Werbung für Sextoys

05. Oktober 2017 16:11; Akt: 05.10.2017 19:36 Print

Dieser TV-Spot ist zu heiss für SRF

In einer Web-Serie zeigt SRF einen Dildo. Doch ein TV-Spot für Sextoys ist im Schweizer Fernsehen nicht erwünscht. Bei der Firma Amorana kann man das nicht verstehen.

Der Sextoy-Versandhändler Amorana will TV-Werbung machen – doch SRF will den Spot nicht ausstrahlen. (Video: Amorana)
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Der Online-Händler Amorana versorgt die Schweizerinnen und Schweizer mit Sextoys, die man sich diskret verpackt nach Hause schicken lassen kann. Das Angebot möchte Amorana über TV-Werbung bekannt machen – am liebsten im Schweizer Fernsehen.

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Dass ein Spot, in dem Dildos, Vibratoren oder Anal Plugs gezeigt werden, wenig Chancen hätte, ausgestrahlt zu werden, war den Verantwortlichen des Versandhändlers klar. Stattdessen drehten sie eine Werbung, in der keine Sextoys zu sehen sind, sondern Paare, die sich – teilweise bekleidet, teilweise halbnackt – küssen und umarmen.

Auch entschärfte Version wurde abgelehnt

Doch die Vermarktungsfirma Admeira, über die Werbung beim SRF gebucht werden muss, erteilte Amorana eine Absage, wie Mitgründer Alan Frei sagt: «Es hiess, dieser Spot könne weder auf SRF 1 noch auf SRF 2 gezeigt werden.»

Deshalb habe man den Spot entschärft und aus dem 40 Sekunden langen Original zwei kürzere Versionen gemacht, «die noch harmloser sind», wie Frei sagt. Die Hoffnung, wenigstens eine dieser Versionen auf SRF zeigen zu dürfen, verflog jedoch schnell: Es gab erneut eine Absage.

Auch diese entschärfte 20-Sekunden-Version war zu heiss für das SRF:

Nicht einmal die 10 Sekunden lange Version dürfe man ausstrahlen, ärgert sich Frei. «Dabei ist sie so harmlos, dass sie fast langweilig ist.»

Die 10-Sekunden-Version:

Anders lauteten die Reaktionen bei den Schweizer Privatsendern 3+ und 4+. Zwar war die Originalversion von 40 Sekunden auch den Privaten zu heiss. Sie zeigten sich aber bereit, die 20-Sekunden-Version ab 22 Uhr auszustrahlen, die 10-Sekunden-Variante bereits ab 20 Uhr.

«SRF-Sendungen zeigen mehr als dieser Spot»

Dass Sender den Spot erst am späten Abend ausstrahlen wollen, verstehe er durchaus, sagt Frei. «Dass SRF ihn aber komplett ablehnt, ist für mich unverständlich – und widersprüchlich, denn es gibt dort ja auch Sendungen mit sexuellem Inhalt, in denen man mehr zu sehen bekommt als in unserem Spot.»

Er denke hier beispielsweise an die SRF-Webserie «Dr. Bock»: «Da wurde sogar ein Sextoy gezeigt, das von Amorana hätte stammen können.» In der Sendung waren an einem Dildo Masturbationstechniken demonstriert worden.

«Könnte Gefühle von Zuschauern verletzten»

Admeira-Sprecherin Romi Hofer sagt zum Amorana-Spot: «Werbeinhalte, die zwar nicht widerrechtlich sind, aber moralisch oder ethisch problematisch sein könnten, werden den Unternehmenseinheiten der SRG vorgelegt.» In diesen Fällen würden dann die TV-Veranstalter entscheiden, ob der Spot ausgestrahlt werden darf oder nicht. «Der Spot von Amorana wurde von SRF abgelehnt, da dieser gegen die Selbstbeschränkungen des Senders verstösst.»

Im Absage-Mail an Amorana hiess es: «Die sexistische Anmutung dieses Werbespots könnte die Gefühle einzelner Zuschauergruppen verletzen.» SRF lehne den Spot «aus ethisch-moralischen Gründen» ab.

Ist Sextoy-Werbung bei SRF tabu?

Frei kann dies nicht verstehen: «Der Spot ist meiner Meinung nach nicht sexistisch, sondern feiert die Liebe in ihrer ganzen Vielfalt – bewusst zeigen wir ein Hetero-Paar ebenso wie zwei Männer und zwei Frauen, die sich lieben.»

Vermutlich sei der Spot in Wahrheit aber nicht einfach wegen seines Inhalts zurückgewiesen worden, sondern wegen des Absenders: «Offenbar ist auf den SRF-Sendern Werbung aus der Sextoy-Branche nicht erwünscht. Dass man daraus noch immer ein Tabu macht, ist für mich unverständlich. Immerhin leben wir im 21. Jahrhundert.»

SRF-Sprecherin Andrea Wenger bekräftigt auf Anfrage, abgelehnt habe man den Spot wegen seiner «sexuellen Anmutung». Ausschlaggebend für eine Beurteilung seien aber auch die Werbebotschaft und der Absender.

(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Netflix am 05.10.2017 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Das SRF

    sollte meiner Meinung nach gar keine Werbung zeigen. Wir finanzieren diese Institution bereits mit der Billag.

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  • G. T. am 05.10.2017 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Werbung für Werbung

    Ich habe gerade Werbung geschaut um Werbung zu sehen.

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  • Klaus Müller am 05.10.2017 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Sexspielzeug

    Das Problem liegt an der Sendezeit dieser Spot's. Ich muss meinem 6-jährigen erklären was Sexspielzeuge sind. Ich erwarte, vor allem von den Privaten, mehr Fingerspitzengefühl.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Zürcher am 06.10.2017 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Verlogene Prüderei

    Ich finde die Diskussion witzig! Vor allem, weil die Sexshops in Zürich an den katholischen Feiertagen immer Hochkonjunktur haben. Da kommen dann die verlogenen "Religiösen" in Scharen nach Zürich um einzukaufen. Immer in der Hoffnung, dass der Ortspfarrer nicht zum selben Zeitpunkt im selben Sexshop ist.. Mich widern diese verlogenen Typen nur an. Wenn ich was im Sexshop kaufen will, tue ich das in der nähe wo ich wohne und es ist wir piepegal wer mich dort sieht.

  • Gianchen am 06.10.2017 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Mann statt Frau

    Wenn es um die Tos geht, womit die Frauen sagen sie beziehen ihren Partner mit ein, oder benutzen auch Masculune Toys, wo sind dann die Männer in der Werbung im Mittelpunkt?

  • Hitsch am 06.10.2017 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Toys oder Mann?

    Werbung allgemein betreffend Spielzeug für Frauen kann sich negativ auf Männer auswirken, welche nicht gesegnet sind eine Partnerin zu haben. Es kann die Meinung entstehen, dass sich Frauen von Männern abkoppeln, in dem sie sich selber bedienen. Was in Einzelfällen bereits geschehen ist.

  • Dominic Riem am 06.10.2017 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    HAHA

    Darf ein solcher Spot nicht mehr gezeigt werden, so sollte man auch Musikvideos (welche zu jeder Tageszeit laufen) nicht mehr zeigen dürfen.

  • biene am 06.10.2017 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder

    haben die keine Kinder die 1 Stunde film schauen und dann kommen einfach nur Reklamen oder Werbungen auch für Brutalofilme ¨das mus AUfhöhren !ich habe einen Knopf aber Kinder Heulen dann !Sex gehört nicht auf die TAgeskarte bis 23 UHR