener, also jemand, dessen Auto oder Gesicht im Video erkennbar sind, könnte beim Zivilgericht Klage einreichen», so Eliane Schmid. Dann müssen die Richter über die Zulässigkeit der Aufnahmen entscheiden. Dies auch, sollte der Autofahrer ein Modell mit G-Sensor benutzt haben. Eine solche Dashcam nimmt zwar erst im Falle einer Vollbremsung oder eines Crashs Bilder auf. «Die Frage ist aber, ob dabei Personendaten gefilmt werden. Wenn ja, kommt das Datenschutzgesetz zum Zug», hält Schmid fest.

(nj)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Brumm am 14.01.2014 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja, typisch

    Sobald der normale Bürger was filmt ist es nicht gut, aber den Bürger immer und überall zu filmen ist kein Problem!

  • Christoph Wilhelm am 14.01.2014 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    Pro Dashcam

    Ablenkung und Datenschutz und niemand spricht davon, wieviele Verbrecher entlarft werden können, schwierige Unfälle rekonstruiert werden können und somit Versicherungsgeld gesparrt wird. Ganz zuschweigen davon, wieviele sZenarien bei einer Untersuchung im Bereich Sicherheit betreffend Architektur (aktueller Fall) durchgerechnet werden können. Hört doch auf mit dem Datenschutz, wenn ich vor dem Bundeshaus ein Touristenfoto mache von einer japanischen Reisegruppe und die das Foto ins Netz laden, dann schreit auch niemand danach, wenn klein Philip nasebohrend im Hintergrund mitdrauf ist.

    einklappen einklappen
  • Freiämter am 14.01.2014 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Bald Pflicht

    Noch im selben Moment als ich von dem Video hörte dachte ich noch, das sicher ein armer Typ sich meldet und diese Art von Aufzeichnungen negativ findet. Aber wir werden in Zukunft ganz sicher alle so eine Kamera im Fahrzeug haben, um unsere Unschuld zu beweisen. Ich denke an Drängler und solche die einem vor die schnauze fahren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marcel Füllemann am 15.01.2014 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja die lieben Datenschützer -.-

    Lieber Datenschutz, bevor ihr euch über ein paar Filmchen aufregt, kümmert euch doch mal um die Datenkraken? Oder den vielen Sicherheitslücken in unseren IT-Systemen? NSA-Affäre? Zunehmende Datenvernetzung? Internet-Kriminalität? Eine grosse Bandbreite von wichtigeren Problemen als ein paar doofe Dashcams. Aber danke Datenschützer, dass es euch die wahren Probleme in unseren Netzwerken total kalt lassen.

  • Shimu Trachsel am 15.01.2014 01:22 Report Diesen Beitrag melden

    Schade, ich hatte noch keine...

    als die Dame vor mir beim Anfahren am Berg über 1m zurückgerollt ist und meine Front geküsst hat. Anschliessend hat sie steif und fest behauptet, ich sei angefahren und hätte ihr stehendes Auto gerammt. Der Fall wäre einfach zu beweisen gewesen mit Cam...

  • Markus Wälchli am 15.01.2014 00:29 Report Diesen Beitrag melden

    Hanspeter Thür bleiben Sie..

    Hanspeter Thür bleiben Sie auf dem Teppich. Sonst müssten alle Kameras Webcams verboten werden, auf jeder Foto die irgendwo am Strand, Ferien, 1. Augustfeier aufgenommen werden, hat es fremde Personen, muss ich die unkenntlich machen, da ich Fotos oft auf Facebook poste!? Wo sind wir in China??

  • Gerhard Boegli am 14.01.2014 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Stellt euch vor, ich mache ab

    und zu Fotos und Videoclips und darauf kann man Personen, Autos usw. sehen. Muss ich diese jeweils mit einem schwarzen Balken versehen oder werden die Fotoapparate etc. nun auch verboten. Datenschutz ist vielerorts schon in Ordnung aber vielfach ist es einfach nur noch lächerlich.

  • ZeSkiant am 14.01.2014 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    Witzig. Meine Dashcam ist mein Galaxy

    Note2. Mit der App dailyroads Voyager und Schwanenhals funktioniert es super.