Sozialhilfe der Mutter

31. August 2017 05:43; Akt: 31.08.2017 05:43 Print

Dzejla (17) muss Schweiz trotz Lehrstelle verlassen

Eine 17-Jährige aus Winterthur wird nach Montenegro ausgewiesen, weil ihre Mutter zu viel Sozialhilfe bezogen hat. Die junge Frau hat gerade eine Lehre angefangen.

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Die 17-jährige Dzejla Ledinic ist als Dreijährige in die Schweiz gekommen. Sie ging in Winterthur in den Kindergarten, in die Volksschule und machte danach das 10. Schuljahr und ein Jahr Praktikum als Fachfrau Betreuung. Anfang August hat sie nun eine Lehre in diesem Beruf begonnen. Doch nun droht ihr bereits das Ende ihrer Ausbildung: Dzejla soll mit ihrer Mutter bis Ende September die Schweiz verlassen.

Dzejlas Mutter kam 2003 mit ihrer Tochter aus Montenegro in die Schweiz und heiratete einen Schweizer. Von diesem liess sie sich aber scheiden und erhielt von da an keine finanzielle Unterstützung mehr von ihm, berichtet die Tochter. Obwohl die Mutter zeitweise als Putzfrau tätig war, war die Familie auf Sozialhilfe angewiesen. Das ist laut Dzejla nun der Grund, weshalb sie und ihre Mutter ausgeschafft werden: «Sie hat zu viel Sozialhilfe benötigt.»

«Ich finde das inakzeptabel»

Für die 17-Jährige ist der Entscheid nicht nachvollziehbar. «Neun Monate später wäre ich volljährig und könnte in der Schweiz bleiben. Das Migrationsamt findet aber, dass mein Fall kein Härtefall ist.» Laut Dzejla wohne lediglich eine Tante in Montenegro. «Meine Kollegen, meine Familie, alle sind hier in der Schweiz. Ich kann auch nicht gut Serbisch.» Montenegro sei für sie ein «fremdes Land», mit dem sie kaum etwas zu tun habe.

Sowohl eine Freundin der Mutter als auch eine Tante hätten sich bereiterklärt, Dzejla bei sich aufzunehmen, damit sie die Schweiz nicht verlassen muss. Die Behörden seien jedoch dagegen gewesen. «Ich finde das inakzeptabel, ich bin in der Schweiz bestens integriert, mein Strafregister hat keinen Eintrag. Mein Beruf, den ich erlerne, ist ein sozialer Beruf.» Dzejla will nicht aufgeben.

Widerruf muss verhältnismässig sein

Das zuständige Migrationsamt will zum konkreten Fall nicht Stellung nehmen und verweist auf die Weisung bezüglich Massnahmenpraxis bei Sozialhilfeabhängigkeit. Darin ist festgehalten, dass die Aufenthaltsbewilligung widerrufen werden kann, wenn ein Ausländer oder eine Person, für die dieser sorgen muss, auf Sozialhilfe angewiesen ist und der Widerruf verhältnismässig ist. Bei einer Niederlassungsbewilligung ist dies nur der Fall, wenn der Betroffene «dauerhaft und in erheblichem Mass» auf Sozialhilfe angewiesen ist und der Widerruf ebenfalls verhältnismässig ist.

Ausländern, die seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz sind, kann die Niederlassungsbewilligung nicht wegen Sozialhilfebedürftigkeit entzogen werden. Die Ledinics sind jedoch erst seit 14 Jahren in der Schweiz.

Über mehrere Jahre 90'000 Franken

In der Weisung wird auch aufgeführt, dass die Niederlassungsbewilligung widerrufen werden kann, wenn in der Regel über 80'000 Franken während zwei bis drei Jahren bezogen wurden. Laut Dzejla erhielt ihre Mutter über mehrere Jahre hinweg insgesamt über 90'000 Franken.

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Prinz am 31.08.2017 06:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    etwas läuft schief

    Aha..dann haben plötzlich alle keine Familie mehr dort, woher Sie kamen. Nein..Spass beiseite.... Ich finde es beängstigend, dass ein hardcore Imam der fast 600'000fr Sozialgelder bezogen hat, (pensioniert hin oder her) bleiben darf und ein 17jähreiges Mädchen, welches arbeitet, ausgeschafft werden soll. Leute..das macht mir fast schon einbisschen Sorgen!

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  • Martina am 31.08.2017 06:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    OOOje

    Dann soll doch bitte zuerst der Imam der 600`000 Franken eingesteckt hat gehen. Kann man da nicht mal mit dem Kantönligeist aufhören und klipp und klare Regeln aufstellen die gesamt Schweizerisch gelten. Immer so ein Theater!!

    einklappen einklappen
  • Steinchen am 31.08.2017 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wieso?

    Wieso werden eigentlich die Menschen ausgeschafft, welche schon ihr ganzes Leben hier leben, sich integriert und eine Lehrstelle haben? Aber die welche keine Lehre haben, sich nicht bemühen unsere sprache zu lehren und straffàllig werden dürfen bleiben, wo ist hier die Logik?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dänu am 02.09.2017 08:21 Report Diesen Beitrag melden

    Beschämend

    Als ich diesen Artikel über das Mädchen gelesen habe, beschlich mich ein beschämdendes Gefühl, Schweizer zu sein. Da läuft nicht nur was ein bisschen schief. Wo bleibt da der Verstand, die grosse CH-Souveränität?

  • Wie Bitte am 31.08.2017 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist mit dem Vater???

    Der Vater des Mädchens zahlt nicht,die Mutter arbeitet,ist aber trotz Arbeit auf das Sozialamt angewiesen.Kommt niemand auf die Idee den Vater zu zwingen Unterhalt zu zahlen oder wie?Wieso wird die arme Frau bestraft obwohl sie von ihrem Mann im stich gelassen wurde?

  • Rechtsanwalt Paschke am 31.08.2017 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dem Gesetz Folge leisten

    Als Mit-Betroffene selbst direkt an die Medien zu gelangen, zeigt nur auf, das die Rechtsmittel ausgeschöpft sind und nun via Medien versucht wird, Druck auszuüben. Immer wieder das Gleiche.

  • Pitt am 31.08.2017 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kommt mir spanisch vor...

    Ich finds immer nur lustig, dass es immer bildhübsche junge Mädels betrifft!! Hat man mit diesen mehr Mitleid, oder kämpft man eher für sie, als mit hässlichen!! Komisch, oder?

  • Ruth am 31.08.2017 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Dzeila soll in der Schweiz bleiben

    Schlim Schweiz muss sich für so eine Entscheidung Schemen.Mädchen ist im diese Fall gar nicht schuld. Mutter Sol Bussen nicht Kind.