Geschäftsreisen

14. Februar 2018 12:18; Akt: 14.02.2018 15:31 Print

Gefährden Economy-Flüge die Gesundheit?

Firmen bezahlen ihren Mitarbeitern für Geschäftsreisen zunehmend nur noch Economy-Klasse. Dies schadet laut einem Experten der Gesundheit der Angestellten.

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Business-Class kostet: Der Flug Zürich–Peking schlägt bei der Swiss für Ende Februar mit 2251 Franken zu Buche. Diesen Preis wollen viele Firmen für die Geschäftsreisen ihrer Angestellten nicht mehr bezahlen und buchen stattdessen Economy, was 550 Franken kostet. «Immer mehr Firmen bezahlen auf Geschäftsreisen auch für Langstreckenflüge nur noch Economy-Flüge», stellt Arbeitsmediziner Dieter Kissling auf dem Blog HRToday fest. Laut einer Auswertung des Geschäftsreise-Anbieters Airplus buchten 48,5 Prozent der Firmen im Jahr 2016 bei Interkontinental-Flügen Economy. Für Kissling ist das bedenklich: «Die Firmen sparen auf Kosten der Gesundheit ihrer Mitarbeiter.» Während ein Flug in der Economy für Ferienreisende aufgrund der Erholungsphase kaum ein Problem darstellt, kommen bei Geschäftsreisen laut Kissling die Nachteile der «Holzklasse» deutlicher zum Tragen: «Die Schlafqualität ist aufgrund der Platzverhältnisse stark eingeschränkt», sagt er zu 20 Minuten. Eine Firma, die bei Reisen unter sechs Stunden auf Economy setzt, ist der Technologiekonzern ABB. Auf die Kritik zur Gesundheit geht die Firma auf Anfrage nicht ein, schreibt aber: «Pro Geschäftseinheit steht ein individueller-Travel Manager sowie ein Partner-Reisebüro zur Verfügung.» Und die Airline Swiss verweist darauf, dass Economy-Gäste von der neuen Sitzkissen-Technologie profitieren können. «Früher wurden relativ unbequeme Rückenkonstruktionen mit dickem Schaum aufgefüllt», so Sprecherin Karin Müller. Heutzutage böten neue Materialien deutlich mehr Komfort.

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Ein Flug von Zürich nach Peking für einen Besuch beim chinesischen Kunden kostet eine Schweizer Firma mit der Swiss für Mitte März in der Business-Klasse 2251 Franken. Dieser Preis erscheint vielen Firmen zu hoch: Sie stufen die Mitarbeiter in die Economy-Klasse zurück. Dies kostet beim Beispiel Zürich–Peking 550 Franken.

«Immer mehr Firmen, auch Grosskonzerne, gehen dazu über, ihren Mitarbeitenden auf Geschäftsreisen auch für Langstreckenflüge nur noch Economy-Flüge zu bezahlen», stellt Arbeitsmediziner Dieter Kissling auf dem Blog HRToday fest.

Laut einer Auswertung des Geschäftsreise-Anbieters Airplus buchten 48,5 Prozent der Firmen 2016 für ihre Angestellten bei Interkontinental-Flügen Economy. Für Kissling ist das bedenklich: «Die Firmen sparen auf Kosten der Gesundheit ihrer Mitarbeiter.»

In der Economy-Class schläft es sich schlechter

Während ein Flug in der Economy für Ferienreisende aufgrund der Erholungsphase kaum ein Problem darstellt, kommen bei Geschäftsreisen laut Kissling die Nachteile der «Holzklasse» deutlicher zum Tragen: «Die Schlafqualität ist aufgrund der Platzverhältnisse stark eingeschränkt», sagt Kissling zu 20 Minuten. Business-Class-Sitze sind durchschnittlich acht Zentimeter breiter und können oft in flache Betten umgewandelt werden.

Der Schlafmangel in der Economy sei für Geschäftsreisende besonders problematisch, da sie am Zielort ihre volle Leistung erbringen müssten, sagt Kissling. «Fliegt jemand Economy, nimmt der Stress etwa vor einem wichtigen Meeting nochmals zu, da man weiss: Im Flugzeug werde ich mich kaum ausruhen können.»

Chefs pochen auf die günstigste Reiseverbindung

Für Kissling führt die Sparpolitik dazu, dass die Mitarbeiter ihre Motivation verlieren. «Viele meiner Vielfliegerpatienten, die in die Economy-Klasse zurückversetzt wurden, zeigen einen deutlichen Motivationsverlust für ihre Arbeitserfüllung.» Da sie der Firma scheinbar nichts mehr wert seien, seien sie auch nicht mehr bereit, ihre volle Leistung zu erbringen.

Dass die Firmen bei Geschäftsreisenden unter Druck stehen, Kosten zu sparen, zeigt auch eine Umfrage des Dienstreise-Anbieters BCD Travel bei 100 Schweizer CEOs. 41 Prozent der Chefs geben 2016 an, dass es ihnen wichtig ist, für ihre Mitarbeiter die schnellste und günstigste Verbindung zu wählen. Die Antworten «genügend Schlaf» oder «eine stressfreie Reise» kommen erst auf Platz 5 und 6. Zudem geben 78 Prozent der Befragten an, dass der Zeit- und Kostendruck bei Geschäftsreisen in den letzten fünf Jahren zugenommen hätte.

Eine Firma, die auf Economy setzt, ist der Technologiekonzern ABB. Solange die Reisedauer unter sechs Stunden liegt, fliegen die ABB-Mitarbeiter Economy-Klasse. Auf die Frage, inwieweit die Wahl der günstigeren Klasse die Gesundheit der Angestellten beeinflusst, geht ABB nicht ein, schreibt aber: «Pro Geschäftseinheit steht ein individueller Travel-Manager für Feedback zur Verfügung und um kontinuierlich und nachhaltig Verbesserungen sicherzustellen.»

Swiss setzt auf neue Sitzkissen-Technologie

Die Airline Swiss verweist auf Anfrage darauf, dass Economy-Gäste dank neuer Sitzkissen-Technologie zusätzlichen Komfort erhielten. «Früher wurden relativ unbequeme Rückenkonstruktionen mit dickem Schaum aufgefüllt», sagt Sprecherin Karin Müller. Heutzutage böten neue Materialien wie Karbon deutlich mehr Komfort, zudem würden die Sitze so gebaut, dass sie schon in ihrer Grundkonstruktion ergonomisch richtig geformt seien.

Erzählen Sie uns Ihre Horror-Erlebnisse von der Geschäftsreise in der Economy-Class.


(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Woody am 14.02.2018 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Swiss Preise

    Kann mir bitte einmal jemand zeigen, wo man für 2550 CHF einen Flug mit der SWISS von Zürich nach Peking in der Business buchen kann? Es ist hoffentlich jedem klar, dass dies der Preis für die einfache Tour - nicht retour! Meine Retourflüge nach China kosten grundsätzlich zwischen 5500 und 7000 CHF ... also bitte besser recherchieren

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  • Thomas am 14.02.2018 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Zu wenig Platz.

    Ich habe das fast 20 Jahre mitgemacht. Lange Flüge in der Economy, unausgeruht direkt in die Meetings, wieder zurück. Irgendwann reicht es einem dann. Gesund ist sicher anders. Vor allem mit einer Körpergröße von über 1.90. Selbst Tiere haben in der Schweiz mehr Platz laut Gesetz als ein Flugpassagier.

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  • Ken-Guru am 14.02.2018 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Platz bitte!

    Anscheinend halten uns die Airlines für Masthühner, anders kann man es sich nicht erklären, wie man als Passagier eingepfercht wird! Da nützt uns der angeblich ergonomische Carbon Sitz gar nichts, wenn man nicht einmal zum schlafen die Beine strecken kann und als normal gebauter Mensch, Tuchfühlung zum Nachbarn hat! Economy Plus Angebote sind immer noch kaum erhältlich und im Ernst, den x-fachen Preis für Business, zahle ich weder privat noch beruflich!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Luca am 16.02.2018 00:06 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht wundern bitte

    Achtung nicht die Airlines sind Schuld. Unsere Gesellschaft bringt uns zum ungesunden Tot. Immer mehr sparen immer mehr Gewinn, ansonsten ist man als Unternehmen für Aktionäre unattraktiv.

  • Markus am 15.02.2018 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Auch bei den Hotel Aufenthalten...

    Der Verlust an Motivation ist nicht nur auf das Fliegen fixiert. Wenn ein Mitarbeiter in einem drittklassigen Hotel oder gar Pension untergebracht wird, - was auch immer mehr der Fall auf Grund des Sparzwanges bei Hotels ist, fragt er sich auch was er denn eigentlich der Firma wert ist. Man kommt zwar vielleicht besser zum Schlafen als im Flieger aber wenn das ganze Drumherum (Badezimmer alt, Mobiliar aus den 70ern, schlechte IT Verbindung etc..) nicht stimmt, erkennt man doch schnell die Wertschätzung der Mitarbeiter. so verliert man den "War of Talents"

  • Rico S am 15.02.2018 07:05 Report Diesen Beitrag melden

    Stress auf Kosten der Mitarbeiter

    Grossfirmen lassen ihre Mitarbeiter auch immer mehr in Grossbüros arbeiten, um Kosten zu sparen und um damit die Aktionäre zu beglücken. Das schadet der Gesundheit noch viel mehr. Solche Arbeitsbedingungen schaffen grundsätzlich und dauerhaft Stress. Da dürften Economy-Flüge nur ein laues Lüftchen sein dagegen.

  • Dan y el am 15.02.2018 02:47 Report Diesen Beitrag melden

    Oekologischer

    Oekologisch viel besser. Heute gibt es ja auch Videokonferenzen. Es braucht weniger Flieger wenn mehr reisende reinpassen. Allerdings leide ich mit 1.93 Laenge bei laengeren Fluegen sehr !!

  • ET am 15.02.2018 00:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ausgenützt!

    Haha! Bei einem Flug der länger als 6h dauert, wird einfach eine Zwischenlandung geplant geplant wo man dann von einem Flugzeug zum nächsten rennen darf. Mit dem nächsten Start fangen die 6h wieder von vorne an - natürlich in der Ecco! Die Arbeitszeit hingegen endet nach 8h ... denn reisen ist keine Arbeit und daher auch nicht als Überstunde oder Überzeit aufzuschreiben. Dem Kunde wird aber die ganze Zeit verrechnet... und uns werden dafür noch die Spesen gestrichen... ganz unter dem Motto: im Flugzeug bekommt ihr ja alles... Unser Ex-Chef (APF) hatte mehr für seinen Hund übrig als für uns!