Analyse

10. Oktober 2017 05:50; Akt: 10.10.2017 08:18 Print

Diese Pestizide stecken in unseren Lebensmitteln

Eine Volksinitiative will Bauern, die Pestizide verwenden, die Subventionen streichen. Rückstände des Giftes bleiben auch im Essen zurück.

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Schweizer Bauern setzen bei ihrer Arbeit auf die Hilfe von Pflanzenschutzmitteln. 20 Minuten zeigt, in welchen einheimisch produzierten Lebensmitteln Pestizide zurückbleiben können. In der Schweiz werden jährlich 2200 Tonnen Pestizide ausgebracht – auch für die Produktion von Äpfeln. Gegen den Apfelschorf, der bei den Früchten bräunliche Flecken verursacht, wird Captan gespritzt. Ein potenziell krebserregendes Gift. Greenpeace entdeckte bei einer Untersuchung 2015 in vier von acht konventionellen Schweizer Äpfeln Rückstände von Pestiziden, darunter Captan. Die Schweizer Grenzwerte wurden aber eingehalten. Laut der Stiftung Vision Landwirtschaft ist der hohe Pestizid-Einsatz bei Obst darauf zurückzuführen, dass die Händler makellose Ware forderten. Die Hauptquelle für das Schweizer Trinkwasser ist das Grundwasser: 80 Prozent wird aus dem Untergrund gepumpt. An jeder fünften Trinkwasserfassung wird laut der nationalen Grundwasserbeobachtung jedoch der Toleranzwert bei Pestiziden von 0,1 Mikrogramm pro Liter überschritten. Die Stiftung Vision Landwirtschaft hält in einer Analyse fest, «dass laut einer zunehmenden Anzahl von Studien die permanente Pestizidexposition über Nahrungsmittel einen relevanten Risikofaktor für Krebs, Parkinson, oder Entwicklungsstörungen bei Kindern» darstellt. «Angesichts des sehr verbreiteten Einsatzes von Pestiziden im Weinbau» untersuchte im Juni der Verband der Schweizer Kantonschemiker 156 Schweizer und 99 ausländische Weine. Laut dem Verband verwenden Schweizer Weinbauern häufiger verschiedene Pestizide als ihre ausländischen Kollegen, weil die Reben bereits gegen das Gift resistent geworden sind. Das Fazit der Untersuchung: Nur 20 von 255 Proben waren völlig frei von Pestiziden. Sechs Weine überschritten die Grenzwerte, wobei es sich ausschliesslich um Schweizer Weine handelte. Neonikotinoide sind Nervengifte und gehören zu den effektivsten Mitteln der Schädlingsbekämpfung. Schweizer Bauern verwenden es für die Behandlung von Rüben oder Raps. Laut Bundesrat sind die Rückstände in den essbaren Pflanzenteilen «sehr gering bis nicht nachweisbar». Zu schaffen machen sie den Bienen, die als Bestäuber mit dem Gift in Kontakt kommen. Im Honig sind ist das Mittel für den Menschen in der Regel unbedenklich. Laut Studien könnten Neonikotinoide aber schuld am Bienensterben sein, da die Bienen ihre Orientierung und das Gedächtnis verlieren.

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Für Umweltaktivisten ist es «Gift», für die Bauern sind es «Pflanzenschutzmittel»: Die Debatte um den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft wird kontrovers geführt. Nun heizt eine Volksinitiative die Debatte weiter an: Das Begehren «Für sauberes Trinkwasser», das Giftbauern ihre Subventionen streichen will, haben bereits 94'000 Stimmbürger unterschrieben. 20 Minuten zeigt, in welchen Lebensmitteln Pestizide zurückbleiben.

Äpfel: Behandelt mit wahrscheinlich krebserregenden Stoffen

In der Schweiz werden jährlich 2200 Tonnen Pestizide ausgebracht. Die Menge ist seit den 90er-Jahren konstant geblieben – während laut einer Analyse der Stiftung Vision Landwirtschaft die Hersteller immer toxischere Mittel verkaufen. Auch in bei der Produktion von Äpfeln greifen Bauern auf diese Mittel zurück: Gegen den Apfelschorf, der bei Äpfeln unansehnliche bräunliche Flecken verursacht, wird Captan gespritzt – ein Mittel, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Greenpeace entdeckte bei einer Untersuchung 2015 in vier von acht konventionellen Äpfeln aus dem Schweizer Detailhandel Rückstände von Pestiziden, darunter Captan. Insgesamt wurden die Schweizer Grenzwerte eingehalten. Laut Vision Landwirtschaft ist bei Obst und Gemüse ein besonders hoher Pestizid-Einsatz üblich, da «vom Handel mit Hinweis auf die Konsumentenwünsche äusserlich makellose Ware gefordert» werde.

Trinkwasser: Gefährdetes Grundwasser

Die Hauptquelle für das Schweizer Trinkwasser ist das Grundwasser: 80 Prozent davon pumpen wir aus dem Untergrund. Doch das Grundwasser ist zunehmend mit Pestiziden belastet. An jeder fünften Trinkwasserfassung wird laut den Schweizer Wasserversorgern mittlerweile der Toleranzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter überschritten. In Gebieten mit intensiver Landwirtschaft waren es bis zu 70 Prozent der Messstellen.

Die Stiftung Vision Landwirtschaft hält in einer Analyse fest, dass «laut einer zunehmenden Anzahl von Studien die permanente Pestizidexposition über Nahrungsmittel einen relevanten Risikofaktor für Krebs, Parkinson, oder Entwicklungsstörungen bei Kindern» darstellt.

Wein: Nur 20 Prozent pestizidfrei

«Angesichts des sehr verbreiteten Einsatzes von Pestiziden im Weinbau» untersuchte im Juni der Verband der Schweizer Kantonschemiker 156 Schweizer und 99 ausländische Weine. Laut dem Verband verwenden Schweizer Weinbauern häufiger verschiedene Pestizide als ihre ausländischen Kollegen, weil die Reben bereits gegen das Gift resistent geworden sind.

Das Fazit der Untersuchung: Nur 20 Proben waren völlig frei von Pestiziden. Insgesamt konnte bei den untersuchten Schweizer Weinen acht verschiedene Pestizide nachgewiesen werden. Die gesetzlichen Grenzwerte wurden insgesamt aber nur bei sechs Weinen – alles einheimische – überschritten. In einer anderen Untersuchung fand Greenpeace in acht von zehn konventionellen Schweizer Weinen Rückstände des wahrscheinlich krebserregenden Mittels Glyphosat.

Honig: Gift macht Bienen orientierungslos

Neonikotinoide gehören zu den effektivsten Mitteln der Schädlingsbekämpfung. Schweizer Bauern setzen vom hochwirksamen Nervengift jedes Jahr 2460 Kilo ein. Zugelassen ist das Pestizid für Rüben, Raps, Mais, Getreide, Zwiebeln, Kohl, Lauch und Salat.

Zwar hält der Bundesrat fest, dass Rückstände «in essbaren Pflanzenteilen nur sehr gering bis nicht nachweisbar sind». Problematischer sind die Neonikotinoide jedoch für die Honigbienen, die als Bestäuber mit kontaminierten Pflanzen in Kontakt kommen.

Laut einer Studie der Uni Neuenburg überschritt die Konzentration an Neonikitonioiden bei 34 Prozent von 198 untersuchten Honigproben aus der ganzen Welt den Grenzwert. Zwar sei der Honig für den menschlichen Konsum unbedenklich. Studien gehen aber davon aus, dass Neonikotinoide in Zusammenhang mit dem Bienensterben stehen könnten, da die Bienen durch das Gift ihre Orientierung und das Gedächtnis verlieren.

* In der Printausgabe dieses Artikels stand fälschlicherweise, dass das Komitee der Initiative «Für sauberes Trinkwasser» bis im Januar Zeit habe, 100'000 Unterschriften einzureichen. Richtig ist, dass die Initianten bis dann die nötigen Unterschriften einreichen wollen. Die Sammelfrist läuft bis am 21. September 2018.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tickerschweiz am 10.10.2017 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir vergiften und selber!

    Die Anforderungen an die Produzenten sind riesengross, ein Apfel zum Beispiel darf kein Fleckchen haben, sonst wird er nicht gekauft... Kommt zur Besinnung, so geht das nicht weiter!

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  • eve am 10.10.2017 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    massive Reduktion der Pestizide

    Prio 1: einwandfreies Trinkwasser! Was nützen uns die schönsten Äpfel, wenn wir vor lauter Pestiziden vergiftet werden?

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  • Bea Moos am 10.10.2017 06:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pestizide

    Unternehmt endlich etwas dagegen. Es spielt doch keine Rolle ob ein Rüebli gebogen ist oder gerade. Od der Apfel ein wenig Flecken hat, Hauptsache der Geschmack stimmt! Und unser Trinkwasser ist das wichtigste gut! Bitte tragt sorge dazu!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Glühwurm am 10.10.2017 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbrannte Erde

    Der Bio Gemüsler in meiner Gegend fährt mit dem drei Meter breiten Abflammgerät über den Acker um das Unkraut abzubrennen und damit kommt auch alles was kriecht und fliegt auf und im Boden zu Tode. Abgesehen vom CO2 ausstoss. Das soll dann Bio sein?

  • Daniela am 10.10.2017 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Gleich mit gleich

    Man kann ja vielleicht im Ansatz drüber reden, wenn die Importware pestizidmässig den genau gleichen Anforderungen entspricht wie das einheimische Obst/Gemüse.

  • EasyBad am 10.10.2017 15:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klimaerwärmung gleich mehr Schädlinge

    Mit der Klimaerwärmung können Schädlinge immer besser überleben und es kommen neue hinzu. Das kann jeder selber beeinflussen, weniger Flugzeuge, weniger Autos = weniger Klimaerwärmung = weniger Schädlinge = weniger Pestizide

  • orient ierung am 10.10.2017 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nur bauern sind schuld?

    ich bin dafür, dass pestizide nur im masse verwendet wird. aber habt ihr euch auch schon gefragt warum soviel verwendet wird? wer ist bereit einen apfel zu essen der zwar genauso gut ist jedoch für das auge nicht schön. wer greift lieber zu günstigen bio aus deutschland und weiss nicht dass ein jahr vorher auf dem gleichen feld konventionelles gemüse angebaut wurde? orientierungslose bienen nicht nur durch pestizide sondern auch durch natelstrahlen. wer ist bereit auf sein natel zu verzichten? hauptsache die bauern sind immer alleine schuld...

  • lars am 10.10.2017 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    pro und contra

    ich bin auch dafür, AAABER ich will dann auch sehen, dass die anti chemie fraktion äpfel mit schorf und würmern kauft und evt weniger fleisch isst, da es weniger futtermeis fürs vieh gab etc... ;-) bei unserem lebenswande und der bevölkerungszahl, geht der gänzliche verzicht auf chemie kaum mehr

    • manu am 10.10.2017 15:29 Report Diesen Beitrag melden

      an lars

      die daumen runter drücker gehen warscheinlich einfach nach D um ihr perfektes Obst/Gemüse zu kaufen ;-) Ich stimme vollkommen zu, jeder müsste seine Lebenswandel/Einstellung ändern, nur dann ginge es eventuell, aber da wird es dran scheitern, denn jeder will nur das beste und immer alles

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