«Fast keine Reserven mehr»

24. Mai 2018 05:42; Akt: 24.05.2018 08:03 Print

Wie gut ist die Schweiz auf Krieg vorbereitet?

Schweden bereitet seine Bevölkerung mit einer Broschüre auf den Ernstfall vor. Die Schweiz sei ähnlich bedroht wie das Land im hohen Norden, sagt ein Experte.

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Schweden informiert seine Bevölkerung mit einer Broschüre über das Verhalten im Kriegsfall. Aufgeben sei keine Option, heisst es dort unter anderem. Wie es zur Broschüre kam und wie die Schweiz vorbereitet ist, erklärt der Sicherheitsexperte Alexandre Vautravers.

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Muss sich die Schweiz auf Krieg vorbereiten?

Herr Vautravers, Schweden verschickt die Broschüre «If War Or Crisis Comes» an die Bevölkerung. Überrascht Sie das?
In den baltischen Staaten wurden bereits 2011 bis 2012 solche Broschüren abgegeben. In Mitteleuropa ist das aber etwas Neues.

Wieso kommt die Broschüre gerade jetzt?
2015 gab es eine Übung der russischen Luftwaffe mit strategischen Bombern. Zwei Tupolev sollten einen Angriff auf Stockholm simulieren. Die schwedische Luftwaffe hat diese Übung mit weit suchenden Radaren bemerkt. Das Oberkommando der schwedischen Armee wusste also davon, war aber nicht in der Lage, in diesem wichtigen Moment Abfangjäger zu starten. Die Armee bemerkte: Es sei nicht möglich, die Bevölkerung von Stockholm gegen einen solchen Angriff zu schützen. Das führte zu einer politischen Krise.

Wie äusserte sich diese?
Zuvor hatte die schwedische Regierung die Dienstpflicht abgeschafft und den Bestand stark reduziert. Am Schluss gab es nur noch drei Manöverbataillone. Die Armee wurde also auf internationale Friedensförderung orientiert. Territoriale Verteidigung war so nicht mehr möglich.

Was änderte sich nach dem Vorfall 2015?
Danach wurde die Wehrpflicht wieder eingeführt, die Broschüre gedruckt und es wurden grosse Übungen aller Truppengattungen durchgeführt. Die Anzahl Kampfverbände soll auf sieben dieses Jahr beziehungsweise zehn in 2020 erhöht werden. Vor einem Monat wurde eine Übung mit 33’000 Soldaten durchgeführt. 2020 soll eine Alarmübung mit der ganzen Armee stattfinden.

Was kann die Schweiz aus diesem Vorfall lernen?
Die Schweiz ist nicht so viel weiter weg von Russland wie Schweden. Alle haben ein Interesse an einem stabilen Europa. Die einzige Garantie dafür ist eine Balance der Stärke der russischen Streitkräfte und jener Europas. Die Streitkräfte in Nordeuropa sind durch die Friedenspolitik der 90er-Jahre immer kleiner geworden. Nun gilt es, diese Balance wieder zu erreichen. Davon sind wir noch weit weg. Schweden verfügt beispielsweise über Kampfjets, aber keine Langstrecken-Fliegerabwehr-Raketen.

Investiert die Schweiz genug in ihre Verteidigung?
In den letzten fünf bis acht Jahren haben viele europäische Staaten ihre Verteidigungsbudgets erhöht. Das merkt man besonders in Frankreich, Schweden, Norwegen, Polen oder Deutschland. Ein paar Jahre später folgt jetzt die Schweiz mit einer Steigerung auf niedriger Basis. Die vom Parlament beschlossenen zusätzlichen 1,4 Prozent des Verteidigungsbudgets sind gering, im Verhältnis zur Aufrüstung, die unsere Nachbarstaaten betreiben.

Die Armee ist das eine, der Schutz von Infrastrukturen das andere. Wie ist die Schweiz aufgestellt?
Der Schutz der kritischen Infrastruktur ist zentral. Hier ist die Schweiz sehr gut aufgestellt. Sie hat einen strategischen Plan und in der Vergangenheit den Fokus darauf gelegt. Auch Cyber-Angriffe werden vom Bundesrat ernst genommen: Eine Strategie und Mittel wurden geschaffen. Die wirtschaftliche Landesversorgung ist für ein kleines Land wie die Schweiz ohne Hafen ebenfalls ein grosses Thema. Hier sehe ich noch Handlungsbedarf. Bis 1990 hatte die Schweiz grosse strategische Reserven etwa von Nahrungsmitteln oder Treibstoffen. Diese bestehen heute fast nicht mehr.

Schweden setzt auch auf den Wehrwillen und die Information der Bevölkerung. Wie beurteilen Sie die Lage in der Schweiz?
Die Information ist vorhanden. Aber nicht alle Einwohner nehmen sich Zeit dafür. Wann haben Sie diese Themen zum letzten Mal in einer Zeitschrift oder am Fernsehen gesehen? Aber man muss auch sagen: Schon während des Kalten Krieges gab es viele, die nicht wussten, wo der nächste Schutzraum liegt. Diese Fragen muss man ernst nehmen. Hier sind die Kantone gefragt.

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Piit am 24.05.2018 06:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Informationen

    Hab mal versucht rauszufinden wo der nächste Schutzraum liegt. Ich finde zwar alle möglichen Informationen auf der Homepage der Gemeinde oder des Kantons aber eine Zuteilung gemäß Wohngebiet in ein Schutzraum fehlt komplett. Es gibt nicht einmal eine Rubrik zB Notfall wo Empfehlung oder weiterführende Informationen vorhanden sind. Dafür funktionieren hoffentlich nun alle Sirenen und wir können uns dann alle wie kopflose Hühner gegenseitig auf den Füsse stehen.

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  • skorpij am 24.05.2018 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Armee weiss was sie tut. Im Gegensatz zu...

    Sehr gut... Unsere BR würden uns sicher verscherbeln an den Feind. So wie sie die CH jetzt schon zum Ausverkauf anbietet. Oder eventuell müsste das unbequeme Volk gehen damit sie noch mehr Anpreisen können. Ironie Off..

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  • Onkel Thom am 24.05.2018 06:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die bösen Russen kommen

    Ja, bauen wir eine grosse Arme auf um Russland einzunehmen. Nein im Ernst, hört doch endlich auf mit den bösen Russen, klar läuft da nicht alles sauber, sie sind nicht besser weder die Amis aber auch nicht schlechter. Die grösste Bedrohung sehe ich von der Türkei, man sieht es doch, E unterwandert ganz Europa und alle schauen zu. Schulen, Moscheen und Abstimmungskämpfe im "Ausland" wenn da nicht ein strategisches Ziel dahintersteckt? Vielleicht wären wir dann da froh hätten wir die Russen auf unserer Seite und nicht auf der Seite der Türkei.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • raufbeschwörung am 24.05.2018 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    warum will man immer

    was man nicht hat? warum will man uns einen fiktiv eingebildeten krieg hier in unseren breiten aufschwatzen?

  • Ramses am 24.05.2018 20:04 Report Diesen Beitrag melden

    Feind ist schon da.

    Wobei zu bemerken ist das der Feind bereits im Land ist. Sage ich jetzt noch wer es ist wird dieser Komment. nicht öffentlich gemacht.

  • knusperhäuschen am 24.05.2018 19:55 Report Diesen Beitrag melden

    fragt das jetzt echt jedes mag

    europa bis weltweit? ich frage mich eher wie sicher ist die welt vor uns!

  • LM AA am 24.05.2018 19:54 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Sicht der Dinge

    Russland ist nicht Gegner, Russland ist Partner unserer globalisierten Wirtschaft. Es wird langsam Zeit, dass die ewiggestrige EU ihren Zäune abbaut.

  • Shorty am 24.05.2018 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    Spargeln an der Front!

    Was nützen der Schweiz schon Waffen? Gar nichts, denn niemand weiss damit umzugehen. Hier leben keine Männer mehr, da sie weggezüchtet wurden. Sie können Windeln wechseln, Gemüse rüsten und Pullover stricken. Im Ernstfall müssen sie erst die Mutter oder die Frau fragen, was sie nun tun sollen. Spindeldürr und weich gemacht würden sie kaum einen Feind erschrecken oder aufhalten. Sie können ja die gefüllten Windeln an der Grenze auslegen, vielleicht hält der Gestank den Feind vor einem Angriff ab. Vergesst eine Armee ohne die Krieger dazu zu besitzen.