Chihuahuas & Co.

26. Juni 2008 14:29; Akt: 27.06.2008 13:19 Print

Der illegale Hundehandel aus dem Osten blüht

von Tina Fassbind - Wer nach dem 1. September 2008 einen Hund erwirbt, muss einen speziellen Kurs absolvieren. Dies verleitet viele Möchtegern- Hundehalter dazu, vorher noch rasch einen Vierbeiner zu shoppen. Die Folge: Der illegale Handel blüht – vor allem mit Modehunden wie Chihuahua und Mops.

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Sie werden im Kofferraum über die Grenze geschafft, liegen zusammengepfercht im eigenen Kot und Urin. Futter oder Wasser gibt’s während der Fahrt selten. Geschwächt kommen die Hehler-Hunde in der Schweiz an und werden ihren neuen Besitzern auf Autobahnraststätten oder Parkplätzen in die Hände gedrückt.

Für Elsbeth Clerc, Präsidentin des Schweizerischen Zwerghunde-Clubs SZC, ist die Situation besorgniserregend: «Im Moment will alles noch schnell einen Hund kaufen, bevor am 1. September die Halterprüfung eingeführt wird. Wie viele Hunde illegal in die Schweiz gelangen, weiss ich nicht. Da gibt es eine grosse Dunkelziffer. Es werden mir aber immer mehr Fälle zugetragen.»

Ein Hündchen, wie Paris Hilton eins hat

Die Tiere kommen gemäss Clerc aus unkontrollierten Zuchten - vorwiegend aus Osteuropa. «Nur Gott weiss, unter welchen Umständen die Hunde dort gehalten und die Welpen aufgezogen werden.» Vor allem Kleintiere werden so gezüchtet, weil sie besonders gut über die Grenze geschmuggelt werden können. «Alle wollen Minihunde», erklärt Clerc, «Paris Hilton und Britney Spears haben beide Chrüppeli-Chihuahuas – trotzdem gelten sie für viele als Vorbilder.» Chihuahua, Yorkshire Terrier und Mops seien so zu regelrechten Modehunden hochstilisiert worden. «Das ist eine ganz schlimme Entwicklung», ärgert sich Clerc.

Billigtiere aus dem Osten

Wer einen Minihund möchte, will dafür auch nur einen Minipreis zahlen. Und nur die illegalen Züchter locken mit Tiefstpreisen. «Ich habe von einer Frau erfahren, dass sie im Osten einen Chihuahua für 1900 Franken gekauft hat. In der Schweiz kosten diese Tiere bis zu 2500 Franken, stammen dann aber aus einer kontrollierten Zucht, sind geimpft, gechipt und es existiert ein rechtlich verbindlicher Kaufvertrag.»

Bevor ein Hund in der Schweiz zur Zucht zugelassen wird, muss er verschiedene Tests durchlaufen (s. Videobeitrag unten). Der Wurf wird von den zuständigen Behörden kontrolliert, damit die Tiere artgerecht aufgezogen werden. Bei den Hunden aus dem Ausland existiert diese Kontrolle nicht.

«Wir können nur warnen»

Obwohl sich die Lage zuspitzt, kann der SZC wenig gegen diese Entwicklung tun. «Wir können nur warnen», so Clerc, «einzig das Bundesamt für Veterinärwesen BVET kann durch verschärfte Kontrollen an der Grenze die Situation verbessern.»

Beim BVET weiss man um die Probleme mit dem illegalen Hundehandel, steht diesem Treiben aber relativ machtlos gegenüber. «Der Zoll kann nur einen Bruchteil der Autos kontrollieren. Eine hundertprozentige Überprüfung ist schlicht unmöglich. Daher sprechen wir die Hundekäufer direkt an und klären sie über die Risiken beim Kauf auf», sagt BVET-Mediensprecherin Cathy Maret auf Anfrage von 20 Minuten Online.

Hierzu hat das BVET die Broschüre «Augenauf beim Hundekauf» (siehe Link-Box) herausgegeben. Die Broschüre wird derzeit aktualisiert und bis Ende Jahr in einer neuen Version erscheinen. Der Import von Hunden wird darin besonders hervorgehoben. «Die Herkunft der Tiere spielt eine grosse Rolle bei der Kontrolle: Kennt man den Hundezüchter? Kann man die Zucht besuchen? Hat man die Mutter der Welpen gesehen?», betont Maret. Aufpassen müsse man auch bei Inseraten im Internet. Und ein absolutes No-Go sei der Kauf von Hunden auf Autobahnraststätten.

Wehe, der Hund ist krank

Was viele nicht einberechnen: Beim Kauf eines illegal importierten Hundes können sehr hohe Folgekosten entstehen. «Die Tiere könnten schwer krank sein. Entsprechend hoch fallen die Tierarztkosten aus», warnt die BVET-Sprecherin. Nicht selten seien die Hunde auch schlecht sozialisiert oder weisen Verhaltensstörungen auf: «Dann kann den Haltern nur noch ein Verhaltenstierarzt helfen. Deswegen ist es entscheidend, den Kauf gut zu überdenken und alles genau zu überprüfen.»

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