Rupperswil

07. März 2018 05:40; Akt: 07.03.2018 06:43 Print

Die Chronologie einer Tat, die die Schweiz aufwühlte

von Jennifer Furer - Thomas N. muss sich ab dem 13. März wegen des Vierfachmords in Rupperswil verantworten. Die Chronologie vom Tag der Tat bis heute.

Über den Vierfachmord von Rupperswil hat 20 Minuten einen Dokumentar-Film gedreht. (Video: Murat Temel und Jennifer Furer)
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21. Dezember 2015
Ein Haus in der 5000-Seelen-Gemeinde Rupperswil AG brennt. Die Feuerwehr, Polizei und Ambulanz rücken gegen den Mittag an den Ostrand der Gemeinde aus. Feuerwehrleute begeben sich mit Atemschutzmasken ins Haus und finden vier Leichen. Wie die Menschen ums Leben kamen und ob es sich um ein Verbrechen handelt, ist zu dieser Zeit noch unklar.


Das sagte die Kantonspolizei zum Brand und den vier Leichen.

22. Dezember 2015
Die Aargauer Staatsanwaltschaft kommuniziert, dass die vier Toten einem Kapitalverbrechen zum Opfer gefallen sind. Sie wiesen Stich- oder Schnittverletzungen auf. Der Brand ist nach der Tötung absichtlich gelegt worden. Der Täter oder die Täter waren nicht unter den Opfern, hiess es. Die Ermittlungen werden aufgenommen.

23. Dezember 2015
Es wird bekannt, wer die Opfer sind: die Bewohnerin Carla S. (48), ihr Sohn Dion (19), dessen Freundin Simona F. (21) und Davin (13), der jüngere Sohn von Carla S.

Die Opfer vom Vierfachmord in Rupperswil

Ermittler wenden sich mit einem Foto an die Öffentlichkeit. Auf diesem ist zu sehen, wie Carla S. am 21. Dezember um 10.10 Uhr in der Filiale Wildegg der Aargauischen Kantonalbank am Schalter Geld abhebt. 20 Minuten zuvor hat sie bereits an einem Automaten der Hypothekarbank Lenzburg in Rupperswil Geld bezogen. Die Polizei sucht Zeugen, die Hinweise auf die noch unbekannte Täterschaft geben können.

Carla S. hebt am Schalter Geld ab

24. Dezember 2015
Die Polizei tappt im Dunkeln: Bisher kann niemand festgenommen werden, die Tatwaffe bleibt verschwunden, obwohl die Polizei mit einem Grossaufgebot in den Gärten und Wiesen rund um das Einfamilienhaus im Spitzbirrliquartier danach sucht. Auch zum Motiv ist nichts bekannt. Die Medien spekulieren. Ging es um Geld? Um Erpressung?

Währenddessen sucht die Polizei auf Hochtouren nach der Täterschaft. Polizisten verteilen an Heiligabend Flugblätter und sprechen Bewohner von Rupperswil und den umliegenden Gemeinden persönlich an. Auf dem Flugblatt sind ein Zeugenaufruf und das Foto der getöteten Carla S. beim Geldabheben zu sehen. Die Polizei sucht zudem Dashcam-Aufnahmen (Kameras in Autos), die zum Tatzeitpunkt gemacht worden sind.

Polizei ermittelt im Fall Rupperswil

26. Dezember 2015
Es wird bekannt, dass sich zwei Männer nur wenige Stunden nach der Tat in einer Apotheke in Wohlen AG wegen Schnittwunden verarzten liessen. Das Geschäft liegt nur 15 Autominuten vom Tatort entfernt.

Dank der Flugblattaktion gehen mehrere Dutzend Hinweise und Dashcam-Videos ein.

27. Dezember 2015
Medien berichten, dass die Polizei nun auch international nach der Täterschaft sucht. Sie hat das weltweite Polizeinetzwerk Interpol eingeschaltet und vorhandene Daten weitergeleitet.

28. Dezember 2015
Noch immer wird spekuliert, wer die vier Personen umgebracht hat. In den Medien gehen Forensiker und Gerichtspsychiater davon aus, dass mehrere Täter in die Tat involviert waren.

29. Dezember 2015
Der Gemeindeammann von Rupperswil äussert sich in der «Aargauer Zeitung» zur Tat. Er sagt, dass sie ein grosses Thema in der Bevölkerung sei und eine Verunsicherung zu spüren sei.


Gemeindeammann Ruedi Hediger (Bild: Keystone, Gian Ehrenzeller)

3. Januar 2016
Der leitende Staatsanwalt gibt bekannt, dass davon ausgegangen wird, dass Täter und Opfer sich wahrscheinlich nicht gekannt haben.

4. Januar 2016
In der Schule des jüngsten Opfers, dem 13-jährigen Davin S., wird ein Pult ausgestellt, um ihm zu gedenken. Es ist mit brennenden Kerzen und einem geflochtenen Herz dekoriert. Klassenkameraden können sich in ein Kondolenzbuch eintragen. Am Morgen führt die Schule eine Zeremonie durch. Rund 20 Klassenkameraden und über 30 Sportkollegen nehmen teil.

8. Januar 2016
Über 600 Trauergäste nehmen am Nachmittag in der reformierten Kirche in Rupperswil Abschied von Carla S., Dion und Davin S. Unter ihnen sind auch der Aargauer Justizdirektor Urs Hofmann und Gemeindeammann Rudolf Hediger.

Gedenkgottesdienst für die Opfer von Rupperswil

9. Januar 2016
In Hunzenschwil AG findet die Abdankung der 21-jährigen Freundin von Davin, Simona F., statt. Weit über 500 Leute nehmen teil. Die Familie wünschte sich im Vorfeld, dass niemand in Trauerkleidung erscheint, stattdessen Sneakers anzieht. Diese Schuhe habe Simona sehr gemocht.

14. Januar 2016
Der Lebenspartner von Carla S. spricht erstmals mit den Medien. Im «Blick» sagt er, dass er Carla S. am Freitag vor der Tat zu einem Candle-Light-Dinner ausführte. Sie seien verliebt gewesen — bis zum Schluss. Wie es ihm geht? «Ich weiss es selber nicht. Es ist eine Leere hier, die unerträglich ist», sagt er.

21. Januar 2016
Die Staatsanwaltschaft fragt bei der Sendung «Aktenzeichen XY ... ungelöst» des ZDF an, den Fall zu thematisieren.

17. Februar 2016
Die Staatsanwaltschaft und die Polizei laden zur Medienkonferenz. Sie wollen zum aktuellen Stand der Ermittlungen informieren.

18. Februar 2016
In der Medienkonferenz geben die Behörden bekannt, dass noch kein Täter gefasst wurde. Der Kanton stellt als Belohnung für den entscheidenden Hinweis 100'000 Franken in Aussicht. Es ist die höchste Belohnung in der Schweizer Kriminalgeschichte.

Bislang sind aus der Bevölkerung 250 Hinweise eingegangen, 110 Personen wurden einvernommen. Sechs Personen stellten Dashcam-Videos zur Verfügung. Doch nicht einer hat bisher zu einem Tatverdächtigen geführt. Man arbeite aber sieben Tage in der Woche rund um die Uhr am Fall, heisst es. Es wurde eine 40-köpfige Sonderkommission einberufen, hinzu kommen Fachleute aus der Schweiz und dem Ausland.

Erste Medienkonferenz im Fall Rupperswil

19. Februar 2016
Die Behörden veröffentlichen ein zweites Foto von Carla S. Auf der neu veröffentlichten Aufnahme ist Carla S. am Bancomaten der Hypothekarbank Rupperswil zu sehen. Dort hob das spätere Mordopfer am 21. Dezember 2015 um 9.50 Uhr 1000 Euro ab. Danach liess sie sich um 10.10 Uhr in einer Bankfiliale in Wildegg 9850 Franken auszahlen. Bekannt wird auch, dass DNA und Fingerabdrücke der Täterschaft gefunden wurden. Ein Abgleich bleibt jedoch erfolglos.

Der «Blick» berichtet, dass die Aargauer Staatsanwaltschaft per Brief Verdächtige zur DNA-Abgabe auffordert.

20. Februar 2016
Das Aussetzen der rekordhohen Belohnung zeigt Wirkung. In der Nacht ist laut einem Polizeisprecher ein «erster Schub» von Mails hereingekommen. Diese werden an die Sonderkommission weitergeleitet.

23. Februar 2016
Unter dem Titel «Gesetz als Hindernis» schreibt 20 Minuten an diesem Tag, dass die gefundenen DNA-Spuren des Täters eigentlich noch mehr Informationen preisgeben würden, als bisher ausgewertet worden sind. So beispielsweise die Augen- oder Hautfarbe, die Körpergrösse, die Herkunft oder ob beispielsweise jemand ein Grübchen am Kinn hat. In der Schweiz ist das aber gesetzlich nicht erlaubt.

25. Februar 2016
Der Fall Rupperswil wird von der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY ... ungelöst» verfilmt. Davon erhoffen sich die Behörden neue Hinweise. Wann der Bericht ausgestrahlt wird, ist noch offen.


Ruedi Cerne moderiert die ZDF-Sendung «Aktenzeichen: XY ... ungelöst», in der ungelöste Verbrechen thematisiert werden.

2. März 2016
Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigt, dass zur Aufklärung des Falls auch Handy-Daten ausgewertet werden. Ins Visier der Ermittler gerät deshalb jeder, der sich in der Nähe des Tatorts aufhielt.


Eine Handy-Antenne beim Bahnhof Rupperswil.

12. April 2016
Die ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY ... ungelöst» gibt bekannt, dass der Filmbeitrag über Rupperswil am 8. Juni ausgestrahlt wird. Die Dreharbeiten für den rund zehn Minuten dauernden Beitrag finden in Deutschland, genauer im Raum München und Fürstenfeldbruck, statt.

Fall Rupperswil bei Aktenzeichen XY

14. April 2016
Der «Blick» veröffentlicht Details zur Tat, die die Zeitung aus dem Drehbuch für «Aktenzeichen XY ... ungelöst» entnimmt. So soll ein Nachbar am Tatmorgen auf dem Vorplatz eine Zigarette geraucht haben. Dabei sah er, wie die Rollläden runtergingen. Zudem soll Carla S. um 9.22 Uhr im Wohnzimmer am Laptop die Kontostände ihrer Banken abgefragt haben. Etwas später soll Carla S. von einer Freundin angerufen worden sein. Als sie das Telefon nicht abnimmt, begibt sich diese zu Carla S. Sie öffnet die Tür nur einen Spalt weit und sagt, dass alles in Ordnung sei. Carla S. gibt der Freundin ihren kleinen weissen Hund. Dann geht sie zu zwei Banken und hebt Geld ab.

Auch die Eltern von Carla S. kommen im Filmbeitrag vor. Sie bringen Weihnachtsgeschenke zum Haus. Eine Nachbarin entdeckt, wie Rauch aus dem Haus quillt. Die drei gehen ins Haus und rufen nach Carla S. Als der Vater in den oberen Stock will, schlägt ihm Rauch entgegen. Die Feuerwehr trifft ein und entdeckt die vier Leichen im Haus.

8. Mai 2016
Der Regionalfernsehsender Tele M1 berichtet, dass die Familie der in Rupperswil getöteten Carla S. das Erbe ausgeschlagen hat. Sie wollen das Tat-Haus nicht haben. Nun wird es wohl versteigert.


Das Haus der Familie S. (Bild: Stefan Hohler)

13. Mai 2016
Der Vater von Carla S. äussert sich erstmals in einem Interview im «Blick». Er sagt, dass der Schmerz unerträglich sei und es wie ein Stich ins Herz gewesen sei, als er erfuhr, dass alle tot sind. Er hoffe, dass der Täter gefunden wird. «Erst dann finden wir vielleicht einen kleinen Seelenfrieden.»

13. Mai 2016
Der Täter ist gefasst — 146 Tage nach dem Vierfachmord. Das vermelden die Behörden in einer Medienkonferenz. Die Verhaftung sei einen Tag zuvor nach 72-stündigen Vorbereitungsarbeiten erfolgt. Wie sie dem Täter auf die Schliche gekommen sind, verraten Polizei und Staatsanwaltschaft nicht. Sie geben aber Details zu ihm bekannt: Er ist ledig, 33 Jahre alt und kommt aus Rupperswil. Er ist ein Einzeltäter, hat keinen Bezug zur Familie und legte am Tag seiner Festnahme ein Geständnis ab.

Der Täter hatte ein sexuelles und finanzielles Motiv. Es sei zu einem Übergriff gekommen. Der Täter hatte von Anfang an geplant, alle vier Personen umzubringen und danach Feuer zu legen, um die Spuren zu verwischen.

Der Täter von Rupperswil ist gefasst

Auch zum Tatablauf äussern sich die Behörden: Der 33-Jährige – bis dahin ist noch kein Name bekannt – beobachtete das Haus, bis der Lebenspartner von Carla S. das Haus verliess. Mit einer List habe er sich Zugang zum Haus verschafft. Er habe ein normales Gespräch angefangen. Danach habe er den jüngeren Sohn bedroht und die Mutter gezwungen, ihren älteren Sohn und dessen Freundin zu fesseln. Carla S. zeigte ihm dann ihre finanziellen Möglichkeiten auf, danach habe der Täter auch den jüngsten Sohn gefesselt. Die Mutter fuhr zur Bank.

Bei ihrer Rückkehr habe er auch sie gefesselt und sich sexuell am jüngeren Sohn vergangen. Er schnitt allen vier Personen die Kehle durch und zündete das Haus an. Dann verliess er unerkannt das Haus. Laut der Staatsanwaltschaft plante er weitere solche Taten und hatte gar einen Rucksack dafür gepackt.

Nachbarn beschreiben den Mann, der nicht vorbestraft ist, als unauffälligen Typen. Er arbeitete als Junioren-Trainer in einem Fussballclub. Der geständige Täter hatte Hunde, mit denen er oft spazieren ging, und wohnte noch bei seiner Mutter.


Rupperswiler zum mutmasslichen Täter. (Video: Murat Temel)

14. Mai 2016
Der 33-jährige mutmassliche Täter sitzt in Untersuchungshaft im Zentralgefängnis Lenzburg. Es wird bekannt, dass er bei Seetal Selection, gegründet aus den Fussballvereinen SC Seengen und FC Sarmenstorf, Trainerkoordinator war und manchmal auch Jugendliche trainiert hat. Einen Tag zuvor habe er noch am Spielfeldrand gestanden, sagt Mediensprecher Roland Wenger dem «Tages-Anzeiger». Erstmals wird der Namen des Täters veröffentlicht: Thomas N. Trotz seines Geständnisses gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.

Thomas N. sitzt in der JVA Lenzburg

15. Mai 2016
Thomas N. ging in der neuen Kantonsschule Aarau zur Schule. Die «Schweiz am Sonntag» berichtet, dass er dort eine Arbeit mit dem Titel «Osama Bin Ladens Motive für die Terroranschläge vom 11. September 2001» im Jahr 2003 geschrieben hat. Der «Blick» berichtet, dass er einen älteren Bruder hat und sein Vater überraschend im Jahr 2011 an einem Herzinfarkt verstorben ist. Das Haus, in dem er wohnte, befindet sich nur wenige hundert Meter vom Tatort. Täglich sei er dort vorbeigegangen.

16. Mai 2016
Thomas N. bekommt eine Pflichtverteidigerin: Renate Senn, eine auf Strafrecht spezialisierte Anwältin aus Baden. Sie schreibt in einer Mitteilung: «Der Tatverdächtige hat vollständig gestanden. Er hat in einem Rechtsstaat wie der Schweiz das Anrecht auf einen korrekt durchgeführten Strafprozess.» Und weiter: Sie werde ihre Arbeit «mit allem Respekt und mit Würde gegenüber den Opfern und den Hinterbliebenen wahrnehmen». Sie werde Thomas N. weder in der Öffentlichkeit verteidigen noch als «dessen Sprachrohr dienen».


Sie verteidigt den Vierfachmörder von Rupperswil: die Aargauer Rechtsanwältin Renate Senn. (Bild: strafverteidiger.ch)

An diesem Tag wird zudem kommuniziert, dass es keine Hinweise auf weitere Opfer oder Straftaten des Täters gibt.

18. Mai 2016
Der Lebenspartner von Carla S. gibt der SRF-Sendung «Rundschau» ein Interview. Er sagt: «Das ist es, worauf ich seit Monaten gewartet habe. Jetzt ist die Tat aufgeklärt. Ich bin wirklich froh, dass man den Täter gefasst hat und ich hoffentlich abschliessen kann.»


Video: SRF/Blick

Gleichzeitig zeigt er sich von der schweizerischen Gesetzesgebung enttäuscht: «Die Aargauer Polizei hat das Beste gemacht. Ich denke aber, mit einer DNA-Analyse hätte man schneller vorankommen können.» Jedoch seien in der Schweiz die Möglichkeiten wegen des Datenschutzes sehr beschränkt. «Das ist natürlich ein Skandal, gelinde gesagt.» Er fordert nun, dass das Gesetz entsprechend geändert wird. Das hat er bereits Bundesrätin Simonetta Sommaruga in einem persönlichen Brief mitgeteilt.

Der Regierungsrat beschliesst zudem, dass die zur Aufklärung des Gewaltverbrechens ausgesetzte Belohnung des Kantons Aargau von 100'000 Franken an die Mitarbeitenden der Kantonspolizei und der Staatsanwaltschaft geht. Sie wird auf 42 Mitarbeitende verteilt. Die Prämien bewegen sich zwischen 350 und 2300 Franken. Zudem werden noch Teamprämien ausbezahlt.

Der «Blick» und die «Aargauer Zeitung» berichten über die Verhaftung von Thomas N. Sie soll gemäss Zeugen in der Aarauer Starbucks-Filiale erfolgt sein. Der Tatverdächtige soll von rund acht Polizisten minutenlang beim Kaffeetrinken beschattet worden sein, bevor sie zugriffen.


Die Starbucks-Filiale in Aarau.

19. Mai 2016
Der Regionalsender Tele M1 berichtet, dass Thomas N. nach der Tat am Abend mit ein paar ehemaligen Fussballjunioren der Seetal Selection nach Zürich in den Ausgang ging. Sie sollen im Steakhouse zu Abend gegessen haben. Danach vergnügte sich der Täter mit seinen Kollegen im Casino. Roland Wenger sagt, dass Thomas N. nach der Tat über den Vierfachmord gesprochen habe — an der Seitenlinie während eines Fussballspiels. «Als sich Personen über den Mordfall von Rupperswil unterhielten, hat auch er sich an der Diskussion beteiligt.»

Hier wohnte der Täter von Rupperswil (2)

19. Mai 2016
«Aktenzeichen XY ... ungelöst» verzichtet auf die Veröffentlichung des gedrehten Beitrags über den Fall Rupperswil.

20. Mai 2016
Es wird öffentlich, dass Thomas N. nur 48 Stunden nach der Horrortat Weihnachtsgrüsse auf Facebook verschickt hat. «Wir wünschen euch allen ein besinnliches Weihnachtsfest und hoffen, die Wirbelwinde lassen bei allen den Weihnachtsbaum stehen», schreibt er in einem Post am 23. Dezember 2015. Dazu stellt er Fotos aus seinem Haus und seinen zwei Huskys. Am Ende des Textes: ein Smiley.

Thomas N. mit seinen Huskys

22. Mai 2016
«Die SonntagsZeitung» berichtet, dass Thomas N. nicht, wie er scheinbar gegenüber Bekannten behauptet haben soll, Medizin studiert hat. Im Herbst 2003 begann er mit einem Jusstudium an der Universität Bern. Bereits nach einem Jahr brach er dieses ab. Fünf Jahre später hat Thomas N. den Numerus Clausus bestanden und sich erneut an der Universität Bern eingeschrieben, zog kurz darauf die Anmeldung aber wieder zurück.

9. Juni 2016
Noch ist unklar, wie die Ermittler auf die Spur von Thomas N. kamen. Medien spekulieren, dass es allenfalls die Haare seiner Hunde waren oder dass das Auswerten von Handy und PC des 33-Jährigen zum Erfolg geführt haben. So soll Thomas N. gemäss «Blick» die Familie S. gegoogelt haben.

14. Juni 2016
Neue Details zur Tat werden bekannt: So soll Thomas N. laut dem «Blick» alle Opfer in verschiedenen Stockwerken in ihren Zimmern und Betten zurückgelassen haben. So lag Carla S. im Doppelbett im Elternschlafzimmer im ersten Stock. Im gleichen Stock soll Davin in seinem Bett zwischen Kuscheltieren gelegen haben. Dion und seine Freundin Simona seien im Dachgeschoss gelegen.

1. August 2016
Der Kriminologe Martin Killias spricht am 1. August in Rupperswil. Auch an diesem Tag gedenkt man den Opfern und thematisiert die Tat. «Hier passierte etwas Grauenhaftes ganz aus unserer Mitte: Keine plausiblen Ursachen, keine Erklärungen, was wer wie anders hätte machen können oder müssen», sagte er.


Martin Killias. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

14. Oktober 2016
Tele M1 berichtet, dass bei Thomas N. die Suizidgefahr als sehr hoch eingestuft wurde. Er sei deshalb von Mitte Mai bis Ende September Tag und Nacht überwacht worden. Die Überwachung kostete pro Monat rund 50'000 Franken.

30. Oktober 2016
Thomas N. sitzt nicht mehr in Sicherheitshaft, sondern in der allgemeinen Abteilung der Untersuchungshäftlinge im Zentralgefängnis Lenzburg. Er darf am Kiosk einkaufen und in seiner Zelle TV schauen.

21. Dezember 2016
Ein Jahr nach der Tat findet eine Gedenkfeier für Angehörige und Freunde der Opfer in Rupperswil statt. Rund 200 Gäste waren anwesend. «Wir fanden, es tut uns gut, wenn wir an diesem Tag gemeinsam unterwegs sein können», sagte Pfarrer Christian Bühler in der reformierten Kirche.

Februar 2017
Thomas N. wird in die Strafanstalt Pöschwies versetzt. Über die Gründe der Verschiebung halten sich die Behörden bedeckt. Thomas N. dürfte sich im Spezialvollzug befinden und somit täglich Kosten von 406 bis 531 Franken verursachen. Im Jahr wären das zwischen rund 150'000 bis 200'000 Franken. Dafür muss der Steuerzahler des Kantons Aargau aufkommen.


Die Strafanstalt Pöschwies in Regensdorf ZH. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

13. März 2017
Das Haus, in dem Thomas N. mit seiner Mutter in Rupperswil gewohnt hat, steht im Internet zum Verkauf.

Das Haus von Thomas N.

22. März 2017
Der Bund stellt dem Kanton Aargau eine Rechnung in Höhe von 800'000 Franken. Bei den Ermittlungen wurden über 30'000 Handynummern überprüft. Das Aargauer Departement für Volkswirtschaft und Inneres gelangt mit der Rechnung nun ans Bundesverwaltungsgericht. Nach Ansicht des Departements entspreche der Betrag nicht der anwendbaren Gebührenverordnung.

7. September 2017
Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau erhebt Anklage gegen Thomas N. Er wird wegen mehrfachen Mordes, mehrfacher räuberischer Erpressung, mehrfacher Geiselnahme, mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind, mehrfacher sexueller Nötigung und Brandstiftung angeklagt. Sie übergibt dem Bezirksgericht 88 Bundesordner an Verfahrensakten. Auch angeklagt wird der inzwischen 34-Jährige wegen mehrfacher Pornografie: Die Staatsanwaltschaft stellte auf N.s Computern umfangreiches kinderpornografisches Material sicher.


Mit dieser Medienmitteilung verkündete die Staatsanwaltschaft Aargau die Anklageerhebung.

28. September 2017
Es wird bekannt, dass Thomas N. im März vor das Bezirksgericht Lenzburg kommt. Am 13. März 2018 starten die Verhandlungen. Sie dauern voraussichtlich vier Tage. Die Staatsanwaltschaft wird die Anträge an der Verhandlung bekannt geben.

28. Dezember 2017
Das Bundesverwaltungsgericht heisst eine Beschwerde des Aargauer Departements Volkswirtschaft und Inneres teilweise gut. Das Gericht entscheidet, dass die Kosten zu hoch angesetzt wurden. Für angemessen hält es ungefähr ein Viertel des Betrags, also 200’000 Franken. Die Differenz wird voraussichtlich der Bund bezahlen müssen.

24. Januar 2018
Der Prozess gegen Thomas N. wird in den Räumen der Mobilen Polizei in Schafisheim AG stattfinden.