Zigis 10 Rappen teurer

15. November 2012 08:55; Akt: 15.11.2012 09:43 Print

Erst ab 40 Rappen rauchen die Leute weniger

von Lukas Mäder - Der Bundesrat erhöht die Tabaksteuer um 10 Rappen. Präventionskreise kritisieren diese Politik der moderaten Preiserhöhungen – es fehle die abschreckende Wirkung.

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Der Bundesrat erhöht die Zigarettenpreise bewusst nur in kleinen Schritten - was die Präventionsexperten kritisieren. (Bild: Keystone)

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Raucher werden künftig tiefer in die Tasche greifen müssen. Der Bundesrat hat am Mittwoch beschlossen, auf den 1. April die Tabaksteuer um 10 Rappen zu erhöhen. Er begründet den Entscheid «gesundheitspolitisch und fiskalpolitisch». Neben höheren Steuereinnahmen erhofft sich die Regierung einen sinkenden Raucheranteil und weniger Konsum. Doch bei den Fachpersonen der Tabakprävention löst diese Begründung Kopfschütteln aus.

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Die Experten glauben nicht an die Wirksamkeit: «Wenn die Erhöhung nicht mindestens 40 bis 50 Rappen beträgt, hat sie keine gesundheitspolitischen Folgen», sagt Bruno Meili, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention. Gleicher Meinung ist auch Cornelis Kooijman von der Lungenliga: «Kleinere Anpassungen sind für die Konsumenten nicht einschneidend.» Sie gewöhnten sich an den höheren Preis. Die Lungenliga wünscht sich deshalb, dass der Bundesrat sich von der Politik der Preiserhöhungen in kleinen Schritten verabschiedet.

Konflikt zwischen den Ämtern

Bei der Oberzolldirektion (OZD) ist man sich bewusst, dass die Prävention lieber stärkere Preiserhöhungen hätte. Doch die Abteilung, die bei der Tabaksteuer federführend ist, hat die Einnahmen des Bundes im Fokus. Sie fürchtet bei zu starken Preissteigerungen eine Zunahme des Zigarettenschmuggels sowie Mindereinnahmen im Grenz- und Touristenverkehr. Das Bundesamt für Gesundheit wiederum will den Raucheranteil senken, weshalb sich die beiden Ämter in dieser Frage nicht unbedingt einig sind.

Michael Bigler, Stellvertretender Sektionschef Tabak- und Bierbesteuerung bei der OZD, drückt es diplomatisch aus: «Es gibt einen Zielkonflikt, weshalb wir uns jeweils langsam an einen neuen Preis herantasten müssen.» Nur so könne sichergestellt werden, dass sich eine Steuererhöhung bei den Einnahmen nicht kontraproduktiv auswirkt.

Parlament muss entscheiden

Dass teurere Zigaretten Schmuggel zur Folge hätten, glaubt Tom Beutler von der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention nicht. So hätten die Tabakfirmen in den letzten Jahren, während der Bundesrat die Steuern um 1.60 Franken heraufsetzte, die Preise noch zusätzlich um 1.50 Franken erhöht – und damit Mehreinnahmen gemacht. Beutler fordert ebenfalls grössere Schritte von mindestens 50 Rappen, wie dies der Bundesrat 2004 letztmals beschlossen hatte.

Doch bis die nächste Steuererhöhung bei den Zigaretten kommt, werden sowieso noch zwei bis drei Jahre vergehen. Mit dem Beschluss von Mittwoch hat der Bundesrat seine Kompetenzen ausgeschöpft, eine Revision des Tabaksteuergesetzes ist nötig. Die Arbeiten dazu hat die OZD bereits aufgenommen, das Parlament befindet frühestens 2014 darüber.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike am 15.11.2012 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    Hexenjagd und Abzocke

    Juhuiii bald lohnt sich der Schwarzmarkthandel. Am Besten die Ziggis auf Fr. 10 oder mehr. Egal, wer raucht wird weiterhin rauchen, aber dafür blüht der illegale Handel. Alle Verteuerungen haben NULL weniger Raucher gebracht. Wenn man dort wirklich etwas ändern will braucht es andere Ansätze. Aber leicht verdientes Geld für unsere Politiker, die sonst kaum praktische Lösungen bieten um die Jugentlichen vor dem Rauchen abzuhalten. Man hat es in den 30 Jahren in den USA gesehen im Zusammenhang mit Alkohol, es wurde weiterhin getrunken, bis man es eingesehen hat.

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  • hans am 15.11.2012 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Raucht, der Bund barucht Geld!

    Auf der einen Seite, werden die Raucher-/innen diskriminiert bis zum geht nicht mehr, auf der anderen Seite ist der Bund froh, dass geraucht wird. Man braucht ja Geld.

  • Raucher am 15.11.2012 15:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur weiter so

    Wenn wir solch zustände wie in Amerika, während der Prohibition wollen, bitte nur zu. Da hat man auch gemeint man tue etwas gutes. Das ergebnis war, dass korupte Politiker noch korupter wurden und jeder kleine Strauchdieb zum Mafiaboss wurde..

Die neusten Leser-Kommentare

  • Schnauze voll von diesen Wichsern am 16.11.2012 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wie in alten Zeiten..

    Wie nannte man vor 100 Jahren Cannabis in der Schweiz? Genau: arme-Leute-Kraut. Weil Tabak massiv teurer und schwieriger zu kriegen war. Wir sind noch nicht ganz dort, aber es dauert nicht mehr lange und kiffen ist billiger, als Tabak zu rauchen. Mir egal, dann kiffe ich halt. Steuerfrei übrigens. Selber Schuld, wenn man die Gesundheitsapostel Politik machen lässt...

  • Martin Smith am 16.11.2012 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Nur 10 Rappen

    Nur 10 Rappen? Es sollte 10 Cent pro Zigarette sein. Wenn niemand rauchen bedeutet, höhere Steuern für alle, es wäre ok. Wir sind jedoch ein sehr langer Weg von diesem Nirwana.

    • René am 16.11.2012 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Zu billig

      10 SFr. mehr pro Packung. Die hohen Prämien haben wie ja den Rauchern zu verdanken,

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  • Hans Kurz am 16.11.2012 06:48 Report Diesen Beitrag melden

    Mindestens so teuer wie Kaffee-Kapsel

    Eine Zigarette sollte mindestens so teuer wie eine Kaffee-Kapsel sein, wenn nicht teurer. Der Preis sollte sich nach der Schädlichkeit richten, es kann ja nicht sein, dass eine Zigarette billiger ist als ein Schleck-Stengel. Also am besten Preise ab CHF 1 - 1.50. Wie ein Kaffee am Automat.

    • Raucher am 16.11.2012 16:11 Report Diesen Beitrag melden

      Und sie zahlen?

      Wenn Sie die Kosten dafür tragen, gerne.

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  • Patrick Fetz am 16.11.2012 05:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ab 50 Jahren darf man alles!

    Man würde besser ab 50 Jahren alles erlauben. Rauchen Saufen zu halben Preis, Kiffen und alle Drogen frei geben. Dann ist man mit spätestens 65 Jahren tot und man belastet nicht AHV,IV und wir haben weniger Arbeitslose da man heute schon probleme hat im hohen alter einen Job zu finden die dann aufs Sozi müssen. Das wäre doch mal was anders! Das ist zukunfts Politik anstatt alle Steuern zu erhöhen.

  • g. bernasconi am 16.11.2012 05:14 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Steuer

    Es handelt sich nicht um Prevention sondern um eine neue Steuer! Der Staat will das Volk ausbluten. Bald kommt die Stuhlsteuer und die Bettsteuer.