Jokertage und Turnschuhe

25. Juni 2018 05:37; Akt: 25.06.2018 07:50 Print

Die «Kuschel-RS» ist bei Rekruten ein Erfolg

von P. Michel - Mit Erleichterungen im Dienst will die Armee die Zahl der Abgänge reduzieren. In der ersten Rekrutenschule unter dem Modell zeigen die Massnahmen Wirkung.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Turnschuhe auf dem Marsch, Ausgang ab der ersten Woche und mindestens sechs Stunden Schlaf: Die Armee hat auf Anfang Jahr Massnahmen ergriffen, um die Armee attraktiver zu machen und die Zahl der Abgänge zu reduzieren (siehe Bildstrecke).

Jetzt zeigen Daten, die 20 Minuten vorliegen: Das als «Kuschel-RS» kritisierte Paket zeigt Wirkung. Die Zahl der Abgänge aus der ersten Rekrutenschule des Jahres 2018 fielen tiefer aus als im Vorjahr. Damals verabschiedeten sich 15 Prozent der 16'615 eingerückten Rekruten aus der Ausbildung, im neuen Modell waren es zwölf Prozent der bisher eingerückten 10'763 angehenden Soldaten.

«Erste positive Wirkungen»

Aufgrund der Weiterentwicklung der Armee hat sich die Grösse der Rekrutenschulen erhöht. Deshalb sei beim Vergleich der Zahlen Vorsicht geboten, sagt Delphine Allemand, Sprecherin des Verteidigungsdepartements. Trotzdem spricht sie von «ersten positiven Wirkungen».

Haben Sie dieses Jahr die Rekrutenschule absolviert und möchten von Ihren Erfahrungen erzählen? Melden Sie sich.

«Es geht darum, die Rekruten während den ersten Wochen der Rekrutenschule zielgerichtet auf die kommenden Belastungen vorzubereiten und diese schrittweise zu erhöhen», so Allemand. Damit würden die medizinische Abgänge aufgrund von Überbelastungen reduziert. «Die Rate der medizinisch Entlassenen konnte in den Rekrutenschulen so bereits reduziert werden.»

Für SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf zeigen die Resultate, dass die Armee auf dem richtigen Weg ist, um sich bei den Jungen wieder attraktiver zu positionieren. «Das Ziel muss sein, die Jungen, die Dienst leisten wollen, dafür zu motivieren, statt die Hürden für den Zivildienst zu erhöhen.» Mit der Anpassung trage man den gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung: «Einige Junge sind heute oft weniger fit, darauf muss sich die Armee einstellen.» Zudem seien die Zeiten, als es darum ging, im Militär den «harten Siech» zu geben, vorbei. Von einer «Kuschel-RS» könne trotzdem keine Rede sein, sagt Seiler Graf: «Die Jugendlichen wollen von sich aus ihre Grenzen austesten und werden dies auch weiterhin tun.»

Sogar SVP-Politiker begrüssen die Massnahmen

Schützenhilfe erhält Seiler Graf von rechts: Auch SVP-Haudegen Adrian Amstutz, der jüngst Zivildienstleistende als «traurige Weicheier» und «Schutzdienstverweigerer» bezeichnet hatte, begrüsst die Massnahmen zur Attraktivitätssteigerung der Armee. Mit Blick auf die «progressive Gestaltung der körperlichen Belastungen im Dienst», wozu etwa die Reduktion der zu Fuss zurückgelegten Distanzen in den ersten vier RS-Wochen gehört, sagt er: «Ein zielgerichteter Trainingsaufbau hat nichts mit weich zu tun, sondern wie im Sport mit besserer Zielerreichung.» Einen kontinuierlichen Aufbau des Körpers und der Psyche brauche es, um letztlich die notwendigen militärischen Anforderungen erfüllen zu können.

Verkommt die RS zum Pfadilager?

Keine Freude an der «Pfadilager-Stimmung» in der Rekrutenschule hatte bei Lancierung der Anpassungen die Gruppe Giardino, die sich für eine «starke Milizarmee» einsetzt. Deren Präsident Willi Vollenweider erklärte, die Armee verkomme zu einem «Pfadilager». Auf Anfrage sagt Sprecher Markus Müller nun, es sei zwar zu begrüssen, dass sich durch die Massnahmen die Abgänge aus der RS reduzierten. Problematisch sei aber, was für ein Signal die Armee mit den Erleichterungen an die Jugend sende. «Dass Begriffe wie Kuschel-RS im Umlauf sind, ist für den Ruf der Armee nicht förderlich.» Ob die Massnahmen tatsächlich nachhaltig Wirkung zeigten, müsse man in ein bis zwei Jahren beurteilen.

Mitarbeit: D. Waldmeier


Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wahr Heit am 25.06.2018 06:28 Report Diesen Beitrag melden

    Herti Sieche

    Die Armee wurde in den letzten Jahren anzahlmässig massiv reduziert. Es hätte genügend Schlafplätze, damit jeder sein Mami mitnehmen könnte!

    einklappen einklappen
  • Ü 50er am 25.06.2018 06:24 Report Diesen Beitrag melden

    Hätte schon lange gemacht werden sollen

    Sorry, aber was zu unseren Zeiten damals abging, war der absolute Schwachsinn. Da ging man fast über Leichen und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Dies macht ja absolut keinen Sinn, wenn man als Füsel Tagelang nur marschieren musste. Wofür ? Im Kriegsfall wäre dies auch nie nötig gewesen. Dafür hätte man LKW's gehabt etc. Und hört mir auf, dass man aus Teenies Männer machen muss. Das ist nicht Sache des Militärs, sondern das Üben im Kriegsfall. Dafür war die RS und nicht für all den Schwachsinn, welchen wir früher machen mussten !

    einklappen einklappen
  • Martin W. am 25.06.2018 07:57 Report Diesen Beitrag melden

    das eigentliche Problem...

    ... ist nicht unbedingt die Härte der RS sondern die unnütze dumme Warterei. Hauptsache Tagwach um 5, innert 10min bereit sein nur um um danach stundenlang dumm rum zu stehen bis es endlich weiter geht.. Jeden Tag Stundenlanges warten ohne Sinnvolle beschäftigung, das hat mich ewigs aufgeregt. Zumindest kenne ich das soo von meiner RS und viele Kollegen pflichteten mir bei, dass es bei ihnen ähnlich war. Deswegen hatte ich irgendwann einfach keinen Bock mehr und hab lieber einen Dienst an der Gesellschaft geleistet. da hatte ich Arbeit von Morgen bis Abend. Keine unnütze rumsteh und warterei..

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rekrut Sebastian Kelon am 30.06.2018 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Beitrag ist nicht wirklich korrekt

    Würde auch nur die hälfte des Beitrages stimmen, wäre ich wohl jetzt nicht auf der Militärischen Krankenstation.

  • Denker & Zyniker am 27.06.2018 00:22 Report Diesen Beitrag melden

    Erfolg?

    Hoffe einfach, es gibt keinen Ernstfall! Wenn ich das lese mache ich mir Sorgen um meine Freiheit. Diese Touristen sollen uns verteidigen? Wirklich? Was ist die nächste Stufe? Doodle für die Mobilmachung? Harfenmusik vom Feldi zum Aufwecken? Können wir kein Business daraus machen? Ideen? Bootcamps für Manager unter Führung von Feldweibel Schulz oder Maschinengewehrkurse für schiessgeile Bankangestellte... Na ja, man könnte meine Steuergelder auch schlechter anlegen, siehe Postbeschiss...

  • Peter Imhof am 26.06.2018 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Empfehlenswert

    RS ist Durchhaltevermögen, Wille und Teamwork. Wenn man diese drei "Attribute" nicht spürt, dann war/ist das meiner Meinung nach keine richtige RS. Man wird an die Grenzen gebracht und sollte spüren, zu was ein Mensch fähig ist. Denn es ist alles nur Kopfsache. Ich war im Jahr 2013 in der Panzerschule 22 in Thun und kann sagen: Die geilste Zeit meines Lebens welche ich NIE wiederholen würde. Grund: Man ist stolz darauf, dass man die schweren Phasen und die schrecklichsten Momente im Leben (so far) druchgestanden hat.

  • Fritz Kluge am 25.06.2018 21:00 Report Diesen Beitrag melden

    Kuschel RS

    Prima. Eine Weiterentwicklung. Neues Testen, wenn Erfolg weiterentwickeln. Wie im zivilen Leben. Prima.

  • Marco am 25.06.2018 20:15 Report Diesen Beitrag melden

    Oh gott

    Disziplin,Anstand und Biss Wann wollen die weichen jungs dan das noch lernen wenn nicht in der rs?!? Tragisch..........

    • Dani Seiler am 28.06.2018 16:42 Report Diesen Beitrag melden

      Tragisch...

      Weil ja die jungen Männer in Frankreich, Deutschland, England, Spanien und vielen weiteren Ländern welche keine Wehrpflicht haben, keine Disziplin, Anstand und Biss haben... läck du mier so en seich

    einklappen einklappen