Spielhölle Schweiz

04. September 2013 10:18; Akt: 24.10.2017 15:40 Print

Die Wettmafia forciert das illegale Glücksspiel

Verbotenes Spielen boomt: In mehreren tausend Lokalen wird schwarz um Geld gespielt – und die Wettmafia will noch mehr. Die milden Strafen schrecken sie nicht ab.

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Von Roulette bis zu Sportwetten: In illegalen Bars und Restaurants wird an PCs und Automaten viel Geld aufs Spiel gesetzt. (Bild: Xavier de Fenoyl)

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Sie spielen Black Jack, Craps oder Okay, wetten auf Fussballspiele oder würfeln um Geld: Schätzungsweise 30'000 bis 35'000 Personen betreiben laut einer Studie der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK) in der Schweiz illegales Glücksspiel.

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Haben schon mal illegal um Geld gespielt?
39 %
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4 %
31 %
Insgesamt 839 Teilnehmer

Sie gehen dafür in Bars, Kebabstände, Restaurants und Vereinslokale. Dort stehen oft in Kellern oder Hinterzimmern ein paar Computer oder einarmige Banditen, teilweise bewacht ein Bodyguard den Eingang. «Andere spielen aber auch vor den Augen aller anderen Gäste», sagt Manuel Richard, Direktor der Lotterie- und Wettspielkommission (Comlot). Die Spielhöllen sind beispielsweise als Internetcafés getarnt, wo an zwei von 20 Computern gespielt werden kann.

Die Zahl der Anbieter von illegalen Glücksspielen ist in den letzten Jahren gestiegen: Letztes Jahr reichte die Comlot 85 Strafanzeigen ein – 15 mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig eröffnete die ESBK 96 Strafuntersuchungen. 2011 waren es 90 und 2010 erst 61.

Auch dieses Jahr geht es weiter: Die ESBK bemerkte schon im Frühling eine Zunahme der Anzeigen. Zudem beschlagnahmte die Polizei bei mehreren Razzien in Zürich und Bern ein Dutzend Geldspielautomaten, Computer, 13'000 Franken in bar sowie Wettcoupons im Wert von über 150'000 Franken.

Wettmafia wirbt Wirte an

Hinter dem illegalen Glücksspiel steckt eine gut organisierte Wettmafia. Eine Handvoll Wettkreise haben das Business in der Hand – aufgeteilt nach Nationalität: Türken, Portugiesen, Serben und Kroaten sowie Italiener. Wo sie nicht unter sich bleiben wollen, spielen auch viele Schweizer mit.

Die Wirte werden dabei von den Hintermännern direkt angeworben: «Sogenannte Läufer klappern die Lokale ab und wollen die Betreiber überreden, ein paar Franken zusätzlich zu verdienen», so Richard. Die Wirte erhalten dann gratis Computer und Software sowie das nötige Know-how. Danach nehmen sie nur noch die Wetteinsätze entgegen, lassen die Spieler auf den PCs spielen und zahlen ihnen mögliche Gewinne in bar aus. Dafür bekommen sie eine Kommission. Die Probleme löst der Läufer.

Mehrere tausend Spielhöllen

Das Business ist lukrativ: Schätzungen gehen von bis zu 250 Millionen Franken Umsatz in der Schweiz pro Jahr aus. Und die Wettmafia will noch mehr: Die Comlot beobachtet, dass sich die Wettkreise vergrössern. «Je nach Region schiessen die Lokale wie Pilze aus dem Boden», so Richard.

Ein Insider spricht gegenüber 20 Minuten von schweizweit mehreren tausend Lokalen, in denen illegales Glücksspiel angeboten wird. Zwar führt die Polizei regelmässig Razzien durch. Zu befürchten haben die Anbieter aber wenig: Einem Wirt, der illegales Glücksspiel anbietet, droht höchstens eine Busse von 10'000 Franken. Diese zahlt oft der Läufer. Die Spieler selbst machen sich gar nicht strafbar.

Die milden Strafen hätten sich herumgesprochen, so Richard. «Die Bussen sind aus unserer Sicht deutlich zu tief.» Auch die ESBK wünscht sich «strengere Strafnormen», wie sie auf Anfrage mitteilt. Eine neue Geldspielgesetzgebung ist zwar derzeit in Arbeit. Ob sie härtere Strafen bestimmen wird, ist aber offen.

(hal)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mac Ehrle am 04.09.2013 11:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staat abzocke

    Habe keine lust 33% vom gewinn zu versteuern, so läuft das nämlich ab bei swisslotto! Wobei bei ausländischen wettanbiezern der ganze gewinn mir überqiesen wird.

  • Pokerlehrling am 04.09.2013 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Monopol Staat

    Ich denke, es sollte eine Gesetzliche Auflage geben. Auch diese Spiele sollen legal zugänglich sein. Wo bleibt den da der freie Markt? Ich darf nur beim Staat mein Geld verzocken? Na klar, hier geht es um das liebe Geld. Und Geld darf nur der Staat verdienen. Im übrigen sind die Spielsuchtpräventionen bei einzelnen Internetanbieter um ein sehr viel wirkungsvoller und strenger als diejenigen in den Swiss Casinos und Swiss Lotterien.

  • Märsu Bauer am 04.09.2013 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So what?

    Wo ist das problem? Ist doch nichts schlimmes. Wird halt ein bisschen gezockt, na und? Kommt ja niemand zu schaden. Mein gott die spielkommission hat nur angst um ihren umsatz. Da in der schweiz alles so teuer ist, muss man halt nebenbei noch ein business betreiben... Würde ich als wirt genau so machen. In deutschland und österreich legal, aber in der super schweiz illegal... Ein witz!

Die neusten Leser-Kommentare

  • raise am 04.09.2013 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Interessante Schätzung

    Um solche Orte in einer Statistik zu erfassen, muss man sie ja erst kennen, und dann werden sie wohl geschlossen. Ausserdem: Wir sind im 21. Jahrhundert, es gibt Hunderte legale, ausländische Online-Casinos, aber in der Schweiz glauben die Leute immer noch, alles aus ihrer Sicht Unerwünschte einfach verbieten zu können. Prohibition funktioniert nicht! Solange dies unsere Politiker nicht wahrhaben wollen, freuen sich eben alle im Untergrund...

  • Rstoech am 04.09.2013 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Goldman

    Das sind doch nur kleine Fische. Die grösste Wettmafia ist doch die grösste Bank der Welt, Goldman Sachs.

  • Jaja am 04.09.2013 13:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Radikale Abschaffung

    Nur die Casinos sind keine Gefahr für Süchtige. Klar so verdient der staat kein Geld. Am besten ganz abgeschaffen ...

  • Peter am 04.09.2013 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verlierer

    Zahlenlotto etc. verliert Kunden, oh weh !

  • Peter am 04.09.2013 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit Glücksspiel

    Glückspiel gehört sowieso verboten, es schafft einfach zuviel Leid und ist ganz im Sinne von "Mammon über alles". Aber solange der Staat aus den Mammon-Casinos ebenfalls etwas "Mammon" erhält, ist natürlich alles in Butter.