Kosten-Analyse

03. Januar 2018 06:50; Akt: 03.01.2018 13:19 Print

So viel zahlen Sie für die einzelnen SRF-Sendungen

von Nikolai Thelitz - Was gibt das SRF pro Zuschauer aus? Teure Eigenproduktionen und Kultur führen die Kostenliste an. Die «Tagesschau» ist am billigsten.

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Der «Tatort» am Sonntagabend hat für viele Tradition. Seit 1970 flimmert die Krimiserie über die Bildschirme Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, seit 2011 beteiligt sich auch das SRF wieder an der Produktion. 658'000 Schweizer schauten letztes Jahr im Schnitt zu, wie die die Luzerner Ermittler Reto Flückiger und Liz Ritschard Mordfälle lösten.

Die Kosten für eine Folge belaufen sich auf 2,1 Millionen Franken. Pro Zuschauer kostete eine Folge von 90 Minuten also 3.19 Franken – damit ist die Serie nicht nur die teuerste Produktion des SRF, sondern auch jene, die am meisten pro Zuschauer kostet.

Teuer sind Krimis und Kultur

Eine Auswertung von 20 Minuten zeigt: Keine andere Sendung kostet pro Kopf annähernd so viel wie der Schweizer «Tatort». Auf Platz zwei der Rangliste landet die Kindersendung «Zambo». Hier kostete 2016 eine Folge (23 Minuten) im Schnitt zwar nur 15'000 Franken, weil aber lediglich 8000 Menschen einschalten, belaufen sich die Kosten pro Kopf auf 1.88 Franken.

Auch eine Folge von «Sternstunde Kunst» (50 Minuten) ist mit 32'000 Franken in der Produktion nicht besonders teuer, die bescheidene Zuschauerschaft von 22'000 Personen führt aber zu Kosten von 1.45 Franken pro Kopf.

«Auftrag umfasst auch Sendungen für Minderheiten»

«Die Kosten der Schweizer ‹Tatort›-Filme liegen im Rahmen der üblichen Kosten einer solchen Produktion», sagt SRF-Sprecherin Andrea Wenger dazu. Die Schweizer Folgen würden auch von ARD und ORF ausgestrahlt, im Gegenzug erhalte man die Rechte für deutsche und österreichische Folgen.

Zu den wenig geschauten Sendungen sagt Wenger: «Ratings und Marktanteile sind nur einzelne Erfolgskriterien unter anderen.» Der SRF-Leistungsauftrag umfasse auch Sendungen in den Bereichen Kultur und Bildung, die sich an Minderheiten richteten. Bei der Sendung «Zambo» habe das SRF die Konsequenzen aus den tiefen Einschaltquoten gezogen und die Sendung im Oktober 2016 eingestellt.

Am anderen Ende der Kostenskala findet sich die «Tagesschau». Sie kostet in der Produktion 22,1 Millionen Franken pro Jahr oder 60'548 Franken pro Tag. An einem Wochentag schauen 610'000 Menschen die Hauptausgabe um 19.30 Uhr. Pro Person wären das knapp weniger als 10 Rappen. Alle Ausgaben eines Wochentages zusammen kommen auf 800'000 Zuschauer, pro Kopf also noch 8 Rappen pro Tag – oder 27.62 Franken pro Jahr.

Die zweitgünstigste Sendung ist «Sportaktuell», wo eine Folge mit Kosten von 21'000 Franken ein Publikum von 210'000 Zuschauern erreicht. Auch die «Reporter»-Folgen erreichen mit vergleichsweise geringen Kosten ein grosses Publikum.

Wäre die «Tagesschau» auch per Pay-TV finanzierbar?

Die Initianten der No-Billag-Initiative schlagen ein Pay-TV-System für Sendungen vor, die auf dem Markt finanziert werden könnten. Laut SRF-Sprecherin Wenger wäre dies aber teuer: «Die tiefen Kosten der ‹Tagesschau› um 19.30 Uhr ergeben sich aus der engen Zusammenarbeit aller tagesaktuellen Sendungen, etwa im Korrespondentennetz oder beim technischen Personal. Die Kosten für eine alleinstehende ‹Tagesschau› wären somit viel höher.»

Die SRG geht davon aus, dass bei einem Ja zu No Billag allein die «Tagesschau» pro Jahr 1080 Franken kosten würde. Dies, weil sich die Kosten vervierfachen würden und gleichzeitig nur rund 80'000 Menschen bereit wären, für die Nachrichtensendung zu bezahlen. Medienjournalist Kurt Zimmermann hingegen geht davon aus, dass rund eine halbe Million Leute ein SRF-Newsabo lösen würden. Er rechnet am Ende mit einem Abo-Preis von 80 Franken.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Don am 03.01.2018 06:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    JA nobillag oder leider IST zustand für ewig

    Wenn ihr kein ja einlegt, sieht sich die srg bestätigt, das der jetzige weg und gebührenhöhe richtig ist, und es wird sich nie was ändern. Das ist so sicher wie das amen in der kirche. Und unsere politik hat schon zum ausdruck gebracht, dass sie ebenfalls nicht willens oder fähig sind etwas zu ändern oder von den SRG lobbyisten im griff gehalten werden, denn ansonsten hätte man den 200 franken gegenvorschlag zugelassen. Ein ja zu nobillag ist also Eure einzige chance, dass sich überhaupt mal was ändern wird. Und die srg hat nach wie vor die chance als reformierter privater ABO anbieter.

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  • Thommy am 03.01.2018 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    laaangweilig

    Tatort ist soooo langweilig geworden da fehlt mir nichts

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  • Da am 03.01.2018 06:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da

    Das ist Angst Macherrei.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • No-TV am 04.01.2018 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    Das war wohl der Sargnagel!

    Bei 0.82 könnte ich mich allenfalls kurz zuschalten.

  • Selbstdenker am 04.01.2018 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ja zur NO-Billag

    Die SRG wird bei einem JA zur NO-Billag nicht untergehen und nicht abgeschafft werden. Dafür gibt es zu viele Profiteure von unseren Gebühren. ABER, die SRG wird sich auf ihre Kernkompetenzen besinnen müssen und das Geld nicht mehr mit beiden Händen ausgeben können. ÜBRIGENS, ein privater Haushalt muss auch zusehen wo er bleibt; Gebührenerhöhung ist da nicht.

    • Gaudenz am 04.01.2018 16:01 Report Diesen Beitrag melden

      zuwenig weit gedacht

      Initiativ-Text lesen statt Verschwörungs-Theorien aufsitzen ist mein Tip an Sie.

    • Salomon am 04.01.2018 23:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gaudenz

      Natürlich muss bei einer Annahme der Initative, selbige nicht zwangsweise wortgetreu umgesetzt werden. Bitte informieren sie sich über die Gesetzeslage. Wurde auch mehrfach in der Geschichte der Schweiz so gehandhabt.

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  • Der Sensemann am 04.01.2018 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte genug Erde drauf

    Ich hoffe sehr man wirft beim Grab der SRG genug Erde drauf damit dieser Zombie nicht aus der kalten Gruft entfliehen kann.

  • Diegito am 04.01.2018 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abo

    Sehr gut diesen Splitt zu sehen! Man stelle sich nun vor, jeweils ein Abo pro Sendung anzubieten.

  • Stef am 04.01.2018 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Zwangsgebühr zum Morden

    Oha soviel zahl ich fürs morden! Damit etliche genüsslich so was ansehen können? Weg damit!