«Isele» und «Wawe»

02. Januar 2018 08:06; Akt: 02.01.2018 10:25 Print

Diese Wörter kennt nur die Polizei

von Jennifer Furer - Was heisst eigentlich «Taggle» oder «Kawa»? Die Stadt- und die Kantonspolizei Zürich geben Einblick in ihre alltägliche Kommunikation.

Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich, verrät im Video seine Lieblings-Abkürzungen. (Video: jen)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Über die Festtage können sich einige Leute keine Auszeit gönnen. Die Arbeit steht an. Auch Polizisten haben allerhand zu tun. Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich, sagt: «Weihnachten und Neujahr sind eine Herausforderung. Die Leute sind allein zu Hause und es gibt mehr Konflikte als in anderen Jahreszeiten.» Es gehe vor allem um Streitigkeiten in Familien, um häusliche Gewalt – oder wie es die Polizei nennt: HG.

Umfrage
Beherrschen Sie eine Geheimsprache?

Solche Abkürzungen gehören zum Alltag von Polizisten. «Sie stellen eine Erleichterung dar, weil es so schneller geht», sagt Cortesi. In Zürich und in den umliegenden Kantonen werde die gleiche «Fachsprache» gesprochen. Um einen Geheimcode oder eine Geheimsprache handle es sich nicht, erklärt Cortesi. «Es geht darum, dass alle vom Gleichen sprechen. Die meisten Berufsgattungen haben solche Fachsprachen.»

Das sind die gängigsten Abkürzungen

Die Kantonspolizei Zürich und die Stadtpolizei Zürich haben 20 Minuten einen Einblick in ihre Fachsprache gewährt und einige der gängigsten Abkürzungen zusammengetragen.

Wawe


Bild: Keystone

Diese Abkürzung steht für Wasserwerfer. Die Stadtpolizei und die Kantonspolizei Zürich verfügen jeweils über zwei Wasserwerfer. Eingesetzt werden sie bei einem unfriedlichen Ordnungsdienst – also beispielsweise bei unfriedlichen Demonstrationen, bei denen die Polizisten Gäste einer Veranstaltung schützen, Sachbeschädigungen verhindern und Privatgrundstücke, Firmen, aber auch Botschaften absichern müssen.

Mzw


Bild: Keystone

So nennen Polizisten den Mehrzweckwerfer. Mit diesem werden Gummischrot oder Reizstoffgranaten abgefeuert. Die minimale Einsatzdistanz beträgt 20 Meter, ausser in Notwehrsituationen.

«Isele»


Bild: Keystone

Jemanden «iselen» heisst so viel wie jemandem Handschellen anziehen. Am 1. April schrieb die Stadtpolizei auf Facebook, dass sie künfig ausschliesslich gepolsterte Handschellen verwenden würden. «Damit soll den Verhafteten ein noch besseres und bequemeres Polizei-Erlebnis verschafft werden.» Damit sei sie das erste Polizeikorps der Schweiz gewesen, das den EU-Normen entsprochen habe. Das war jedoch als Witz gemeint.

OD


Bild: Keystone

Diese Abkürzung steht für Ordnungsdienst. Es wird zwischen unfriedlichem und friedlichem Ordnungsdienst unterschieden. Beim friedlichen Ordnungsdienst zeigt die Polizei Präsenz, wirkt präventiv, stellt einen reibungslosen Ablauf sicher, ist einsatzbereit, interveniert bei kleinen Störungen oder führt Eingangskontrollen, Zutrittsregelung oder Zufahrtsberechtigung durch.

EBD


Bild: Keystone

Die Abkürzung für Einbruchdiebstahl. 2016 wurde in der Schweiz 127-mal pro Tag eingebrochen. Im Kanton Zürich waren es 6373 Einbrüche. Betroffen sind Wohnungen, Mehr- und Einfamilienhäuser und Geschäftsliegenschaften.

VUSa


Bild: Kantonspolizei St. Gallen

Diese Abkürzung steht für Verkehrsunfall mit Sachschaden. Wie der «Tages-Anzeiger» schrieb, registrierte die Polizei 213'248 Autounfälle in den Jahren 2011 bis 2014. Das Bundesamt für Strassen (Astra) veröffentlichte 2016 einen Bericht mit Unfallschwerpunkten auf Nationalstrassen. Am meisten kracht es auf der A1 am Eingang des Gubristtunnels in Fahrtrichtung Bern.

VUKö


Bild: Kantonspolizei Zürich

Das steht für Verkehrsunfall mit Körperverletzung. 17'577 Verkehrsunfälle mit Personenschaden gab es laut der Verkehrsunfallstatistik 2016 in der Schweiz. 3785 wurden schwer verletzt, 17'607 leicht.

VUTod


Bild: Kantonspolizei Aargau

Die Abkürzung verwenden Polizisten für Verkehrsunfall mit Todesfolge. 2016 starben 216 Menschen bei Verkehrsunfällen. Das waren 37 weniger als 2015.

Kawa


Bild: Keystone

So nennen Polizisten ihre Kastenwagen. Diese werden in erster Linie für den sogenannten Arrestanten-Transport eingesetzt. Die Kantonspolizei Zürich verfügt über keine Kawas, sondern verwendet für Personen- und Gefangenentransporte Kleinbusse.

HG


Bild: Keystone

Diese zwei Buchstaben stehen für häusliche Gewalt. Laut dem Bundesamt für Statistik ist häusliche Gewalt eine klar definierte Straftat: Wenn es sich beim Täter um eine(n) aktuelle(n) oder ehemalige(n) Partner(in) oder ein anderes Familienmitglied des Opfers handelt, geht es um HG. 2016 kam es schweizweit zu 17'685 Straftaten im Bereich der häuslichen Gewalt. Am häufigsten kommt es zu Tätlichkeiten gefolgt von Drohungen und Beschimpfungen.

FinZ


Bild: Keystone

Die Abkürzung FinZ verwenden Polizisten, wenn sie es mit alkoholisierten Autofahrern zu tun haben. Die Buchstaben stehen für das Vergehen «Fahren in nicht fahrfähigem Zustand». Unter diese Kategorie fallen laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (Bfu) auch Leute, die wegen Betäubungsmittel- oder Arzneimitteleinfluss oder aus anderen Gründen (insbesondere wegen Übermüdung) nicht über die erforderliche körperliche und geistige Leistungsfähigkeit verfügen.

«Taggle»


Bild: Keystone

Dieses Synonym verwenden Polizisten für das Nehmen von Fingerabdrücken. Fingerabdrücke dienen der Erkennung von Personen. Jeder Mensch hat individuelle Fingerabdrücke. Sie können unter anderem als stille Zeugen zur Aufklärung eines Verbrechens dienen.

VP


Bild: Keystone

Das heisst so viel wie Verkehrspolizei. Früher nannte man sie auch «Die Fliegenden». Sie sind flächendeckend auf ihren Motorrädern und Patrouillenwagen im ganzen Stadtgebiet unterwegs. Die Verkehrspolizei wird eingesetzt, wenn es um Verkehrsrecht und -technik geht.

Kripo


Bild: Keystone

Die gängige Abkürzung Kripo steht für Kriminalpolizei. Laut der Kantonspolizei Zürich umfassen die kriminalpolizeilichen Aufgaben die Verhinderung strafbarer Handlungen, die Feststellung von Straftaten und deren Aufklärung.

RP


Bild: Wikipedia/Mattes

Heisst so viel wie Regionalpolizei. Die Regionalpolizei ist für die lokale Sicherheit zuständig.

EZ


Bild: Keystone

EZ steht für Einsatzzentrale. Über diese laufen die eingehenden Notrufe. Die EZ leitet den Einsatzbetrieb den Organisationen zu, nimmt Informationen auf, wertet sie aus und koordiniert die Dienste.