Gambia

25. Januar 2017 11:05; Akt: 26.01.2017 13:17 Print

Ex-Minister von Folter-Regime will Asyl in Bern

Er soll politische Morde und Folter befohlen haben – nun lebt der ehemalige Innenminister Ousman Sonko als Asylsuchender in Bern.

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Ousman Sonko gehörte zur Entourage des abgewählten Präsidenten Yayah Jammeh. (Bild: Freedom Newspaper)

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Ousman Sonko war Innenminister Gambias und galt als Schlüsselfigur des repressiven Regimes in Gambia. Nun lebt er als Asylsuchender in der Schweiz, berichtet die «Rundschau» von SRF.

Ousman Sonko sei seit letztem November im Kanton Bern in einem Asylzentrum untergebracht, bestätigt Hans-Jürg Käser, Polizeidirektor von Bern. Dort hat er einen Antrag auf Asyl gestellt. Über den Stand des Verfahrens könne er keine Auskunft geben. Eine Stellungnahme des Staatssekretariats für Migration steht noch aus.

Zuvor hatte der Ex-Minister bereits in Schweden ein Asylgesuch gestellt – dieses wurde jedoch abgelehnt.

Diplomatenpass präsentiert

Käser sagte der Nachrichtenagentur sda auf Anfrage, tatsächlich sei dem Kanton Bern am 14. November vom Bund ein Mann zugewiesen worden, der laut Befragungsprotokoll gambischer Innenminister gewesen sei, und dies in den Jahren 2006 bis 2016.

Dann sei er vom im Dezember abgewählten Präsidenten Yahya Jammeh des Amtes enthoben worden und geflüchtet. Der Mann habe einen Diplomatenpass präsentiert und befinde sich derzeit in einem bernischen Durchgangszentrum. Käser äusserte im Weiteren sein Erstaunen darüber, dass der Bund solche Personen «wie irgendjemand sonst» den Kantonen zuweise.

Das Staatssekretariat für Migration (SEM) bestätigt auf Anfrage von 20 Minuten, «dass ein Asylgesuch eines ehemaligen Mitglieds der Regierung von Gambia eingegangen ist». Man behandle das Asylgesuch «gemäss den gesetzlichen Vorgaben», weitere Angaben zum Asylverfahren könne man aus Datenschutzgründen nicht machen.

Willkürliche Verhaftungen und Hinrichtungen

Dem früheren Kommandanten der Elite-Truppe, Polizeichef und Innenminister wird vorgeworfen, willkürliche Verhaftungen, Folter und Hinrichtungen angeordnet zu haben.

Er sei einer der grössten Befürworter von Jammehs Exzessen gegen die Bevölkerung gewesen, sagt der Oppositionspolitiker Alhasana Jobarteh. «Sonko war Jammehs wichtigster Befehlshaber», sagt auch der gambische Menschenrechtsanwalt Yankuba Darboe gegenüber der «Rundschau». Er trage persönliche Verantwortung für Menschenrechtsverletzungen unter Jammeh.

Jammeh floh nach Äquatorialguinea

Jammeh war im Dezember abgewählt worden. Nach mehr als zwei Jahrzehnten an der Macht hat er das westafrikanische Land verlassen und den Weg für seinen Nachfolger Adama Barrow freigemacht. Jammeh lebt in Äquatorialguinea im Exil.

Die Ecowas, die Afrikanische Union (AU) und die UNO veröffentlichten eine Erklärung, in der sie Jammehs Gang ins Exil lobten. Sie kündigten an, keine rechtlichen Massnahmen gegen Jammeh zu ergreifen und forderten auch die neue gambische Regierung auf, Jammehs «Würde» und seine Rechte zu garantieren. Wenn er wolle, müsse Jammeh in sein Land zurückkehren können.

Die «Rundschau» berichtet heute Abend um 20.55 Uhr auf SRF 1 über den Fall.

(ij/jbu/sda)