Tierschutz

17. August 2010 13:52; Akt: 17.08.2010 16:13 Print

Der Kampf ums Kuh-Horn

Neun von zehn hiesigen Kühen haben keine Hörner mehr - für KAGfreiland eine unnötige Tierquälerei. Der Bauernverband widerspricht vehement.

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«Horn auf!» - unter diesem Motto will die Nutztierorganisation KAGfreiland die Kühe mit Hörnern auf die Schweizer Weiden zurückholen. Die Tierschutzorganisation prangert die Diskrepanz zwischen dem in der Werbung verbreiteten Kuhbild und der Realität an. «Milchpackungen sind Mogelpackungen», zeigte sich KAGfreiland- Geschäftsleiter Roman Weibel am Dienstag vor den Medien in Zürich überzeugt. Überall seien Kühe mit Hörnern abgebildet, doch die Realität sehe völlig anders aus.

Neun von zehn Kühen in der Schweiz leben ohne ihre Hörner - aus Sicherheitsgründen, und weil die Tiere im Stall so weniger Platz benötigen. Laut Angaben von KAGfreiland brennen Tierärzte und Landwirte jedes Jahr bei 200 000 Kälbern die Hornansätze aus.

Der Eingriff darf nur unter Betäubung durchgeführt werden, denn anders als etwa menschliche Fingernägel, sind Kuhhörner durchblutet und schmerzempfindlich. Problematisch sei bei diesen Eingriffen insbesondere, dass danach oft zu wenig Schmerzmittel verabreicht werde, so Weibel. Zudem sei das Infektionsrisiko hoch.

Die Hornkuh im Museum

KAGfreiland kritisiert das Ausbrennen aber auch deshalb, weil Hörner ein wichtiges Kommunikations- und Imponierwerkzeug sind und bei der Festsetzung der Rangordnung eine wichtige Rolle spielen.

Dass behornte Kühe ein Sicherheitsrisiko sein sollen, lässt KAGfreiland nicht gelten. Mit genügend grossen Laufställen sei die Verletzungsgefahr nicht grösser als mit hornlosen Kühen - von ein paar harmlosen Blutergüssen an Eutern abgesehen.

«Tiere sollten nicht dem Haltungssystem angepasst werden sondern umgekehrt», sagte Weibel. Mit «Horn auf!» will KAGfreiland die Landwirte zum Umdenken bewegen und eventuell sogar Grossverteiler dazu bringen, eine Hornmilch-Linie ins Sortiment aufzunehmen. Auf ihrer Website listet KAGfreiland 40 Bauern aus der ganzen Schweiz auf, die bereits heute Kühe mit Hörnern halten.

Als «Horn auf!»-Maskottchen hat sich KAGfreiland die Winterthurer Kuh Sibylle ausgesucht, die durch ihre Teilnahme in der Fernsehshow «Wetten dass...» international bekannt wurde, weil sie mit ihrem Bauern auf dem Rücken einen Springparcours absolvieren konnte. Stellvertretend für alle Hornkühe wurde sie am Dienstag ins Zoologische Museum Zürich geführt.

Bauernverband: «Individuelle Entscheidung»

Der Schweizerische Bauernverband (SBV) ist von der KAG-Aktion nicht begeistert. Er findet, es sei eine individuelle Entscheidung, ob ein Landwirt die Kühe mit oder ohne Hörner halten wolle.

Die Haltung mit Hörnern sei zwar nicht unmöglich, aber risikoreicher, aufwändiger und teurer, wie der SBV in einer Mitteilung schreibt. Es müsse deshalb jedem Landwirt selber überlassen werden, ob er seine Kühe mit oder ohne Hörner halten wolle.

Ironischerweise sei es ja gerade der Tierschutz gewesen, der massgeblich dazu beigetragen habe, dass den Kühen die Hörner entfernt worden seien, schreibt der SBV weiter. Früher, in den traditionellen Anbindeställen, hätten die Hörner wenig gestört.

Erst die Forderung nach Laufställen habe das Entfernen nötig gemacht, weil die Hörner in einem offenen Stall nicht nur für andere Kühe, sondern auch für die Bauernfamilien ein Verletzungsrisiko darstellen würden.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rina Heimer am 17.10.2012 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Kühe haben Hörner

    Bauern die nicht wissen wie sie mit Kühen mit Hörnern umgehen müssen, die sollen lieber auf Ackerbau oder Schafzucht umsteigen. Wenn ich nicht Auto fahren kann, werde ich ja auch nicht LKW-Fahrer. Mich nimmt es wunder, wie die armen Bauern bis heute überleben konnten. Als nächstes wird wohl den Hunden die Zähne gezogen.

  • kuh am 17.08.2010 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Kuh

    Ich glaube jeder der hier schon mal eine von einem Horn verletzte Kuh gesehen hat, sollte wissen, dass die Hörner definitiv sehr gefährlich sind für die Tiere. Ich hab schon gesehen, dass einer Kuh mehr oder weniger das ganze Auge bei Rangordnungskämpfen ausgestochen wurde, und dies war keinen falls in einem zu kleinen Stall sondern direkt auf der Weide. Ich finde Kühe mit Hörner ja auch etwas schönes aber Herr Roman Weibel von KAGfreiland soll sich doch zuerst mal mit der Praxis beschäftigen bevor er solche Sachen initiert.

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  • Kuh Stu am 17.08.2010 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Weniger...

    ...ist mehr! Wer weniger Fleisch isst, trägt zur Würde der Tiere bei! Ich liebe Fleisch, esse aber ganz bewusst nur 2-3 mal im Monat Fleisch. Dafür dann aber Demeter oder wenigstens Bio!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rina Heimer am 17.10.2012 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Kühe haben Hörner

    Bauern die nicht wissen wie sie mit Kühen mit Hörnern umgehen müssen, die sollen lieber auf Ackerbau oder Schafzucht umsteigen. Wenn ich nicht Auto fahren kann, werde ich ja auch nicht LKW-Fahrer. Mich nimmt es wunder, wie die armen Bauern bis heute überleben konnten. Als nächstes wird wohl den Hunden die Zähne gezogen.

  • Maja Maier am 19.08.2010 02:52 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber mit Hörnern, aber...

    Mir ist es lieber, wenn Kühe ihre Hörner behalten. 90 % ohne Hörner...! Andererseits weiss ich auch, es kann wirklich "ins Auge gehen", es haben schon Menschen schwere Verletzungen durch Hornstösse erlitten. Bauern, die ich kenne, haben früher alle ihre Kälber enthornt, jetzt lassen sie die Hörner zumindest bei den ruhigeren Tieren dran. So sollte es gehen.

  • Schweizer am 18.08.2010 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Hörner

    Eine Kuh ohne Hörner ist keine Kuh. wenn der Laufstall entsprechend dimensioniert ist, passiert auch nichts. Eine Kuh ohne Hörner ist wie ein freier Schweizer ohne Waffe, nämlich Schutzlos dem Feind ausgeliefert.

  • John am 18.08.2010 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Sache

    Ich kenne persönlich zwei Landwirte die von Kühen lebensgefährlich verletzt wurden. Der eine wurde auf den Boden geschleudert und danach fast zu Tode getrampelt und überlebte nur durch das Eingreifen eines Nachbarn, welcher mit seinem Auto direkt in die Weide fuhr. Selbst das Auto wurde attackiert und um die eigene Achse gedreht. Einem Andern wurde von einem Kuhhorn ein Auge ausgestochen. Etliche wurden attackiert und kamen dank der Enthornung mit dem Schrecken und blauen Flecken davon. Ein Kalb verspürt dank Betäubung fast keinen Schmerz, der Landwirt hat sein Glasauge nun schon 30 Jahre!

    • Helena am 19.08.2010 22:03 Report Diesen Beitrag melden

      Eine Kuh ist immer stärker

      Wenn eine Kuh will, kann sie Dich auch ohne Hörner zu Tode trampeln oder an die Wand drücken. Für die Betroffenen ist es natürlich bedauerlich, aber den Umgang mit so grossen und kräftigen Tieren kann immer schief gehen. Es kann einfach nicht sein, dass wir das Tier der Haltungsumgebung «anpassen» und nicht umgekehrt.

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  • Daniel Wismer am 17.08.2010 20:42 Report Diesen Beitrag melden

    Vorsorglich?

    Mit dem Argument "die Hörner seien gefährlich - es könnte etwas passieren", wird ausgebrannt und veräzt. Nach der selben Logik,dürfte keiner dieser Bauern eine Waffe im Schrank haben - oder? Wetten, dass dem nicht so ist?