Mangel an Interessenten

05. Mai 2016 08:33; Akt: 05.05.2016 08:33 Print

Flüchtlings-Stellen bei Bauern bleiben unbesetzt

Trotz eines entsprechenden Pilotprojekts arbeiten noch kaum Flüchtlinge auf Bauernbetrieben. Was läuft schief?

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«Flüchtlinge als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft: Im Idealfall eine Win-Win-Situation für alle»: So pries das Staatssekretariat für Migration das Pilotprojekt des Schweizer Bauernverbands vor Jahresfrist an. Die öffentliche Hand werde entlastet, Flüchtlinge erhielten die Möglichkeit, am Arbeitsmarkt teilzuhaben und die Landwirtschaft könne Arbeitskräfte aus der Umgebung rekrutieren.

Inzwischen ist die Euphorie jedoch Ernüchterung gewichen. Zahlreiche Bauern wären zwar bereit, Flüchtlinge anzustellen – die Bewerbungen bleiben laut einem Bericht von «10vor10» jedoch aus. Beat Bösiger, ein betroffener Gemüseproduzent, zeigt sich im Beitrag «erstaunt» darüber, dass offenbar niemand motiviert sei, einen entsprechenden Arbeitseinsatz zu leisten.

Landwirtschaft als Frauenarbeit

Auch Bauernpräsident Markus Ritter räumt ein, es sei «nicht einfach», Leute zu finden und diese auf dem Hof zu halten. Von den 17 verfügbaren Stellen wurden bislang erst sechs besetzt. Ritter erklärt sich das mangelnde Interesse damit, dass sich die Flüchtlinge aus gewissen Herkunftsländern die Arbeit in der Landwirtschaft nicht gewöhnt seien oder diese als Frauenarbeit betrachteten. «Es ist natürlich schwierig, wenn man einen Start in einem neuen Land hat und dann nicht bereit ist, auch einmal in einem solchen Bereich tätig zu sein.»

Beim Staatssekretariat für Migration heisst es, die Bereitschaft der Flüchtlinge, in der Landwirtschaft zu arbeiten, sei grundsätzlich vorhanden. Die Teilnahme scheitere jedoch häufig an den Rahmenbedingungen, weil ein Flüchtling etwa zu weit entfernt vom Bauernbetrieb wohne.

«Fehlanreize beseitigen»

Stefan Frey von der Flüchtlingshilfe bedauert es, dass die Zwischenbilanz so durchzogen ausfällt. Nun sei es wichtig, ohne Tabus über allfällige Probleme zu sprechen. «Beispielsweise hören wir hin und wieder von Flüchtlingen, die befürchten, dass sie auf dem Arbeitsmarkt weniger Geld erhalten als vom Sozialamt.» Sollte dies der Fall sein, müssten die Fehlanreize zwingend beseitigt werden, fordert Frey.

Den betroffenen Personen müsse zudem vermittelt werden, welche Werte auf dem Schweizer Arbeitsmarkt wichtig sind.«Ich habe selber 30 Jahre lang in Afrika gearbeitet. Die Arbeitsmentalität dort ist ganz klar eine andere.» Er empfiehlt, den Flüchtlingen eine gewisse Angewöhnungszeit zu gewähren, wenn es etwa ums Thema Pünktlichkeit geht. «Es muss aber auch klar gemacht werden, dass Sanktionen drohen, wenn es nach einer bestimmten Zeit nicht klappt.» Bei guten Trainingsbedingungen on the job stehe einer erfolgreichen Arbeitsintegration von Flüchtlingen langfristig nichts im Weg, glaubt Frey. «Dafür braucht es beidseits eine gewisse Geduld.»

In der Schweiz leben derzeit rund 36'000 Flüchtlinge im erwerbsfähigen Alter. Nur ein Viertel von ihnen arbeitet. Teilnehmer des Landwirtschaftsprojekts erhalten im ersten Monat 2300 Franken, danach 3200 Franken Lohn.

(jbu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marcel-V am 05.05.2016 06:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    auf der flucht und nicht auf arbeitssuche

    warum soll ich arbeiten, wenn ich für's nichts tun mehr verdiene?

    einklappen einklappen
  • Freewather am 05.05.2016 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeit

    Naja nicht alle Flüchtlinge wollen arbeiten, wiso auch wenn man hier Geld Gratis bekommt.... Ich finde das unter aller Kanone, aber daran siet man es einmal mehr

  • Solli99 am 05.05.2016 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anstand

    Ich finde das hat sich etwas mit Anstand zu tun, wenn man von einem Staat etwas bekommt soll man auch etwas zurückgeben und auch mal Arbeiten machen die man sonst nicht tun würde

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ms.Peace am 05.05.2016 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehl-integration

    zu hören das sie lieber nichts tun als zuarbeiten, lässt einem die Haare im Nacken zu berge stehen. Kürzt die Gelder, es ist grenzwertig, das diese plus minus gleich viel Geld bekommen, als meine Grosseltern, die ein Leben lang geschuftet haben.

  • Baselboy12 am 05.05.2016 13:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Initiative

    Klingt fast schon nach einer neuen initiative. Wer würde mitmachen. Jeder asylbewerber der nicht arbeiten will dem wird das geld gekürzt

  • Mr. Spock am 05.05.2016 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nachvollziehbar

    36'000 Flüchtlinge im Erwerbsfähigen Alter. Nur 1/4 davon Arbeitet. Angebotene Arbeit wie hier zum Beispiel wird abgelehnt, mit, meiner Meinung nach zum Teil fragwürdiger Begründung. Jeder Schweizer müsste die Konsequenzen tragen warum Asylanten nicht?

  • Geo am 05.05.2016 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu nett

    Ich verstehe nicht. Warum dürfen die überhaupt wählen ob sie wollen oder nicht? Du willst Geld? Mach das! Sonst kein Geld und Tschüss. Andere Arbeitslosen hätten Freud daran...

  • SaKo am 05.05.2016 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Ist doch logisch. Wenn ich einen Lohn (Taschengeld), ein GA (oder Passepartout) und eine Gratiskrankenkasse bekommen würde, ginge ich auch nicht zu einem Bauer Gemüse pflücken!