Fangis und Co. sind out

24. April 2013 13:53; Akt: 24.04.2013 14:39 Print

Eltern unter Druck wegen Kindergeburtstagen

von Deborah Sutter - Zauberer statt Blinde Kuh: Kindergeburtstage werden immer aufwändiger. Eltern stehen zunehmend in einem Wettbewerb um ausgefallene Partys – dabei ist nichts zu teuer.

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Eltern müssen an Kindergeburtstagen je länger je mehr Ausgefallenes bieten. (Bild: the Kuzmins)

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Zuhause im Wohnzimmer Spiele spielen oder Basteln ist out, an vielen Kindergeburtstagen muss heute mehr geboten werden. «Es ist ein regelrechter Wettbewerb unter den Eltern ausgebrochen: Man schaut genau, was die anderen machen und versucht mitzuhalten», sagt etwa Sandra*, Mutter der 12-jährigen Luna. Darum gehe sie mit einer ganzen Rasselbande bowlen oder Kartfahren oder zum Erlebnis-Bäcker: «Allein der Eintritt für die Kinder kommt auf mehrere Hundert Franken zu stehen.»

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Auch Matthias*, Vater der 5-jährigen Carolina, kennt den Druck: «Seit meine Tochter an einem Kindergeburtstag war, wo das Mami einen Zauberer und einen Spray-Tätowierer engagiert hatte, will sie das nun unbedingt auch haben.» Er rechnet mit Kosten von über 500 Franken für den kommenden Geburtstag seiner Tochter. Normal finde er das nicht. Aber wenn das alle so handhabten, habe man «keine Chance mit einem herkömmlichen Programm».

Steigende Nachfrage nach ausgefallenen Geburifestli

Diese Entwicklung haben unzählige Firmen erkannt: Nebst der Migros, Coop oder McDonald's bieten etwa auch der Flughafen Zürich oder der Zoo Zürich eigens Feste für die Knöpfe an. «Wir haben pro Woche 3 bis 5 Geburtstage im Zoo», sagt Marketingleiter Markus Rege. Da die Nachfrage derart hoch sei, müsse man mit Wartezeiten von bis zu fünf Monaten rechnen. Kostenpunkt für die Feier für Kinder zwischen 6 und 10 Jahren: 35 Franken pro Kopf.

Auch Sandra Mutti, Mit-Inhaberin des Kindercoiffeursalons «Cut and Sirup» in Zürich, veranstaltet Kindergeburtstage. «Für viele Eltern ist es ein grosser Stress, die Kinder zuhause zu haben und sich Spiele auszudenken.»

Bei Muttis Partys müssten sich die Mamis um nichts mehr kümmern: «Ich organisiere alles, vom Kuchen über das Geschenk bis hin zum Programm, das in erster Linie Frisieren und Nägellackieren beinhaltet.» Kein Wunder ist ihr Partyangebot vor allem bei Mädchen zwischen 6 und 10 Jahren sehr beliebt: «Seit ich vor einem Jahr damit begonnen haben, steigt die Nachfrage stetig.» Das günstigste Geburfest kostet bei Mutti gut 200 Franken für sechs Kinder.

Dreistöckige Torten für vierjährige Knirpse

Noch exklusivere Feste bietet die Kinderanimationsagentur Wendolina an. «Zu Beginn waren es vor allem reiche Familien aus Meilen, Herrliberg oder dem Zürichberg, wo die Mädchen in Armani-Jupes herumsassen, die mich und meine Clowns buchten», erzählt Angie Wendel. In den letzten Jahren kämen die Aufträge vermehrt aus allen gesellschaftlichen Schichten. Teils auch von Familien, bei denen sie denke, «die könnten das Geld auch für anderes gut gebrauchen».

Denn günstig sind die Kindergeburtstage bei Wendel nicht: Eineinhalb Stunden Basteln, Schminken und Zaubershow kommen auf 480 Franken zu stehen. «Manche Mütter oder Väter sind nicht mehr bereit, selber Zeit und Energie in das Ausdenken von Spielen zu investieren – und geben lieber das Geld aus», so Wendel. Alleine die Geburtstagskuchen, die sie zu sehen bekomme, seien spektakulär: «Kaum ein Kuchen ist noch selbstgebacken. Dafür werden Vierjährigen dreistöckige Torten vorgesetzt, die sie nicht einmal mögen.»

*Namen geändert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas Hartmann am 24.04.2013 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Kuchen backen ist Papis Job

    Ich bin fest im berufsleben verankert und habe eine tolle Kaderstelle welche mich zeitlich sehr stark beansprucht. Zu Hause sind 5 Kinder welche jeden Abend auf mich warten und für die wäre es die grösste Enttäuschung wenn der Geburtstagskuchen nicht wie jedes Jahr vom Papi selbstgemacht würde. Auch die Parties müssen nicht viel kosten. Unsere Geburtstage sind individuell aufs Alter angepasst und nicht aufs Umfeld. Das geht von der klassischen Geburi-Party mit Schoggi-Wettessen und Basteln bis hin zur Pijama-Party mit Home-Cinema Abend. Die Kids lieben es. Keep it simple & live your own live!

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  • landei am 25.04.2013 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    auf dem land

    ou mann, ich bin auf dem land aufgewachsen. heute lebe ich in einer grösseren schweizerstadt. gegen das "land" kann man sagen was man will. aber heute bin ich dankbar eine gut behütete kindheit gehabt zu haben. mode und kleider interessierte und nicht. gespielt wurde draussen wann immer es das wetter zuliess. die spiele wurden selber erfunden. die eltern warn nicht so überfürsorglich (helm auf dem spielplatz), aber ein elternteil war zuhause und wir wurden nicht in die krippe abgeschoben. und sollte ich auch mal kinder haben würde ich sie auch auf dem land grossziehen!

  • Frau "nicht ideenlos" am 24.04.2013 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und was bietet man ihnen dann im Jahr drauf?

    Ich krieg tolle Partys auch ohne solchen Aufwand hin. Und am Schluss hat's den Kids gefallen und sie fragen schon beim Abschied nach dem nächsten Geburifest. Wer ideenlos und mit den andern konkurrieren will, ist selber schuld.

Die neusten Leser-Kommentare

  • landei am 25.04.2013 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    auf dem land

    ou mann, ich bin auf dem land aufgewachsen. heute lebe ich in einer grösseren schweizerstadt. gegen das "land" kann man sagen was man will. aber heute bin ich dankbar eine gut behütete kindheit gehabt zu haben. mode und kleider interessierte und nicht. gespielt wurde draussen wann immer es das wetter zuliess. die spiele wurden selber erfunden. die eltern warn nicht so überfürsorglich (helm auf dem spielplatz), aber ein elternteil war zuhause und wir wurden nicht in die krippe abgeschoben. und sollte ich auch mal kinder haben würde ich sie auch auf dem land grossziehen!

  • TinuK am 25.04.2013 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Festvorbereitung, Ansprüche herabsetzen

    Beim Eltern Club Schweiz habe ich gelesen, dass Kinder Festvorbereitungen lieben: Beziehen Sie Ihr Kind daher seinen Möglichkeiten entsprechend mit ein. Vielleicht können Sie die eigenen Ansprüche herabsetzen; der Tisch ist dann eben nicht so perfekt gedeckt, dafür wird der Anlass auch zum Fest Ihres Kindes. Denken Sie daran, etwas mehr Zeit einzuplanen, denn wenn kleine Kinder beim Dekorieren oder Kuchenbacken helfen, dauert alles etwas länger. Vergessen Sie für einen Moment die Zeit, geniessen Sie mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn den Augenblick und den Zauber der Vorfreude.

  • Regi am 25.04.2013 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Pass doch alles!

    Bonsai-Karate für 2-Jährige, Luxus-Geburtstag für 12-Jährige, wenn schon, denn schon Konsequenz zeigen! Ist echt traurig, dass viele heutige Eltern keine Lust und Zeit mehr aufbringen wollen, selber kreativ zu sein und sich stattdessen konkurrenzieren. Lieber blättern sie viel Geld hin und alle andern, die sich dies nicht leisten können, fallen dann unter die Statistik "arme Kinder der Schweiz". Schlimm ist, dass dies alles nicht von den Kindern kommt, sondern von den Eltern selbst gepusht wird.

  • Jerome am 25.04.2013 07:46 Report Diesen Beitrag melden

    Teure Kids

    Ich (m,25) frage mich sowieso wie das heute überhaupt ist, Kinder zu haben. Als ich in der Schule war, war man ein Outsider sobald man keine Markenkleider hatte. Aber wie muss das heute sein, mit all den teuren iPhone`s iPad`s etc.? Muss man den Kinder ständig das neuste Gerät kaufen, damit diese nicht gehänselt werden oder wie ist das?

  • Mami Nicole am 25.04.2013 07:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ea geht auch anders....

    Habe gerade vor 2 Wochen den 10. unseres Junior gefeiert. Erst noch ganz traditionell bei uns zu Hause , der "Clown" war ich selber... wir hatten selber gemachten Kuchen und Spiele inkl. Tischbombe und draussen Fangis spielen. Es gab kleine Preise zu gewinnen und alle Jungs waren zufrieden! Man oder Frau ist sich selber lieb was man sich und seinem Portemonai zumuten will.