Nach Whatsapp-Verbot

10. Juni 2018 03:57; Akt: 10.06.2018 08:56 Print

Eltern lancieren eigene App

Wegen der veränderten Nutzungsbedingungen von Whatsapp reagieren die Schulen - und die Eltern.

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Whatsapp hat vor rund einer Woche seine Geschäftsbedingungen geändert. Neu muss man mindestens 16 Jahre alt sein, um die App nutzen zu können. Davon sind auch viele Schüler betroffen, die in Klassenchats sind. Lehrer müssen diese jetzt löschen. Zuvor konnten sie schnell und unkompliziert mit ihren Schülern Infos austauschen. «Auch Hausaufgaben und Hilfestellungen dazu werden über Whatsapp-Gruppen organisiert», sagt Christian Hugi, Präsident des Lehrerverbands des Kantons Zürich zur «Sonntagszeitung». In der ganzen Schweiz ist man auf der Suche nach Alternativen, wie die «Sonntagszeitung» schreibt. Im Oberstufenzentrum Orpund bei Biel wurde sogar eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Philipp Wampfler ist Experte für Lernen mit neuen Medien. Er sieht den Nutzen auf zwei Ebenen: «Einerseits ist die direkte Kommunikation per Whatsapp sehr praktisch. Ich könnte mir keinen zeitgemässen Unterricht ohne vorstellen», sagt er zu 20 Minuten. Auf der anderen Seite hätten die meisten Klassen sowieso einen Whatsapp-Chat, ob da jetzt der Lehrer dabei sei oder nicht: «Es ist eine Chance für die Schulen, diese zu begleiten und die Kinder in ihrer Welt abzuholen», so Wampfler weiter. Daniel Kachel, Präsident des Verbands Sekundarlehkräfte des Kanton Zürich, rechnet damit, dass Whatsapp auch weiterhin von unter 16-Jährigen genutzt wird: «Wir haben diese Technologien nun mal. Es ist auch die Aufgabe der Schulen, den Umgang damit zu lehren», sagt er. Für den Schulalltag habe die Ankündigung allerdings keine grossen Folgen: «Ich gebe sowieso keine Hausaufgaben via Whatsapp ab», sagt Kachel. Das sei mit anderen Applikationen besser möglich. Wer weiterhin Whatsapp nutzt und unter 16 Jahre alt ist, verstösst gegen kein Gesetz, sondern nur gegen die Nutzungsbedingungen der App. «Strafbar macht man sich damit sicher nicht», sagt Rechtsanwalt Martin Steiger.

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Nachdem Whatsapp das Mindestalter für Nutzer auf 16 Jahre heraufgesetzt hat, reagieren die Schulverantwortlichen in der Schweiz, berichtet die «SonntagsZeitung». «Die Nutzung von Whatsapp kommt nicht mehr in Frage, da die Nutzer mindestens 16 Jahre alt sein müssen», sagt Monique Juillerat, Sprecherin der kantonalen Bildungsdirektion. «Die Zustimmung der Eltern ändert daran nichts.» Whatsapp habe «klare Nutzungsbestimmungen definiert, die einzuhalten sind.»

Ähnlich tönt es im Kanton Zürich. «Die Lehrpersonen sind angehalten, gesetzliche und vertragliche Vorgaben einzuhalten», sagt Yvonne Leibundgut, Sprecherin der Bildungsdirektion. «Nutzungsbedingungen sind vertragliche Vereinbarungen zwischen Whatsapp und den Nutzern.» Es sei nicht Aufgabe der Lehrer, «die Schüler zur Umgehung oder zur Verletzung solcher Vereinbarungen anzuhalten.» Zudem sei Whatsapp gemäss Richtlinien des kantonalen Datenschützers «keine datenschutzkonforme Lösung», sagt Leibundgut. «Dieser Haltung schliesst sich die Bildungsdirektion an.»

Wie der Zürcher Datenschützer festhält, ist die Nutzung von Whatsapp durch Lehrer und andere schulische Mitarbeiter «nicht rechtmässig».

Eltern werden aktiv

Auch der Kanton Bern wird aktiv. «Wir klären gegenwärtig die juristische Sachlage ab», sagt Martin Werder, Sprecher der Erziehungsdirektion.

Derweil greifen Eltern zur Selbsthilfe. Vier Familienväter aus dem Kanton Aargau haben eine eigene Klassen-App namens «Klapp» entwickelt. «Als Eltern wollen wir die Kontrolle darüber haben, was mit unseren Daten passiert und wer Zugriff darauf hat», sagt Mitinitiator Elias Schibli. An 30 Schulen in den Kantonen Zürich, Aargau, Basel-Stadt, Zug, Luzern und Solothurn wird die App derzeit getestet. «Im Sommer werden wir kommerziell live gehen», sagt Schibli.

(roy)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michuu am 10.06.2018 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anno Damals

    Oh je... Was haben wir damals nur Ohne Whatsapp und Computer gemacht...

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  • Land Lehrling am 10.06.2018 07:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ernsthaft!?

    Ach bei Whats App werden die Eltern aktiv. Aber ihren 11 jährigen kleinen spiele wie Call of Duty, was ab 18 ist, kaufen sie ihnen trotzdem. Unglaublich.

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  • Firefighter118 am 10.06.2018 05:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Threema ist die Lösung

    Warum etwas neues kreieren, wenn es schon was besseres auf dem Markt gibt? THREEMA ist ein Made in Switzerland App und Verschlüsselungs Technisch das sicherste Chat App.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Priska Hottenroth am 10.06.2018 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Theater

    Ich lasse mein 14 Jährigem im wahtsaop weiter schreiben....verstehe das Theater nicht!!!!!

  • Lämpel am 10.06.2018 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Völlig losgelöst

    Ich kann mich nicht erinnern, dass wir ein Kommunikations-App gehabt hätten, als ich die Primarschule besucht habe. Auch ich bin gross geworden. Also, keine Panik. Die paar Stunden ohne Mami und Papi werden die Kinder überleben.

  • Schreiberling am 10.06.2018 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    iO

    vielleicht sollte man die iO App wieder aus der Versenkung holen...

  • Thömsen am 10.06.2018 10:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    THREEMA Schweizer Messenger

    Hallo Welt. Warum benutzt ihr nicht einfach THREEMA...?! Kann gleich viel wie whatsapp, kann auch telefonieren(!) viel sicherer und du kannst es sogar ohne Telefonnummer (ohne Sim-Karte) betreiben. Schweizer Firma. Endtoend Verschlüsselung usw... Meine Familie und Bekannte kommunizieren so und sind super zufrieden!

  • Mitch Mitchel am 10.06.2018 10:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Big Business mit Daten

    Threema kostet eben ein bisschen aber findige Eltern haben einen Weg gefunden wie sie ins big Business einsteigen können. Das ganze ist ein sehr lukrativer Markt das wissen auch die Eltern.