Tamedia-Umfrage

13. September 2017 05:43; Akt: 13.09.2017 05:43 Print

Die Rentenreform wird für Berset zur Zitterpartie

Laut der Tamedia-Umfrage steht die Reform der Altersvorsorge auf der Kippe.

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Unter Druck: Sozialminister Alain Berset (SP). (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

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Gut zwei Wochen vor dem Urnengang ist das Rennen um die erste grosse Reform der AHV seit über 20 Jahren weiterhin komplett offen. Im Vergleich zur letzten Befragung von vor zwei Wochen konnte sich kein Lager entscheidend absetzen – die Abstimmung wird für Sozialminister Alain Berset (SP) zur Nervenprobe. Derzeit sagen 48 Prozent Ja zur Reform der Altersvorsorge, 49 Prozent der Stimmbürger wollen sie ablehnen.



Von einer knappen Mehrheit von 51 Prozent wird dagegen die Erhöhung der Mehrwertsteuer zugunsten der AHV unterstützt. 46 Prozent wollen laut der Tamedia-Abstimmungsumfrage mit 11'921 Teilnehmern ein Nein in die Urne legen. Bei dieser Vorlage bedarf es neben dem Volks- aber auch ein Ständemehr.



Über die Altersvorsorge 2020 wird in zwei Vorlagen abgestimmt. Diese sind miteinander verknüpft. Fällt nur eine der beiden Vorlagen an der Urne durch, ist die gesamte Altersreform gescheitert. Der kleine Unterschied bei der Zustimmung zu den beiden Vorlagen lässt sich wohl dadurch erklären, dass sich die Opposition einiger Stimmbürger gegen einzelne Inhalte der Reform wie die 70 Franken mehr AHV für alle Neurentner richtet, während die Zusatzfinanzierung der AHV weniger umstritten ist.

Widerstand von den Frauen

Weiter zeigt die Umfrage, dass die Wähler den Parolen ihrer Parteien folgen. So lehnen 80 Prozent der SVP-Wähler (2. Welle: 75% Nein) und 62 Prozent der FDP-Wähler (2. Welle: 58% Nein) die Reform der Altersvorsorge ab. Am grössten ist die Zustimmung bei den SP-Anhängern: 77 Prozent sagen Ja (2. Welle: 75% Ja).

Skeptischer als die Männer sind die Frauen, deren ordentliches Rentenalter bei einem Ja zur Reform auf 65 Jahre ansteigt. Während sich 52 Prozent der Männer für die Reform der Altersvorsorge aussprechen, sind es bei den Frauen nur 43 Prozent. Gemäss der Umfrage ist die Zustimmung für die Rentenreform bei der Gruppe der 50- bis 64-Jährigen, die von einer Besitzstandwahrung profitieren, am grössten: 55 Prozent wollen das Gesetz annehmen.

Im Lager der Befürworter ist man alarmiert, bleibt aber optimistisch. CVP-Kampagnenleiterin Laura Curau sagt: «Die Pattsituation zeigt, dass beide Lager hart kämpfen. Wir konnten die Zustimmung festigen und werden alles dafür tun, um in den nächsten Tagen möglichst viele Befürworter zu mobilisieren.» Bei einem Nein stehe man vor einem Scherbenhaufen. Potenzial sieht Curau insbesondere bei den Stimmbürgerinnen: «Alle grossen Frauenorganisationen sind für die Reform, weil sie gerade Frauen mit tiefen Einkommen Vorteile bringt.»

Die Gegner sehen sich auf Kurs: «Es gibt ein Herzschlagfinale, aber die Umfrage zeigt uns, dass ein Sieg möglich ist», sagt FDP-Kampagnenleiter Matthias Leitner. Er könne sich gut vorstellen, dass sich Alain Berset die Abstimmung entspannter vorgestellt habe. «Seine Drohungen und seine Behördenpropaganda haben aber viele Bürger stutzig gemacht.» Dass gerade die Frauen skeptischer seien, könne er gut verstehen: «Sie sind die Verliererinnen der Reform. Sie müssen länger arbeiten, ihr Opfer geht aber wieder für die 70 Franken mehr AHV drauf.»

Ernährungssicherheit ungefährdet

Ein deutliches Ja ist laut der Umfrage bei der neuen Verfassungsbestimmung zur Ernährungssicherheit zu erwarten: Gut zwei von drei Stimmbürgern wollen die Vorlage annehmen.

11'921 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 7. und 8. September online an der dritten Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage zur eidgenössischen Abstimmung vom 24. September teilgenommen. Die Umfragen werden in Zusammenarbeit mit den Politikwissenschaftlern Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,3 Prozentpunkten. Weitere Informationen unter tamedia.ch/umfragen

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • 25gi am 13.09.2017 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2x Nein

    Ich hoffe sehr, dass beides angelehnt wird. Wir haben genug Geld in der Schweiz, die Politiker geben es nur an den falschen Stellen aus und deren Saläre und Renten sind ebenfalls viel zu hoch! Dort kann man ansetzen und nicht den Bürger noch mehr schröpfen. Ich bin erst 25 Jahre alt und habe bald keine Lust mehr hier in der Schweiz zu bleiben. Politiker schauen nur noch für sich und wir Bürger schauen in die Röhre. Tolle Schweiz.

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  • Werner T. am 13.09.2017 06:04 Report Diesen Beitrag melden

    Betrug am Volk

    Hoffentlich wird dieses "Mogelpaket" mit 2 X NEIN abgelehnt. Es erinnert an das damalige Lügen-Paket mit der Krankenkasse. Es ist nun genug!

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  • Bürger am 13.09.2017 06:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach

    Die Senkung des Umwandlungssatzes bedeutet für mich ein Minus von 6Tausend Franken im Jahr. Da nürzen mir die 840 in der AHV auch nicht viel. Deshalb NEIN.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Irwa am 13.09.2017 09:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wisst Ihr eigentlich noch....

    Dass wir an der Abstimmung September 2009 mit knapper Mehrheit JA stimmten für eine befristete Zusatzfinanzierung. Dass die MwSt für 7 Jahren (Jan.2011-Dez.2017) den Normalsatz von 7.6% auf 8% angehoben werden soll um diese Defizite der AHV und die IV zu entlasten. Wo stehen wir heute? Wir werden belogen und betrogen. Schweizer wacht auf und stimmt NEIN.

  • Balz Li am 13.09.2017 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Faire Reform!?

    Wir wollen nicht immer mehr bezahlen wir machen die Preise nicht. Wir haben das System für Angebot und Nachfrage nicht Erfunden. Anstelle von mehr Lohnabzügen und Mehrwertsteuer könnte man ein halbes Prozent von den aktuellen Steuern für die AHV zurückgelegt werden. So wäre es eine Faire art die AHV zu sichern.

  • Seppli am 13.09.2017 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht ein AHV Crash zulassen?

    Sehr Interessant! Denn einerseits, wenn die Rentereform abgelehnt würde, fallen wir in ein rasend schnelles grosses Defizit der AHV. Andererseits, wäre es denn so schlimm wenn's ein AHV-Crash geben würde? Dann wären wir gezwungen, ein besseres System aufzugleisen! Eine gute Lösung wäre ein Grundeinkommen für alle. Somit bräuchten wir keine AHV, Arbeitslosensenkasse, IV-Renten mehr und die Sozialämter wären nur noch minimal belastet. Zusätzlich würden wir 2/3 der Bürokratie einsparen. Es ist mir schon klar, dass es nicht profitable wäre für Reiche, aber das ist es auch jetzt nicht!

  • Realist am 13.09.2017 09:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine 70.- für Gutverdienende

    Nein. Diese Vorlage muss zurück an den Absender. Es darf nicht sein, dass die Frauen länger arbeiten müssen, die jetzigen Rentner keine 70.- erhalten, aber trotzdem mit erhöhter MWSt mitzahlen, um den vielen sehr gut verdienende zukünftigen Rentnern eine um 70.-höhere AHV zu finanzieren. Dieses "Päckli" muss mit einem NEIN abgelehnt werden!

  • Walter am 13.09.2017 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    AHV Rente gerecht?

    Wenn ich eine AHV Maximalrente von heute CHF 2350 erhalte, dann muss ich und meine Arbeitgeber 44 Jahre 10,25% von CHF 84'600 einbezahlen, d.h. total CHF 381'546. Dabei sind keine Zinsen und Zinseszinsen eingerechnet. Bei einer Lebenserwartung von 80 Jahren würden 15 Jahre bezogen, d.h. total CHF 423'000 (+ CHF 41'454). Die Zinsen und Zinseszinsen machen jedoch ein Vielfaches davon aus. Also bekommen wir heute nicht nur das, was wir real einbezahlt haben. Hier ist dringender Handlungsbedarf notwendig.