Flixbus-Eurobus-Kooperation

06. Juni 2018 05:45; Akt: 06.06.2018 08:23 Print

«Fernbusse gefährden den ÖV in der Schweiz»

von Stefan Ehrbar - Für 23 Franken fahren Fernbusse ab Sonntag von Zürich nach Bern. Gewerkschaften warnen vor einer Schwächung des ÖV.

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«Grüezi Schwiiz!», schreibt Flixbus am Dienstag an seine Kunden. Ab Sonntag mischt der Fernbus-Riese in der Schweiz mit. Dann startet das erste inländische Fernbus-Netz mit drei Linien (siehe Box). Betrieben werden diese von Eurobus. Das Aargauer Unternehmen stellt die Busse und Fahrer, ist Inhaber der nötigen Konzessionen des Bundesamts für Verkehr (BAV) und bestimmt die Linien, Fahrpläne und Preise. Für den Vertrieb der Billette ist Eurobus aber eine Kooperation mit Flixbus eingegangen. Die Linien werden ins Flixbus-Netz integriert, auf den rot-weissen Bussen von Eurobus wird auch das Flixbus-Logo prangen.

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Am Unternehmen Eurobus ist Flixbus nicht beteiligt. Kritiker fürchten aber, dass Flixbus Appetit auf mehr hat. Giorgio Tuti, Präsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) sagt, Flixbus habe «angedockt»: «Es ist klar, dass Flixbus am Schweizer Markt Interesse hat», sagt er. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass es bei dieser Zusammenarbeit bleibt.» Die Kooperation zeige «unmissverständlich», dass danach ein weiterer Ausbau des inländischen Fernbusnetzes das Ziel sei.

GAV ist für Eurobus kein Thema

Problematisch sei das wegen der Arbeitsbedingungen. Der SEV habe mit Flixbus-Fahrern auf der Linie Konstanz–Lyon gesprochen. Dabei habe sich gezeigt, dass sie in Deutschland durchschnittlich 1900 Euro verdienten. Gewinnmaximierung sei Teil des Flixbus-Geschäftsmodells. «Wir wollen für Schweizer Fernbus-Fahrer einen GAV, der die Angestellten schützt und für Sicherheit sorgt.» Ein solcher müsse sich an Schweizer Bedingungen orientieren.

Davon will Eurobus nichts wissen. «Ein Rahmen-GAV ist für uns momentan kein Thema», sagt Roger Müri, Leiter Fernbus. Die Fahrer würden zu branchenüblichen Schweizer Löhnen angestellt und würden wie alle anderen Beschäftigten im ÖV dem Arbeitsgesetz unterstehen.

«Fernbusse machen keinen Sinn»

Möglich wurde das inländische Fernbus-Netz, weil das BAV die nötigen Konzessionen an den Anbieter Domo Reisen erteilte. Dieser wurde im April mitsamt der Konzessionen von Eurobus übernommen. Der SEV kritisiert den BAV-Entscheid: «Verkehrspolitisch macht das keinen Sinn», sagt SEV-Präsident Tuti. «Wir haben eines der besten ÖV-Systeme der Welt, das nun längerfristig durch den Wettbewerb gefährdet wird.» In den Schweizer ÖV sei in der Vergangenheit viel Geld gesteckt worden. Diese Investitionen müssten geschützt werden. Bei den ursprünglich geschätzten 800 Fernbus-Passagieren pro Tag werde es nämlich nicht bleiben. Passagiere, die zuvor möglicherweise ein Zugbillett gekauft hätten, könnten nun auf den Bus umsteigen.

Der SEV sei froh, dass der Ständerat im Personenbeförderungsgesetz Korrekturen angebracht habe. Nach dem Willen des Rates sollen Fernbusse hierzulande keine bestehenden Angebote wesentlich konkurrenzieren dürfen. «Wir hoffen, dass der Markteintritt von Flixbus dem Nationalrat die Augen öffnet und er sich dem Ständerat anschliesst», sagt Tuti.

Kein eigenes Gesuch von Flixbus

Ob die Kooperation mit Eurobus der Anfang einer grossen Flixbus-Offensive ist, bleibt unklar. Der «Handelszeitung» sagt der zuständige Geschäftsführer Fabian Stenger, der Schweizer Markt habe viele Besonderheiten. Dazu gehört, dass die Busse ins Tarifsystem eingebunden werden müssen und Anbieter GA und Halbtax akzeptieren müssen. Innerhalb der Schweiz dürfen zudem wegen des sogenannten Kabotageverbots nur Schweizer Firmen Passagiere transportieren.

Die Zusammenarbeit mit Eurobus sei ideal, ein eigenes Konzessionsgesuch werde Flixbus nicht stellen, so Stenger. Gegenüber 20 Minuten sagt Flixbus-Sprecher Martin Mangiapia, man konzentriere sich zunächst auf die Kooperation und den Ausbau des grenzüberschreitenden Angebots. «Wir sind aber jederzeit offen für neue Möglichkeiten.»

Unter Druck gerät mit der Fernbus-Offensive die SBB. Im Gegensatz zu den Fernbussen ist es bei der Bahn noch immer nicht möglich, in der App internationale Tickets zu kaufen. Auf eine entsprechende Frage sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig, internationale Tickets für Deutschland, Österreich, nach Paris, Mailand und Venedig könnten am Computer gekauft und ausgedruckt werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Crosby #87 am 06.06.2018 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt nicht.....

    Fernbusse gefährden höchstens die Einnahmen der SBB und somit den äussert feudalen Lohn der Chefetage!!!

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  • Alte sack am 06.06.2018 05:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht jammern

    selber schuld, macht das öv billiger

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  • skorpij am 06.06.2018 06:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konkurrenz tut der sbb gut

    tja liebe sbb. ... Jetzt müsst ihr halt mal Qualität bringen. Jeder andere Beruf hat Konkurrenz. Das tut euch sehr gut. Mal überlegen wenn ihr das nächste mal 100% aufschlägt. 10% teurer die Tickets und 90% mit der Leistung zurück.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Phil R. am 07.06.2018 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ich finds denk gut

    Umsteigen werden nur diejenigen die nur sporadisch mit der SBB unterwegs sind. Weniger Seniorengruppen im Zug die eh weniger zahlen und weniger überforderte alleinerziehende mit Schreikindern. Mehr Platz für Pendler die den Löwenanteil der Einnahmen ausmachen.

  • Walter H Beutler am 07.06.2018 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Konkurrenz

    Nun gut, Konkurrenz belebt ja das Geschäft und schadet nicht. Schaut euch doch bitte mal die Möglichkeit der Online Tickets bei der Bahn an, so fahren wir nächsten Montag für 19 Franken ab Wohnort über 200 Kilometer nach Genève und zurück......

  • selbstfahrer am 07.06.2018 14:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pünktlich

    gut können die die Staus vor Zürich kalkulieren..ich kann es nicht.

  • Heidy Zimmermann am 07.06.2018 08:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Qualität hat seinen Preis

    Wenn die Busse auch Trasségebühren zahlen müssten wie der Schienenverkehr könntene sie nicht so billig produzieren. Unser Schienennetz ist das dichteste der ganzen Welt. Das hat seinen Preis. Für Fahrplansicherheit bezahle ich gerne etwas mehr. Ich möchte nicht doppelt so lange unterwegs sein und dafür die Hälfte des Preises sparen. Das wäre es mir einfach nicht wert.

    • Pundit am 07.06.2018 13:48 Report Diesen Beitrag melden

      Frei Wahl: Ja!

      Das ist Ihr gutes Recht. Dann wollen Sie aber sicher auch anderen Mitbürgern die freie Wahl des ÖV-Verkehrsmittels nicht vorenthalten. Der Strassenverkehr (dazu gehören auch Busse) zahlen die Strassen mittels der diversen Benzinsteuern selbst - und subventionierem sogar noch den Schienenverkehr mit.

    • CHTraveller am 07.06.2018 16:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heidy Zimmermann

      Flixbus wird über Benzinzölle und Strassenverkehrssteuer etc. sogar die SBB subventionieren (ohne selbst Staatsunterstützung zu geniessen). Ich gehe davon aus, dass Sie das nicht weiter stört...

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  • Guschti am 07.06.2018 07:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und wer

    Vergibt die Konzession? Und wer will,ums verr... immer EU Recht anwenden? Die Gleichen, die EU Recht vergessen wenn es uns etwas bringt. Verlogener Bundesrat mitsamt der Bundesverwaltung und verlogenes Parlament. Es stinkt gewaltig was sich diese pasr Leute erlauben.