Zeitdruck im Studium

23. August 2017 20:17; Akt: 23.08.2017 20:17 Print

Ex-Manager hilft bei Bachelorarbeiten

von Silvana Schreier - Willy Toggwyler berät Wirtschaftsstudenten bei Uni-Arbeiten. Solch externe Hilfe kann aber auch problematisch sein.

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Studenten nehmen immer öfter externe Hilfe bei der Erstellung von Bachelor- oder Masterarbeiten in Anspruch. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Auf Facebook gibt es nicht nur Angebote von Anbietern, die Studierenden die gesamte Bachelorarbeiten für einige tausend Franken schreiben. Auch ein Ex-Coop-Manager mischt mit – wenn auch nicht beim klassischen Ghostwriting. Willy Toggwyler bietet Wirtschaftsstudierenden an, ihre Bachelor- oder Masterarbeiten zu strukturieren, und prüft sie auf Fehler.

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Haben Sie im Studium für eine Abschlussarbeit schon einmal externe Unterstützung in Anspruch genommen?
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Toggwyler war in den 80er-Jahren Verbandsdirektor bei Coop Schweiz und Direktionsvorsitzender beim Medienunternehmen Jean Frey. Sein Angebot lancierte er im Frühling dieses Jahres. Auf seiner Website Bestanden.ch können sich Studierende melden. Verwandte, die an der Universität St. Gallen studieren, hätten ihn auf die Idee gebracht, erzählt Toggwyler. Es bestehe eine grosse Nachfrage nach einem Experten, der die Fehler studentischer Arbeiten ausbügle, sagten sie.

Zehn Franken kostet eine Seite

Als Ghostwriter sieht sich Toggwyler nicht: «Ich biete lediglich Unterstützung bei Schreibstil, Grammatik und Rechtschreibung. Weiter gebe ich Vorschläge für die Optimierung der Inhaltsstruktur der Arbeiten», erklärt er. Inhaltlich und methodisch seien die Studienarbeiten gut, beim Sprachlichen gebe es aber Verbesserungspotenzial.

Pro Semester bearbeitet Toggwyler rund fünf bis zehn Bachelor- oder Masterarbeiten von Studierenden verschiedener Hochschulen. Pro Seite verlangt er eine Gebühr von 10 Franken. Besonders interessant seien die Arbeiten, die an Fachhochschulen geschrieben würden: «Ich beurteile die Konzepte und Massnahmenpläne, die darin präsentiert werden, nach ihrer Praxistauglichkeit.» Für eine Bachelorarbeit mit rund 30 Seiten wendet er ein bis zwei Tage auf.

«Studenten sind extrem belastet»

Während seiner Zeit als Schüler am Zürcher Wirtschaftsgymnasium war Toggwyler auch dazu angehalten, Arbeiten zu verfassen. Externe Unterstützung sei damals kein Thema gewesen. Warum die Studierenden heute mehr Hilfe benötigen, erklärt er so: «Ich denke einfach, viele sind extrem belastet und unter grossem Zeitdruck.»

Fritz Sager, Dekan der Wirtschaftsfakultät der Universität Bern, kann hingegen keine Veränderung zu früher feststellen: «Es gab schon früher Studierende, die sich externe Hilfe holten. Das wird auch in Zukunft so bleiben.» Grundsätzlich sei es an der Uni Bern erlaubt, dass sich Studierende bei sprachlichen Schwierigkeiten helfen lassen. Falls jemand eine Arbeit jedoch nicht selbstständig verfasst habe, könne dies mit dem Ausschluss vom Studium geahndet werden. «Ghostwriting ist etwas Unrechtmässiges und kein Kavaliersdelikt», sagt Sager.

Uni Zürich setzt auf Konfrontation

Die Universität Zürich rät allen Studierenden von bezahlten Unterstützungsleistungen ab: «Diese Angebote versprechen oft zu viel. Einige verkaufen sich als Erfolgsversprechen. Das ist eine Gefahr für Studierende», sagt Katharina Korsunsky, Co-Geschäftsführerin der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Zürich.

Im Gegensatz zu Plagiaten, für deren Erkennung die Uni Zürich spezielle Programme nutzt, sei es schwierig, externe Hilfe zu erkennen, so Korsunsky. Oftmals falle den Betreuungspersonen der Studierenden aber auf, dass an Arbeit oder Methode etwas nicht stimme. «Bei uns werden pro Jahr ein bis zwei solche Verdachtsfälle gemeldet», sagt Korsunsky. Die Betreuenden würden dazu angehalten, die Studenten direkt darauf anzusprechen: «Häufig lässt sich die Situation bereits im Gespräch klären.» Beschränkt sich die Unterstützung jedoch auf blosses Korrekturlesen, stellt dies für die Universität kein Vergehen dar.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lebensarchitekt am 23.08.2017 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Supported by Manager

    Ein Ex-Manager supported eine läppische Bachelorarbeit?! Wer dieses alberne Dingens nicht selbst verfassen kann, der ist fehl am Platz und gehört nicht auf eine Universität. Punkt.

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  • Beobachter am 23.08.2017 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Manager

    versuchen zu managen was nicht zu managen ist und verdiehnen sich eine Goldene Nase, ohne Probleme zu lösen.

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  • Elo am 23.08.2017 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    ???

    30 Seiten 2 Tage Aufwand dafür 10.-- pro seite = 30x10= 300.-- echt? Das glaub ich nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Janine Graber am 24.08.2017 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lektorin werden

    Wo kann ich mich bewerben? Ich korrigiere fürs Leben gerne Arbeiten

    • Thomas am 24.08.2017 13:20 Report Diesen Beitrag melden

      Bei mir, aber auf englisch

      Bei mir. Suche schon lange (auch schon inseriert) Jemand der von mir verfasste englische Korrespondenz, Dokumentationen und Pflichtenhefte korrigiert, damit ich so mein Englisch verbessern kann. Ist aber sehr technisch, ich bin Softwareentwickler. Es ist nicht so, dass ich schlecht englisch schreibe, Amerikaner, Australier und Engländer verstehen jedenfalls was ich schreibe. Aber ich denke immer wieder dass es wohl verbesserungsfähig ist. Und nach so langer Zeit weg von der Ausbildung, und nach sooo viel schlechtem Inder- und Chinesenenglisch weiss man oft überhaupt nicht mehr was richtig ist.

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  • MAI94 am 24.08.2017 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gegenlesen

    Ich finde das nicht schlecht, unter der Voraussetzung dass es nur um Gramatikalische Fehler und nicht um Inhaltliche geht. Weil wenn man sehr lange an einer Arbeit geschrieben hat und fast auswendig kann, überliest man Rechtschreibfehler leicht. Oft auch Flüchtigkeitsfehler die nichts mit Kompetenz zu tun haben. Und das von jemandem gegenlesen lassen macht so viel Sinn

  • ml am 24.08.2017 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eigene Erfahrung

    Ich habe kürzlich wieder die Erfahrung in einer Gruppenarbeit gemacht. Es gibt Leute die können alleine keine Arbeit schreiben. Habe den schriftlichen Part einer kommilitonin gegen gelesen, und musste praktisch jeden Satz korrigieren, da er entweder grammatikalisch oder inhaltlich falsch war. Auf ihre Bsc. Thesis (wir sind im Master) hat sie aber eine glatte 6 mit auszeichnung bekommen, was ich mir ohne fremde Hilfe einfach nicht vorstellen kann. Und da finde ich sowas darf und kann nicht sein, da doch gerade ein naturwissenschaftliches Studium mit voraussetzt, dass man seine Resultate strukturiert und verständlich darlegen kann, und zwar eigenständig. Im Beruf später hat zum stundenlangen korrigieren einfach keiner Zeit und Lust... Ausserdem kann man auf eine Note die man effektiv selber erreicht hat auch wenn es von mir aus "nur" 4.5 oder 5 ist viel stolzer sein, zumal die zusätzlich auch viel aussagekräftiger ist.

    • aklsd am 24.08.2017 11:31 Report Diesen Beitrag melden

      Noten sind eh egal

      am Ende ist die Note eh egal. Habe noch kein Bewerbungsgespräch gehabt, wo meine nicht so grandiose 4.7 im Bachelor eine Rolle gespielt hat. Hauptsache man hat den Abschluss und man hat was drauf.

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  • Bluebird am 24.08.2017 10:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles für das Geld...

    Für Geld gibts heute doch fast ALLES....!!!

    • Jimmy am 24.08.2017 13:05 Report Diesen Beitrag melden

      Fast

      Wenn du das "fast" noch streichst, dann stimme ich deiner Aussage zu.

    • Bluebird am 24.08.2017 23:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jimmy

      Nein, FAST kann ich leider nicht streichen, da auch die ganz reichen Menschen sich nicht die ganze Gesundheit erkaufen können...!!!! Vielleicht ein Organ - das war's dann aber...!!! Gruss

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  • Frau Silberstein am 24.08.2017 08:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist das heute normal?

    Ich mag Ehrlichkeit - vielleicht ist das langsam veraltet...

    • Student am 24.08.2017 09:52 Report Diesen Beitrag melden

      @Frau

      Wieso sollte ein Lektorat gegen Ehrlichkeit verstossen? Jede gute Arbeiten wird gegengelesen. Bei den Akademikern die publizieren ist unter anderem Peer-review ein integraler Bestandteil der Qualitätssicherung. Und das hat überhaupt nichts mit Ghostwriting oder Plagiat zu tun! Vielleicht sollte man halt den Text ein wenig aufmerksamer lesen und nicht immer alten Klischees freien Lauf geben (Manager = böse)....

    • Frau Silberstein am 24.08.2017 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Student

      Frau Silberstein war selbst über 20 Jahre böse Managerin ;-)

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