Scheinwelt

31. März 2018 19:26; Akt: 31.03.2018 19:26 Print

Das tun Jugendliche, um Influencer zu werden

Eine US-Zeitschrift gibt 14-Jährigen eine Anleitung, wie sie zum Social-Media-Star werden können. Auch in der Schweiz träumen viele vom Leben als Influencer – und bauen ihre Scheinwelt auf.

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Das amerikanische Magazin «Teen Bo$$ – Dream Big & Learn Fast», vergleichbar mit der deutschen «Bravo», erklärt, wie Jugendliche am besten vorgehen, wenn sie schnell reich und berühmt werden wollen. Im Heft werden Jugendliche porträtiert, die sogenannten «Teen Bosse». Die erzählen, wie sie es dank Youtube und Instagram geschafft haben – sei es mit einer eigenen Kosmetiklinie oder weil sie Seifen in Form von Cupcakes verkaufen.

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Die Teenager bekommen auch Tipps: «Sei du selbst!», lautet einer in der jüngsten Ausgabe. Das Influencer-Fieber ist längst auch nach Europa übergeschwappt. Im Kampf um Likes und Aufmerksamkeit eifern die Nachwuchs-Influencer ihren Insta-Idolen nach. Das Ziel: Das Leben eines erfolgreichen Social-Media-Stars zu simulieren.

«Die Leute sollen schon sehen, dass wir es uns leisten können»

Ein Beispiel sind L.K.* (19) und R.S.* (21) aus Zürich: Die Lehrlinge mieten über Mittag ein repräsentatives Auto und machen damit Fotos. Gegen elf Uhr reservieren sie jeweils über die Mobility-App ein Auto für etwa eine Stunde. Meistens einen Audi A5. «Wenn wir das Auto haben, fahren wir durch Zürich und suchen uns einen schönen Platz fürs Mittagessen.»

Meistens sei es so, dass sie ein bis zwei Fotos mit dem Auto machen, diese mit dem Hashtag «Mittag» versehen und die Bilder dann auf Instagram oder Snapchat laden, erklären die beiden. «Die Leute sollen schon sehen, dass wir es uns leisten können.»

Restaurant wird zur Fotokulisse

Ebenfalls beliebt: Ein Besuch in einem angesagten Restaurant: Die Zürcherin H.I.* erzählt, sie nutze häufig ein angesagtes orientalisches Restaurant als Fotokulisse. Sie besuche die schönsten Lokale, um schnell ein Bild zu posten und möglichst viele Likes zu bekommen.

Das Essen sei gar nicht gut, sagt I., sie gehe nur für ein Foto ins Restaurant. Dann gesteht sie: «Ich gehe danach bei McDonald's vorbei, weil ich immer noch Hunger habe.» Es gehe darum, dass man zeigen könne, dass man dort gewesen sei, und den Ort verlinken könne. So erreiche der Post mehr Menschen in den sozialen Medien und das bringe wiederum mehr Follower.

«Ein erfolgreicher Influencer lebt von Authentizität und Transparenz»

Eine Influencerin mit rund 10’000 Followern, die nicht namentlich genannt werden möchte, kennt einen weiteren Trick: «Viele Menschen bestellen etwa bei Zalando teure Kleider und machen Fotos für Instagram.» Sie würden zeigen, dass sie angesagte Kleider hätten und die gleichen Marken tragen wie die Promis. Wenn das Foto hochgeladen sei, würden die meisten die Kleider wieder zurücksenden.

Doch wird man so tatsächlich gross auf Social Media? Influencerin Nives Arrigoni hat 15’000 Follower und sagt: «Ein erfolgreicher Influencer lebt von Authentizität und Transparenz. Er bildet seine Persönlichkeit über sein Instagram-Profil ab.» Entsprechend lasse sich das Erfolgsrezept nicht pauschalisieren und in eine Anleitung verpacken – abgesehen von ein paar formalen Vorgaben wie Posting-Zeiten. Falsch sei es aber, eine Scheinwelt aufzubauen: «Warum in einem Lokal essen, wo die Person nie hingehen würde, nur für Likes?»

«Man sollte nicht alles 1:1 glauben»

Eveline Hipeli, Medienpädagogin und Dozentin an der Pädagogischen Hochschule Zürich, sagt: «Man sollte sich immer fragen, wie realistisch das angestrebte Ziel ist und ob man es als Influencer wirklich nachhaltig zu etwas bringen kann.» Hobbymässig einen Vlog zu erstellen, sei sicher keine schlechte Sache, wenn man sich gut überlege, wie man sich damit darstelle. Es reiche nicht aus, einfach ein wenig aktiv in den sozialen Medien zu sein, um berühmt zu werden. «Das wäre ziemlich naiv. Die Jugendlichen sollten realistisch bleiben, um sich vor Enttäuschungen zu schützen. Wer plötzlich nur noch das perfekte Bild oder Selfie im Kopf hat, um Follower zu halten und zu generieren, der übertreibt das Ganze», erklärt Hipeli.

Den Konsumenten von Plattformen wie Instagram rät sie: «Man sollte nicht alles 1:1 glauben, was einem da präsentiert wird, sondern kritisch die Personen, Produkte und Inhalte betrachten. Da wird einem auch sehr oft eine idealisierte Wunschwelt vorgezeigt.»

*Namen der Redaktion bekannt

(wsa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • s'Mimöseli am 31.03.2018 19:43 Report Diesen Beitrag melden

    authentisch, transparent ?

    das einzige, das solche Leute transparent rüberbringen ist, dass sie etwas vortäuschen, was sie nicht sind. Das einzige was sie für mich sind: Influenzer = Überträger einer schwer heilbaren Krankheit. (Influenza ist ein Virus )

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  • besorgter Beobachter am 31.03.2018 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    real life?

    Und im realen Leben bringen sie es zu nichts

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  • Sann am 31.03.2018 20:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöne neue Welt

    Super Scheinwelt nur nicht arbeiten wollen, nur wenn sie älter werden kommen sie auf den Boden der Tatsachen. Am besten noch auf Mamas Tasche liegen oder zum Amt laufen um leben zu können. Lach....... 1:1 Tatsache! Schöne Welt schlank, schön und pleite.

Die neusten Leser-Kommentare

  • daniela am 31.03.2018 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurige welt

    ich habe soziale medien nur um um meinen lieblingsbands, sportler und schauspieler zu folgen und lebe sehr gut damit. leute die ihr ganzes leben verfälschen um likes zu bekommen können einem nur leid tun.

  • Derminator am 31.03.2018 22:15 Report Diesen Beitrag melden

    Total geht nicht

    Mich interessiert die Welt von Leuten nicht, die sich eigentlich gar nichts leiten können und schon gar nicht von Leuten die sich im McDonald's verpflegen gehen.

    • Megges Donaldo am 31.03.2018 23:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Derminator

      Finde den CBO eigentlich ziemlich dufte!

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  • Debby am 31.03.2018 22:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Das Ganze ist so peinlich, da schäm ich mich für die besagten Personen im Artikel fremd...

    • Rahel Von Weilen am 31.03.2018 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Debby

      Sie sehen nicht was die Jungs alles auf sich nehmen mit ihrem Lehrlingslohn? :(

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  • I. Kaufmann am 31.03.2018 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Anleitung zum unglücklich sein

    Wie kann man bloss einem Digital Influencer folgen? Super Wegbereiter zum Unglücklich sein mit dieser ewigen Vergleicherei und Selbstoptimierungswahn.

  • TorMat am 31.03.2018 21:35 Report Diesen Beitrag melden

    RE: Verrückt!

    Das Problem ist doch bereits: Dass heute alle, die dort nicht mitäffen, die Verrückten seien und die Verrückten behaupten, sie seien die Normalen - nur weil sie in der Überzahlt sind!