Tarnorganisation

31. Juli 2016 17:09; Akt: 31.07.2016 17:10 Print

Erdogan-Partei hetzt in der Schweiz gegen Kritiker

Ein türkischer Verein mit Sitz in Spreitenbach AG pflegt enge Kontakte zur Erdogan-Regierung. Laut Insidern hat sich die Organisation seit dem Putschversuch deutlich radikalisiert.

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Der umstrittene UETD-Verein läuft mit: Demonstranten vor dem türkischen Konsulat in Zürich. (16. Juli 2016) (Bild: Keystone/Siggi Bucher)

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Auch in der Schweiz sind liberale Türken seit dem Putschversuch gegen Erdogan massiven Anfeindungen ausgesetzt. Recherchen der «Sonntagszeitung» zeigen, dass hinter der Hetze gegen Regimekritiker und hinter der Erdogan-Propaganda nationalistische Türken mit direkten Verbindungen zum Machtapparat Ankaras stehen. Über eine Schweizer Lobbyorganisation der konservativen Regierungspartei AKP drohen sie ihren Kritikern, organisieren Aufmärsche und Propaganda-Anlässe.

Nach aussen gibt sich die Organisation politisch unabhängig. Auch der Name klingt unverdächtig: Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) – ein Verein mit Sitz im Industriegebiet von Spreitenbach AG. Laut den Statuten soll die Union die schweizerisch-türkischen Beziehungen und «die Erhaltung von Kulturwerten» fördern.

Bedingungslose Treue für Erdogan

Präsident des Vereins ist der türkische Nationalist Murat Sahin. Nach dem Putschversuch schwor er Erdogan auf Facebook seine bedingungslose Treue: «So lange ich atmen kann, werde ich mit meinem ganzen Dasein dort stehen, wo du mir befiehlst und zusammen mit dir auf diesem Weg kämpfen.»

Sahin agiert gemäss «Sonntagszeitung» als Bindeglied zwischen der Schweiz und der Türkei. Er verkehrt seit Jahren mit dem nächsten Umfeld von Erdogan. Bilder zeigen ihn, wie er im Mai 2015 in Aarburg AG mit dem heutigen Ministerpräsidenten und AKP-Chef Binali Yildirim Kebab isst.

Yildirims Ansprache in Winterthur

Yildirim tauscht sich regelmässig mit seinen Schweizer Kampfgefährten aus. Nur einen Monat vor der Putsch-Nacht hielt er per Telefonschaltung eine Ansprache bei einem Ramadan-Fest der UETD in Winterthur. Für das Fest reiste auch Metin Külünk an, AKP-Abgeordneter und langjähriger Erdogan-Vertrauter aus Istanbul.

Den UETD-Verein gibt es in der Schweiz seit knapp vier Jahren. Zuletzt marschierten ihre Anhänger am Tag nach dem Putsch vor dem türkischen Konsulat in Zürich auf. Über Mikrofon drohte Murat Sahin den Anhängern des islamischen Predigers Gülen: «Euer Ende ist gekommen. Ihr könnt euch nicht mehr in euren Löchern verkriechen.»

Seit Putschversuch radikalisiert

Insider beobachten, dass sich die Erdogan-Truppe um die UETD seit dem Putschversuch nochmals deutlich radikalisiert hat. Eine junge Türkin aus Zürich warnt: «Die UETD importiert die türkische Innenpolitik in die Schweiz.» Am Sonntag will die deutsche UETD in Köln gegen den Putsch demonstrieren. Die Polizei erwartet 30 000 Menschen und befürchtet Ausschreitungen.

(chi)