Familie mit einbeziehen

20. Mai 2018 21:38; Akt: 20.05.2018 21:38 Print

Studie widerspricht Kesb-Gegnern

Eine Studie der Hochschule Luzern zeigt: Das Vorurteil, die Kesb entscheide über die Köpfe der Angehörigen hinweg, wenn ein Kind fremdplatziert wird, stimmt nicht.

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Wird ein Kind fremdplatziert, werden laut einer Studie praktisch immer die Angehörigen miteinbezogen in den Entscheid. (Bild: Fatcamera)

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Muss ein Kind fremdplatziert werden, da es etwa vernachlässigt oder missbraucht wird, entscheidet die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb). Der Schutzbehörde wird oftmals vorgeworfen, den Entscheid ohne Einbezug der Angehörigen zu machen.

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Soll die Kesb die Angehörigen stärker in die Entscheidungsprozesse miteinbeziehen?

Eine neue Studie der Hochschule Luzern will nun das Gegenteil bewiesen haben, wie die «Sonntagszeitung» berichtet. Die Wissenschafter befragten fast 200 Kesb-Mitarbeitende zu fiktiven Fällen. 90 Prozent der Befragten sagten aus, sie würden bei einer Fremdplatzierung eines Kindes Verwandte oder nahestehende Personen miteinbeziehen. «Die Kesb gewichtet das Abstammungsverhältnis bei Kindesplatzierungen hoch», schreiben die Autoren der Studie.

Kesb-Initiative wurde letzte Woche lanciert

Vergangene Woche lancierten die Kesb-Gegner die Unterschriftensammlung zur Kesb-Initiative. Darin geht es unter anderem darum, einzuführen, dass grundsätzlich die Angehörigen zuständig sind, wenn es um die Fremdplatzierung eines Kindes oder einer älteren Person geht.

SVP-Nationalrat Primin Schwander gehört zu den Initianten. Die Studie der Hochschule Luzern kritisiert er in der «Sonntagszeitung»: Die Schlussfolgerung sei «schlicht falsch». «In der Praxis erleben wir immer wieder Fälle, die vom Schreibtisch aus entschieden werden, ohne dass das Umfeld auch nur ansatzweise einbezogen wird.»

Will Bundesrat die Kesb-Gegner besänftigen?

Auch der Bundesrat sieht aufgrund der Studie Handlungsbedarf. Es werde nun geprüft, ob das Gesetz angepasst werden muss. Die Studienautoren halten diese Äusserungen lediglich für eine Besänftigung der Kesb-Gegner und für einen politischen Schachzug.

Den Einbezug der Angehörigen zum Zwang zu machen, könne nicht das Ziel sein. Würden Verwandte miteinbezogen, entstünden auch Gefahren: So könne es sein, dass die schlechte Situation des Kindes bei den Angehörigen gleich weitergehe.

(sil)