Grasen an den Gleisen

11. Mai 2015 07:54; Akt: 11.05.2015 08:18 Print

Die SBB hat 80 Schafe als Mitarbeiter eingestellt

von Marco Lüssi - Die Böschungen entlang der Gleise pflegte die SBB bisher mit Maschinen. Nun übernehmen Schafe diese Aufgabe. Das hat zahlreiche Vorteile.

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Mit über 30'000 Angestellten zählt die SBB zu den grössten Arbeitgebern der Schweiz. Neu hat sie auch Tiere als Mitarbeiter: Die SBB hat eine Herde mit 80 Schafen angeheuert. Ihr Job: Sie sind damit beauftragt, die Böschungen entlang der Gleise zu pflegen – dabei handelt es sich schweizweit um eine Gesamtfläche von umgerechnet fast 3800 Fussballfeldern.

Bisher hatte die SBB bei der Böschungspflege vornehmlich auf Maschinen gesetzt. Man sei nun aber zum Schluss gekommen, dass dies nicht immer das optimale Vorgehen gewesen sei, wie Jan-Hendrik Völker-Albert, Leiter Marketing und Nachhaltigkeit bei der SBB, sagt: «Alle Geschäftsfelder überprüfen wir auf ihre Nachhaltigkeit – das erfordert unsere ökologische und gesellschaftliche Verantwortung.» Diese wolle die SBB auch in kleinen Dingen wie der Böschungspflege wahrnehmen.

Schafe fressen die Problempflanzen

Schäfer und Landschaftsarchitekt Christian Fluri, der die SBB-Schafe betreut, sagt, seine Tiere hätten gegenüber Mähmaschinen grosse Vorteile: «Sie gehen beim Abfressen der Flächen sehr rücksichtsvoll vor. Anders als eine Maschine fördern sie die Biodiversität, verschonen sie die Lebensräume von bodenbrütenden Vögeln sowie Schmetterlingen und Heuschrecken und machen vor allem wild wuchernden Problempflanzen den Garaus.»

Die positive Folge: Wenn die Flächen von Schafen bearbeitet werden, erhöht sich die Artenvielfalt. «Dass wir mit unseren Schafen dafür sorgen können, dass entlang der SBB-Gleise möglichst viele Tiere und Pflanzen leben und gedeihen können, freut uns sehr und ist auch im Sinne unserer Kunden», sagt Völker-Albert.

Die SBB-Schafe gehören zu einer seltenen Rasse

Mit der Auswahl der Tiere hat die SBB zudem etwas für die Arterhaltung getan: Sie gehören zur vom Aussterben bedrohten Pro-Specie-Rara-Rasse der Skudde-Schafe. Und die SBB-Herde wächst: Erst kürzlich hat Leitschaf Bruna Junge bekommen. Die seltenen Tiere sind aber auch wegen ihrer Effizienz ausgewählt worden. Fluri: «Sie sind schneller und flinker als Schafe verbreiteterer Arten und finden sich auch in unwegsamem Gelände gut zurecht.»

Gefährlich ist die Arbeit für die Schafe nicht, wie Fluri versichert: «An den meisten Stellen verhindern Lärmschutzwände, dass sie den Gleisen zu nahe kommen – wo dies nicht der Fall ist, errichten wir Zäune.» Der Bahnlärm macht den Tieren nicht zu schaffen: «Auf Geräusche sind sie nicht sensibel. Erschrecken kann sie ein vorbeifahrender Zug nicht.» Im Einsatz sind die SBB-Schafe seit dieser Woche und bis im Dezember – alle ein, zwei Wochen wechseln sie den Weidestandort.

«Vorbildlicher Teamgeist»

Das Vorgehen der Schafe ist immer das gleiche, wie Fluri erklärt: Als Erstes knabbern sie alles ein bisschen an, um sich einen Überblick zu verschaffen. Danach beginnen sie, systematisch zu fressen – wobei zuerst jene Gräser und Kräuter drankommen, die ihnen am besten schmecken. Bei grösseren Flächen teilen sie sich in verschiedene Untergruppen auf, für Ordnung sorgt Leitschaf Bruna. Ein Teil der Tiere ist jeweils nicht mit dem Fressen, sondern mit der Beaufsichtigung der Lämmer beauftragt. Bei einer Fressleistung von drei Quadratmetern pro Tag und Tier wird die Herde mit täglich rund 200 Quadratmetern fertig.

Jan-Hendrik Völker-Albert hat die Schafe schon persönlich besucht – und ist beeindruckt von ihnen: «Ihr Teamgeist ist vorbildlich. Es ist toll, dass die SBB sie zu ihren Mitarbeitern zählen kann.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tierfreund am 11.05.2015 08:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cool

    Daumen hoch, mal etwas positives von den SBB

    einklappen einklappen
  • Verena am 11.05.2015 08:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute idee

    Super sache. Mal etwas poitives von der sbb.

  • Bürokrat am 11.05.2015 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ;-)

    Ich bin sicher, die AHV hat der SBB schon Rechnungen für sie Sozialversicherung der Schafe geschickt und die Steuerverwaltung veranlagt auch schon deren Lohn.

Die neusten Leser-Kommentare

  • bachmann beat neuchatel suisse am 12.05.2015 15:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ruedi barsch. bitte erst informieren

    herr ruedi barsch. die sbb haben noch nie gestreikt. gestreikt wurde in depots von cargo und werkstätten. es ging darum massenentlassungen und die schliessung von werkstätten in randregionen zu verhindern. in diesen werkstätten wurden und werden die service von loks und wagen gemacht. weiter waren diese streiks berechtigt. weiter haben diese streiks den bahnverkehr nie und in keiner weise beeinträchtigt! es ging um die substanzielle existenz der menschen.

  • S. Seliner am 12.05.2015 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Personalbeurteilung

    Muss über diese Mitarbeiter auch eine Personalbeurteilung geschrieben werden? Vermutlich haben die PFZ- Spezialisten noch nicht das passende Papier gefunden und wissen nicht, wieviele Seiten es sein werden. (Für SBB- Mitarbeiter sind es mindestens 8 Seiten)

  • Popeye am 11.05.2015 22:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    diese Sorgen am falschen Ort

    mit den Schafen habt ihr erbarmen, wegen dem Gras unmittelbar an den Bahnschienen. Jedoch fahren wir täglich zig Kilometer an Wiesen vorbei wo Kühe, ja sogar Mutter und Kälbchen auf der Weide grasen. Spinatfelder direkt an Hauptstrassen, machen uns aber gar keine Gedanken in Bezug Blei, Schmutz, Papier, Dosen, Zigarettenstummel, welches alles in den Wiesen landen. Die Milch, der Spinat alles mit Abgasen belastet. Der Bahnlinie entlang gibt es keine Abgase. So jetzt dürft ihr euch Sorgen machen. Aber auf der Finduspackung steht halt nichts von Blei, nur Eisenhaltig.

  • Hans am 11.05.2015 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe nicht ganz

    Das ist doch nichts neues, bei der SBB arbeiten nur Schafe. 90% der CH Bürger sind ja nichts anderes als Schafe.....

  • Bruno Bärtschi am 11.05.2015 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ich Armer...

    Wer bei seinem Nickerchen im Zug durch Musik, Geschwätz und dergleichen gequält wurde, darf jetzt aufatmen: Schäfchen zählen, optimal ,wow! Die SBB denkt halt an alles, ausser an mich. Als treuer Bähnler muss ich meinen Rasen immer noch selber mä(ä)hen...tz tz..:-)