Whatsapp, Snapchat etc.

05. Juli 2016 10:08; Akt: 05.07.2016 10:42 Print

Digitale Überdosis lässt Jugendliche abstürzen

von B. Zanni - Sie sind unzuverlässig, können nicht mehr normal reden und verlieren den Job: Unsere Art des Kommunizierens bringt digitale Opfer hervor.

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Ständig online zu sein ist so selbstverständlich wie Essen und Trinken. Viele junge Menschen erhalten und verschicken täglich eine Flut von Whatsapp-Nachrichten, surfen auf Facebook , machen Selfies, blödeln auf Snapchat herum oder gamen. Das geht an ihnen nicht spurlos vorbei.

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Wie haben Sie Ihren Online-Konsum im Griff?
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Ständiger digitaler Konsum bleibe nicht folgenlos, sagt Carla Mallaun, Geschäftsführerin der Organisation Begleitete Tagesstruktur und Wohnen (BeTaWo). «Immer mehr junge Menschen stürzen durch den digitalen Konsum ab.» Sie warnt davor, dass dadurch Menschen langsam an den Rand der Gesellschaft gespült würden. In den Wohngruppen betreuen die Sozialpädagogen zahlreiche Jugendliche, die Hilfe auf dem Weg zurück in ein geregeltes Leben brauchen. «Oft kriegen sie wegen des extremen Konsums ihren Alltag nicht mehr auf die Reihe – ganz ähnlich wie bei Alkohol oder Cannabis.»

Job verloren

So erlebt Carla Mallaun immer wieder junge Frauen und Männer, die den Job verloren haben. «Sie können sich weder an Zeiten noch Abmachungen halten.» Mallaun sieht das Übel vor allem in der unverbindlichen und schnelllebigen digitalen Kommunikation.

«Online-Games und soziale Medien haben fraglos das Potenzial, junge Menschen süchtig zu machen», bestätigt Michael In Albon, Jugendmedienschutz-Beauftragter der Swisscom. Dadurch verlören die Betroffenen die Kontrolle.

«Sie können sich kaum mehr ausdrücken»

Laut den Experten hält auch mangelnde Konzentration Einzug. «Die digitalen Medien bringen Stress und Angst, etwas zu verpassen», sagt Social-Media-Experte Manuel Nappo. Es herrsche ein Kampf der Aufmerksamkeit. In Albon erwähnt Schlafstörungen bei Jugendlichen, die bis spätabends am Handy hängen. Mallaun: «Da die Jungen ständig für jede Nichtigkeit erreichbar sind, schaffen sie es nicht mehr, sich auf eine Sache zu konzentrieren.» Der Jugendpsychologe Leo Gehrig berichtet deswegen von Schülern mit Leistungsabfällen.

Die digitalen Medien hinterlassen laut Psychotherapeutin Mallaun in Gesprächen Spuren. «Durch die auf das Minimum reduzierte Kommunikation auf Handy und Computer können sie sich mündlich teilweise kaum mehr richtig ausdrücken.» Es komme sogar so weit, dass die Betroffenen nicht mehr erzählen könnten, wie sie sich gerade fühlten. «Es ist auch schwierig, ein Gespräch von A bis Z zu führen, denn man weiss nie, was davon hängen bleibt.»

Laut Leo Gehrig tun sich Jugendliche mit Face-to-Face-Situationen schwer. «Sie sind komplett blockiert.» Als eine 18-Jährige die User ihrer Internet-Community einmal real getroffen habe, sei sie erschrocken. «Sie wusste nicht, worüber sie mit den anderen reden sollte.»

«Sehnsucht nach Menschen aus Fleisch und Blut»

Eine Rolle spielt zudem die Vereinsamung. Sie hätten zwar 1000 virtuelle Kontakte, sagt Mallaun. «Da diese aber meist oberflächlich sind, sehnen sie sich nach Menschen aus Fleisch und Blut und Geborgenheit.» Die Eltern seien nicht unschuldig. «Oft geben sie den Kindern früh ein Handy in die Hand und fertigen sie bei Problemen mit knappen Nachrichten ab.»

Dennoch gehen die Experten davon aus, dass die Mehrheit den Konsum im Griff hat. «Oft sind die jungen Leute, nur kurz nachdem sie ein neues digitales Tool kennen gelernt haben, davon völlig eingenommen», sagt Manuel Nappo. Mit der Zeit entwickelten sie jedoch einen pragmatischen Umgang.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daddy am 05.07.2016 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    Leider wahr

    Mussten uns gerade von einer 20jährigen trennen in der Firma, weil sie nur am träumen war. Der Arbeitstag war in Zalando und auf dem Handy. 90 % der Arbeiten waren so fehlerhaft, dass es leider nicht weitergeht, trotz vielen Gesprächen und Einsicht kam keine Besserung. Technologische Fortschritte sind oft auch soziale Rückschritte, wobei soziale Medien wie FB, etc. keine wirklichen Fortschritte sind sondern nur Lifestyle für Ungebildete darstellen.

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  • EinVater am 05.07.2016 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Frage des Masses

    Es ist wie mit allem: Als Vater versuche ich mit der Zeit zu gehen, Handy's vorenthalten ist ab einem gewissen Alter keine Lösung. Aber das ist doch mit allem so: Süssigkeiten, später Alkohol, Spielsachen, Sport... Man kann alles übertreiben! Also versuche ich dafür zu sorgen, dass das nicht passiert und meine Kinder von allem eine Portion abzubekommen. Wen sie älter sind, können sie das immer mehr selber einschätzen. Ist meint Job als Vater, nicht jener von Lehrern oder von der Gesellschaft. Also gebe ich mein Bestes, ich trage die Verantwortung.

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  • Hellfire am 05.07.2016 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    Also was? Verbieten?

    Der gesunde Umgang mit der digitalen Welt will gelernt sein. Es ist wichtig zu erkennen, dass man Abstand zu diesem nervigen "Firlefanz" braucht. Verbannung hilft nicht. Auch Erwachsene sind nicht immun und laufen durch die Gegend ziemlich "autistisch" & geblendet vom Smartphone. Selbsterkenntnis tut Not. Sonst haben wir immer mehr Zombies um uns herum.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Vierziger am 07.07.2016 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau das ist die

    Generation Jael & Co: frech, vorlaut, materiell unverschämt fordernd und im Leben unnütz und unbrauchbar. Nein, danke!

    • Vierziger am 07.07.2016 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nehmt Jael das iPhone und

      auch sonst jeden Luxus weg, verbietet freche Wunschlisten (! unverschämt) 3x pro Jahr, zeigt ihr, dass es nicht um sie geht, und schon ist mit Regeln und Verboten dieses Problem gelöst.

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  • A.I am 06.07.2016 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmmmm

    Klar!... es liegt natürlich am Smartphone. Das Smartphone ist schuld, dass es schüchterne und Sozial ängstliche Menschen gibt... Vorher hatten wir ja solch ein Problem nicht...

  • Schnabias am 05.07.2016 23:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich

    Einfaches Beispiel: die Kommentarfunktion von 20 Min. & Co. Viele Kommentatoren haben Probleme mit ihrer Ausdrucksweise, mit Orthographie, Grammatik und mit Interpunktionen. Erstaunt eigentlich nicht weiter, wenn man die heute gängigen Abkürzungen wie lol und ähnliches oder die Benutzung der Emoticons berücksichtigt. Frage: was lernt man heute in der Schule?

  • M.G. am 05.07.2016 22:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Leben in Unverbindlichkeiten

    Genau diese Einstellung ist doch die ideale Eigenschaft des kritikunfähigen Konsumenten der keine eigene Linie mehr hat, noch als Erwachsener dem kindlichen Lustprinzip folgt und auf alles anspringt was gerade Neu oder en vogue ist. Beziehungen in sozialen Netzwerken sind ebenso temporär, austauschbar und unverbindlich. Sie leben in einer Welt in der man für nichts die Verantwortung übernehmen muss, es gibt ja zuerst keine Konsequenzen, die kommen später aber dafür umso heftiger.

  • Monika Steinegger am 05.07.2016 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Digitale Überdosis

    Liebe 20-Minutenredaktion! Bin ja der Meinung, dass eine digitale Überdosis eher das Handy abstürzen lässt! Servus!