Bewerbung per Knopfdruck

05. Juni 2018 17:22; Akt: 06.06.2018 10:20 Print

Facebook mischt jetzt bei Jobvermittlungen mit

Der Social-Media-Gigant schaltet neu Job-Anzeigen in der Schweiz. Kandidaten können sich mit ihrem Profil bewerben. Bald könnte auch Whatsapp für die Jobsuche optimiert werden.

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Microsoft ist eine der Schweizer Firmen, die bereits Stellen über Facebook ausgeschrieben hat. Bewerber können sich mit einem Klick auf die Stelle melden, der Lebenslauf wird direkt aus den bei Facebook hinterlegten Daten generiert und zusammen mit dem Bewerbungsschreiben an die Firma übermittelt, die dann auch das vollständige Profil des Bewerbers einsehen kann. Die gesamte Kommunikation erfolgt danach per Facebook-Messenger. Ein Facebook-Account ist also Bedingung. Mit seinem Angebot zielt Facebook vor allem auf kleinere Betriebe ab, die sich keine aufwendigen Rekrutierungsprogramme leisten können. Die Ausschreibungen werden im Newsfeed der potenziellen Kandidaten angezeigt, können also spezifisch nach Alter oder Qualifikation gestreut werden. Ein Blick auf die Schweizer-Seite zeigt: Erst eine Handvoll Handwerks- und Gastrobetriebe konnte Mark Zuckerberg bisher auf seine Plattform locken, als grösste Firma ist Microsoft vertreten. Facebook schreibt derzeit Firmen an, um sie davon zu überzeugen, das Bewerbungstool zu nutzen. Die Vorteile von Facebook Jobs sieht Buckmann in der Schnelligkeit des Dienstes: «Innert Minuten kann eine Firma ein Inserat schalten und es gezielt bei passenden Kandidaten ausspielen.» Begeistert ist er von der Funktion, dass die Firmen ihre Lohnvorstellungen im Inserat optional angeben können: «Da sich viele Firmen immer noch weigern, bei den Gehältern mit offenen Karten zu spielen, könnte diese Funktion zu einem Umdenken führen.» Problematisch könne für Firmen aber sein, dass Facebook darauf bestehe, den Bewerbungsprozess nur über ihre Plattform abzuwickeln. «Für Firmen, die einige Hundert Bewerbungen pro Jahr über verschiedene Kanäle erhalten, ist ein weiterer Kanal ineffizient.» Eine weitere Hürde für Facebook Jobs in der Schweiz ist laut Buckmann, dass Bewerber auf ihrem Profil ihre Arbeitserfahrung nachtragen müssen. Zudem tauge Facebook nicht für die Rekrutierung jeder Altersgruppe – gerade bei Teenagern und jungen Erwachsenen sei die Plattform nicht mehr gefragt. Zu einem ähnlichen Fazit gelangen auch die Experten von RecruitingHub. Für sie ist jedoch Facebook-Jobs erst der Anfang: «Mark Zuckerberg hat mit Whatsapp, der absoluten Lieblingsapp über alle Altersgruppen hinweg, ein Ass im Ärmel.»

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Die Social-Media-Plattform Facebook steigt in die Jobvermittlung ein: Seit letzter Woche können auch Schweizer Unternehmen ihre Stellen auf der Plattform ausschreiben und ihre Inserate bewerben. Bewerber können sich mit einem Klick auf die Stelle melden, der Lebenslauf wird direkt aus den bei Facebook hinterlegten Daten generiert und zusammen mit dem Bewerbungsschreiben an die Firma übermittelt, die dann auch das vollständige Profil des Bewerbers einsehen kann. Die gesamte Kommunikation erfolgt danach per Facebook-Messenger. Ein Facebook-Account ist also Bedingung.

Mit seinem Angebot zielt Facebook vor allem auf kleinere Betriebe ab, die sich keine aufwendigen Rekrutierungsprogramme leisten können. Die Ausschreibungen werden im Newsfeed der potenziellen Kandidaten angezeigt, können also spezifisch nach Alter oder Qualifikation gestreut werden. Ein Blick auf die Schweizer Seite zeigt: Die Zahl der angebotenen Jobs ist noch gering. Eine Handvoll Handwerks- oder Gastrobetriebe suchen Personal, als grösste Firma ist Microsoft vertreten. Facebook schreibt derzeit Firmen an, um sie davon zu überzeugen, das Bewerbungstool zu nutzen.

Auch bei Facebook und Google kostet das Inserat

HR-Experte Jörg Buckmann geht davon aus, dass der Eintritt von Facebook in den Jobvermittlungsmarkt die traditionellen Plattformen ins Schwitzen bringen wird. «Spätestens wenn Google for Jobs kommt, werden sich auch die Firmen fragen, ob sie weiterhin einige Hundert Franken für die Schaltung eines Inserats auf einer Jobplattform ausgeben sollen.» Dass klassische Anbieter wie Jobs.ch (siehe Interview), das wie 20 Minuten zu Tamedia gehört, bald verdrängt werden, glaubt Buckmann aber nicht. Denn die Annahme, bei Google oder Facebook sei das Inserat gratis, sei ein Trugschluss: «Auch dort muss man Geld investieren, um sein Inserat an die richtigen Kandidaten zu schalten.»

Die Vorteile von Facebook Jobs sieht Buckmann in der Schnelligkeit des Dienstes: «Innert Minuten kann eine Firma ein Inserat schalten und es gezielt bei passenden Kandidaten ausspielen.» Auch die Kommunikation direkt per Messenger sei interessant, um sehr rasch einen Eindruck der Kandidatin oder des Kandidaten zu erhalten. Begeistert ist er von der Funktion, dass die Firmen ihre Lohnvorstellungen im Inserat optional angeben können: «Da sich viele Firmen immer noch weigern, bei den Gehältern mit offenen Karten zu spielen, könnte diese Funktion zu einem Umdenken führen.»

Für junge Fachkräfte taugt Facebook kaum

Problematisch könne für Firmen aber sein, dass Facebook darauf bestehe, den Bewerbungsprozess nur über ihre Plattform abzuwickeln. «Für Firmen, die einige Hundert Bewerbungen pro Jahr über verschiedene Kanäle erhalten, ist ein weiterer Kanal ineffizient.»

Eine weitere Hürde für Facebook Jobs in der Schweiz ist laut Buckmann, dass Bewerber auf ihrem Profil ihre Arbeitserfahrung nachtragen müssen. Zudem tauge Facebook nicht für die Rekrutierung jeder Altersgruppe – gerade bei Teenagern und jungen Erwachsenen sei die Plattform nicht mehr gefragt.

«Zuckerberg hat noch ein Ass im Ärmel»

Zu einem ähnlichen Fazit gelangen auch die Experten von RecruitingHUB. Für sie ist jedoch Facebook Jobs erst der Anfang: «Mark Zuckerberg hat mit Whatsapp, der absoluten Lieblingsapp über alle Altersgruppen hinweg, ein Ass im Ärmel», schreiben sie in einem Blogpost. Dieser allgegenwärtige Kommunikationskanal könne künftig auch für die Jobsuche an Bedeutung gewinnen und die Stellensuche revolutionieren.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Al Lesklar am 05.06.2018 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    echt cool...

    [...dann auch das vollständige Profil des Bewerbers einsehen kann.] Dem Arbeitgeber schon vor dem Stellenantritt vollen Zugriff auf den Profilinhalt geben - wie hohl muss man sein? Selbst nach 12 Jahren im gleichen Betrieb hat niemand aus der GL Zugang zu meinem FB-Profil...

    einklappen einklappen
  • Simona am 05.06.2018 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Realitätsverlust

    Traurig, dass es immer noch Menschen gibt, die ihre Freizeit auf Asocial Media verbringen. Noch trauriger, wenn man bald gezwungen wird, Asocial Media zu benutzen, weil man sonst keine Arbeitsstelle mehr findet...

    einklappen einklappen
  • facebookloser am 05.06.2018 19:16 Report Diesen Beitrag melden

    Klever

    1 unbeachter Satz über den Chef, eine unbemerkt abfällige Geste, die letzten peinlichen Fotos der Sause. Und das alle sieht dann der eventuell künftige Arbeitgeber. Ja los, macht das! Dann haben die Facebook-losen bessere Chancen, da sich die feiergeilen selber disqualifizieren

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rico am 06.06.2018 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Nein!

    Facebook ist bei mir schon lange unterndurch, und wenn eine Firma in Zukunft nur noch per FB Bewerbungen möchte, dann passe ich sehr gerne...

  • Zucker am 06.06.2018 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    FB Account gelöscht

    Vor allem hat es viele Prostituierte, Zuhälter und Gangsters.

  • c.c. am 06.06.2018 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Datengier

    Das kommt nicht gut... Noch mehr persönliche private Daten für FB die schlussendlich zum Verkauf stehen...

  • Mirco am 06.06.2018 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheiliges Getue

    Als ob nur Facebook solche Sachen machen würde. Ach kommt. Dann hört auf mit Internet, Kreditkarten, Online-Einkäufen, Rabattkarten.....Jeder Nutzer weiss was er tun sollte oder eben nicht. Selber schuld

  • Bo30 am 06.06.2018 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das wird Lustig!

    Ich hoffe jedoch dass gewisse Menschen es ernst nehmen mit der Rechtschreibung. Und da meine ich nicht kleine Fehler.. sondern krasse grobe Fehler die man als solches auf FB hinterlässt. Manchmal kann man es nicht mal mehr Lesen was gemeint war XD