Hani Oweira

30. Dezember 2017 22:06; Akt: 31.12.2017 11:45 Print

«Gerettete Leben sind der grösste Lohn»

von Stefan Ehrbar - Hani Oweira (38) hat in Aleppo Medizin studiert. Jetzt operiert der Spitzenchirurg in der Schweiz – und kämpft mit Rassismus unter Kollegen.

Hani Oweira zu seinem Werdegang, seiner Motivation und neuen Techniken, mit denen Tumore operiert werden können. (Video: ehs)
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In der Nacht auf Weihnachten sorgt Hani Oweira für ein kleines Wunder. Er rettet das Leben der 90-jährigen Ida Schumacher –
mit einer Notoperation
, bei kleinen Überlebenschancen. Nicht zum ersten Mal rettete der Chirurg scheinbar hoffnungslosen Fällen das Leben. Doch wer ist der Mann?

Hani Oweiras kleines Büro, in dem er empfängt, ist nichts Spezielles: eine Pflanze, zwei Tische, Diplome an der Wand. Es sieht aus wie in jeder anderen Arztpraxis. Oweiras Werdegang aber ist alles andere als gewöhnlich. Er lächelt, als er dem Reporter in seiner Praxis in Cham ein SMS zeigt. «Alles Gute zum Geburtstag», wünscht ihm ein Patient, den er operiert hatte. «Vor drei Jahren haben Sie mich operiert, als mir andere Ärzte noch drei Monate gaben. Nun lebe ich immer noch.»

Der Patient, den Oweira, Chirurg und Belegarzt der Klinik Hirslanden zusammen mit seinem Mentor und Lehrer operierte, hatte Bauchspeicheldrüsenkrebs. Es ist eines der Spezialgebiete von Oweira. Unter den Viszeralchirurgen hat sich der erst 38-Jährige einen Namen gemacht.

«Syrien ist viel zu gefährlich»

Selbstverständlich ist das nicht. Oweira ist Syrer. Laut seinen Zertifikaten ist er am 1. Januar geboren – eine Erinnerung an das alte Regime, das Sammel-Registrierungen vornahm. Oweira studierte Medizin in Aleppo, einer heute komplett zerstörten Stadt. Seither hat er sein Heimatland nie mehr gesehen – und er kann auch nicht zurück. «Das wäre viel zu gefährlich», sagt er. Zu seiner Zeit war Syrien ein stabiles Land.

Ein Gastsemester brachte Oweira an die Universität Heidelberg. Danach assistierte der deutsch-syrische Doppelbürger für zwei Jahre in einer Klinik in Aleppo, bis er 2005 an die renommierte Berliner Charité geholt wurde. Sein damaliger Professor habe ihn enorm gefördert, sagt Oweira. Die Charité sei aber eine eigentliche Grossklinik, in der es unpersönlich zu und her gehe. 2007 wechselte er wieder nach Heidelberg, bevor er vor vier Jahren in die Schweiz zog.

25'000 Facebook-Likes

Heute publiziert Oweira zu neuartigen Technologien und organisiert Kongresse. Wie er zu dieser Laufbahn kam? «Während dem Studium habe ich jede freie Minute im Operationssaal verbracht, während andere feierten.» Er lebe für den Beruf. Dabei ist er nicht nur Arzt, sondern auch Social-Media-Profi.

Über 25'000 Personen haben ein Like auf seiner Facebook-Seite gesetzt. Dort teilt er Fachzeitschriften über «hyperthermale intraperitoneale Chemoperfusion» ebenso wie Artikel über einen Chirurgen, der seine Initialen auf Organe geritzt hat. Über Facebook könne er einfach mit seinen Patienten kommunizieren, sagt Oweira. Täglich erhalte er einfachere oder schwierigere Fragen, die er nach Möglichkeit alle beantworte.

10-Kilo-Hoden operiert

Auch mit klassischen Medien hat Oweira Erfahrung. «Zürcher Chirurg entfernt 10-Kilogramm-Hoden», titelte der «Blick» im Sommer über eine Operation Oweiras. «In Europa ist der Fall einmalig», sagte er der Zeitung. Etwas Vergleichbares habe er noch nie gesehen.

Seine Bekanntheit sorgt auch für Kritik. Nicht unter den Patienten – «die suchen mich ja aus». Es komme aber vor, dass Kollegen über Patienten lästerten, die ihn aufsuchten. Manchmal geschehe das auch wegen seines Glaubens oder seiner Herkunft. Den meisten sei das egal – so wie ihn etwa nicht interessiere, ob ein Patient allgemein oder privat versichert sei.

Obwohl er in einer Privatklinik arbeite, operiere er alle Patienten. Er kenne den Status seiner Patienten gar nicht. «Meine Sekretärin erledigt die Formalitäten, mich interessiert das nicht.» Er habe auch schon die Mutter einer Patientin im Spital besucht, weil die niemanden gehabt habe. Das gehöre zu seiner Arbeit – lasse aber nicht viel Zeit für anderes. 70- bis 80-Stunden-Wochen sind keine Seltenheit. «Ohne Begeisterung geht es nicht», sagt Oweira. Wenn ihm Patienten sprichwörtlich für ihr Leben dankten wie im SMS, sei das der grösste Lohn.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bibi am 30.12.2017 22:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Danke, es sollte mehr Menschen wie Sie geben. Bleiben Sie so wie Sie sind. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Freude und Zufriedenheit in Ihrem tun.

    einklappen einklappen
  • CH am 30.12.2017 22:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egal von wo und was für glauben

    Super,Sehr talentiert und geborene Arzt!

  • .... am 30.12.2017 22:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Ganz toller Arzt und Mensch!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Remo am 31.12.2017 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respect

    Die Schweizer Aerzte sind leider nicht gut. Danke an Hr Dr. Oweira das Sie als Arzt tätig sind.

  • Alexy am 31.12.2017 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöm

    Super Mensch.. respekt.. aber lasst das mit dem Rassismus.. es ist nicht immer gleich alles Rassismus.. nur wenn über jemand gesprochen wird der von südlichen Länder kommt.

  • Lorry am 31.12.2017 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2018 steht vor der Türe

    Ich wünsche allen Ärzten, dem Pflegepersonal und alle die jetzt vergessen habe ein gutes neues Jahr. Herr Dr. Oweira wünsche ich ein ruhiges Händchen bei meiner Operation heute Abend...

  • Dana am 31.12.2017 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Fremdschämen!

    Die ganzen Wutbürger-Kommentare hier zu diesem tollen Menschen sind echt abscheulich, sodass ich am liebsten gleich meinen Schweizer Pass abgeben würde! Euch ist schon klar, dass unsere Krankenhäuser ohne ausländisches Personal gleich zumachen könnten?

  • Lorry am 31.12.2017 15:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf den Punkt gebracht...

    Einer der Patienten von Dr. Owrira muss es auf den Punkt bringen! Herr Dr. Oweira ist ein neuer Arzt-Typus und Vertreter einer Generation. Er sieht sich nicht als unantastbares Alphatier, sondern als gleichwertiger Teamplayer innerhalb flacherer Personal-Strukturen. Seine Kollegen begrüssen ihn deshalb mit Hi Hani und sitzen mit ihm in lockerer Runde beim Mittagsessen in der Kantine. Er nutzt Whatsup oder auch mal FB Messenger um mit seinen Patienten zu kommunizieren. Die Nachbetreuung der Patienten erfolgt durch Spitex um Kosten zu sparen. Er operiert such allgemein Versicherte!