Umfrage

13. Februar 2018 05:47; Akt: 13.02.2018 08:50 Print

Der Bund soll unrentable Poststellen retten

Gut jeder zweite 15- bis 24-Jährige will, dass der Bund nichtrentable Filialen subventioniert. Liegts an den Zalando-Päckli?

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Die Post baut ihr Filialnetz radikal um: Bis 2020 droht jährlich 120 bis 150 Poststellen das Aus. Denn die Schaltergeschäfte sind in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Die Post schreibt in ihrem Netz jährlich ein Defizit von knapp 200 Millionen Franken.

Nun zeigt die gewichtete Umfrage der Politplattform Vimentis, dass eine Mehrheit der Schweizer Mühe mit den Schliessungen hat: 65 Prozent fordern, dass 90 Prozent der Bevölkerung eine Poststelle oder -agentur mit dem ÖV innerhalb von 10 Minuten erreichen. Dafür müsste die Post ihr Netz gar noch ausbauen: Heute muss laut Gesetz eine Poststelle oder eine Agentur innert 20 Minuten erreichbar sein.

Poststellen subventionieren?

Bislang erbringt die Post ihre Grundversorgung ohne direkte staatliche Subventionen. Laut der Vimentis-Umfrage sind aber 56 Prozent dafür, dass der Bund nichtrentable Poststellen subventioniert, um sie vor einer Schliessung zu bewahren. Jeder Dritte ist dagegen, während 12 Prozent keine Meinung haben. Die Zustimmung nimmt mit dem Alter zu, aber auch bei den 15- bis 24-Jährigen sind 52 Prozent für einen Zustupf aus dem Steuertopf. Einzig die Wähler der FDP sind tendenziell skeptisch.

Junge hängen an Postfilialen – wegen Zalando?

Die Politik hat mehrere Vorstösse überwiesen, um den Abbau des Filialnetzes zu bremsen – dies soll in die geplante Revision des Postgesetzes einfliessen. Für FDP-Ständerat Ruedi Noser der falsche Weg. Schon im Parlament verglich er den Kampf gegen die Schliessung der Poststellen mit jenem Don Quijotes gegen die Windmühlen: Es sei eine Tatsache, dass wir immer seltener auf die Post gingen, weniger Briefe schrieben. Noser sagt: «Hätte man die Leute gefragt, ob sie bereit wären, tausend Franken mehr Steuern für ein dichteres Filialnetz zu bezahlen, die Antwort wäre eine andere gewesen.»

Für Peter Salvisberg, Geschäftsleitungsmitglied des «K-Tipp», bestätigt die Umfrage, dass die Leute «die Post in ihrer Nähe wollen», und zwar auch die Jüngeren. Laut Salvisberg dürften auch Zalando und Co. einen Einfluss haben: «Wer im Internet einkauft, wünscht sich ebenfalls einen Zugangspunkt im Dorf oder am Arbeitsplatz.» Die Post müsse sofort aufhören, die Poststellen zu schliessen. «Das Geld ist vorhanden. Die Post ist für einen guten Service für die Bevölkerung da und nicht, um alljährlich Gewinne von 200 Millionen Franken in die Bundeskasse abzuliefern.

Post-Sprecherin Jacqueline Bühlmann betont, dass die Schweiz schon heute über das dichteste Postnetz Europas verfüge. «Dieses baut die Post weiter aus.» Bis 2020 werde das Postnetz über 4200 Zugangspunkte aufweisen – unter anderem dank Partnerfilialen, Automaten oder Hausservices. Zudem würden Modelle mit Detailhändlern getestet. Kein Thema sind Bundessubventionen für Poststellen: Post-Präsident Urs Schwaller hat sich kürzlich in der «NZZ am Sonntag» dagegen ausgesprochen.

Post soll sich auf Kerngeschäft konzentrieren

Laut der Umfrage lehnt es eine klare Mehrheit von 60 Prozent ab, dass das Briefmonopol für Briefe unter 50 Gramm fällt. Kritisch ist die Bevölkerung laut der Vimentis-Umfrage auch, wenn die Post ihr Geschäftsfeld ausweitet und «postfremde Artikel» verkauft – vom Socken-Abonnement bis zu Flip-Flops. So ist eine relative Mehrheit von 49 Prozent dagegen, dass die Post mit diesen Produkten zusätzliche Umsätze erwirtschaftet. Hier zeigt sich ein klarer Generationenkonflikt: 56 Prozent der 15- bis 24-Jährigen haben kein Problem mit solchen Angeboten.


(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patrick am 13.02.2018 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Entweder / Oder

    Es kann ja nicht sein, dass ehemalige Staatsbetriebe privatisiert werden, und wenn s dann nicht läuft, wieder vom Staat gerettet werden müssen. Wenn, dann sollen sie doch wieder verstaatlicht werden und Boni und Gewinne entfallen. Ich kann mich ja auch nicht selbstständig machen und Wenn s dann mal mit der Auftragslage nicht klappt, den Staat zur Kasse bitten. Gleiches gilt aus meiner Perspektive für andere Staatsnahebetriebe, im Sinne von "gleiche Spielregeln für alle". Schlussendlich kann es na nicht sein, dass der Steuerzahler für Misswirtschafrt oder Verluste halbprivater Unternehmen zur Verantwortung gezogen werden sollte, wenn der Erlös nicht stimmt.

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  • MM am 13.02.2018 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsere post

    Die Post ist eine Dienstleistung am Schweizervolk und gehört dem Volk und ist kein Tummelplstz für Manager. Hoffentlich sehen das die obersten Volksvertreter bald ein. Auch die Löhne dollen Volksdurchdchnitt sein. Sicher nicht höher als der eines Bundesrates!!!!

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  • rene am 13.02.2018 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Post

    Man muss endlich umdenken. Grosskonzerne sollen einfach aufhören Angestellte zu entlassen auch wenn grosse Gewinne eingefahren werden. Besonders die Post wo viele ältere Menschen eine schlechtere Lebensqualität hätten. Der Grund wegen Konkurenzfähig sein akzeptiere ich nicht. Schliesslich ist die Post SCHWEIZ. Dafür wenns mal schlecht Jahre gibt halten wir schweizer Bürger zusammen. Die Post darf nicht schrumpfen, sie ist ein Teil unseres Lebens, auch wenn ich online banking mache, kann ich meine Pakete die ich bestellt habe nicht durch den PC biemen, noch nicht.....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Thunder83 am 13.02.2018 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umbuchung

    ... Na super! Dann macht die Post plötzlich Filialen unrentabel. Gewinnumbuchungen sind ja bekannt.

  • Nick71 am 13.02.2018 15:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umsetzen

    Setzen die Millionen hier ein anstatt an den Postauto Zuviel zu bezahlen !! Wäre mehr sinnlos und vielleicht die Post mit Kiosk oder etwas umzusetzen was Leute vor Ort auch brauchen und Geld bringen würde..

  • Andrea am 13.02.2018 15:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vornehmste Aufgabe

    Die Post ist ein Dienstleistungsbetrieb. Es sollte ihre vornehmste Aufgabe sein, die Poststellen weiter zu betreiben.

  • Anwalt am 13.02.2018 14:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kleingedrucktes Lesen

    Gemäss Post - und Bahnreform EU- Reform mit den Bilateralen) darf kein Bundesgeld verwendet werden.

  • Ugur Ceylan am 13.02.2018 14:07 Report Diesen Beitrag melden

    Public Service Initiative

    Vor ca. 2 Jahren wurde darüber Abgestimmt ob man die Post und SBB so gestalten soll dass sie nicht mehr gewinnorientiert arbeiten dürfen, doch diese Initiative habt ihr abgelehnt, Selberschuld!

    • Kari am 13.02.2018 15:53 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte?

      Wieso selber Schuld? Muss ich dieselbe Meinung haben, wie Sie??

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