Beschluss des Nationalrats

28. September 2016 09:09; Akt: 28.09.2016 11:51 Print

Frauen müssen bis 65 arbeiten

Der Nationalrat spricht sich deutlich für eine Anhebung des Rentenalters für Frauen aus. Dies bringt der AHV im Jahr 2030 rund 1,3 Milliarden Franken ein.

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Höheres Rentenalter für Frauen: Eine Pflegerin stösst eine betagte Person durch die Akutgeriatrie. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

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Der Nationalrat hat am Mittwochmorgen die ersten Entscheide zur Reform der Altersvorsorge gefällt. Gegen den Widerstand der Linken beschloss er, das Rentenalter für Frauen auf 65 Jahre zu erhöhen.

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Er folgte damit dem Ständerat. Das höhere Frauenrentenalter bringt der AHV im Jahr 2030 rund 1,3 Milliarden Franken ein. Kommissionssprecher Thomas Weibel (GLP/ZH) sprach von einer längst fälligen Anpassung. Er zeigte sich auch überzeugt, dass das höhere Rentenalter für Frauen auch in einer Volksabstimmung Bestand haben werde.

Linke geschlossen dagegen

Daran zweifelt die Linke. Zunächst habe der Schritt nichts mit Gleichberechtigung zu tun, sagte Yvonne Feri (SP/AG). Sie erinnerte daran, dass viele Frauen ihr Leben lang doppelt arbeiteten, nämlich zu Hause und im Erwerbsleben. Zudem drückten die ungleichen Löhne auf die Renten.

Auch die Grünen lehnten die Erhöhung des Frauenrentenalters ab. Ihre Sprecherin Christine Häsler (BE) schloss eine Diskussion darüber nicht kategorisch aus. Doch zuerst müssten die Ungleichheiten beim Lohn ausgeglichen werden, sagte sie.

Eine andere Baustelle

CVP-Sprecherin Barbara Schmid-Federer (ZH) zeigte Verständnis für diese Vorbehalte. Zudem trügen die Frauen immer noch die Hauptlast der Betreuungsarbeit, der Hausarbeit und der Freiwilligenarbeit. Diese Fragen dürften aber nicht mit der Altersvorsorge verknüpft werden, sagte sie.

Sebastian Frehner (SVP/BS) war ganz anderer Meinung. Die Frauen zahlten nur einen Drittel der Beiträge der AHV ein, bekämen aber mehr als die Hälfte ausbezahlt. Wenn man wirklich Gerechtigkeit schaffen wolle, müsste man das Frauenrentenalter viel höher ansetzen, sagte Frehner.

Der Bundesrat habe sich mit der Frage befasst, ein höheres Rentenalter aber verworfen, sagte Sozialminister Alain Berset. «Der Arbeitsmarkt könnte die zusätzlichen Arbeitskräfte gar nicht aufnehmen.» Auch warnte er aber davor, die Frage des Rentenalters mit dem Problem der Lohngleichheit zu vermischen.

Referenzalter statt Rentenalter

Die Übergangsfrist zur Erhöhung des Frauenrentenalters beträgt gemäss den Beschlüssen beider Räte drei Jahre. 65 gilt jedoch nicht mehr als Rentenalter, weil der Altersrücktritt künftig früher oder später und sogar schrittweise erfolgen kann. Stattdessen ist vom so genannten Referenzalter die Rede.

Die Rente kann in der Regel ab 62 Jahren bezogen werden. Nach dem Willen des Nationalrats sollen Frührentner weiterhin AHV-Beiträge zahlen, dafür aber keine Einbussen in Kauf nehmen müssen. Auch der schrittweise Rückzug aus dem Arbeitsleben ist möglich.

In der beruflichen Vorsorge ist auch ein früherer Altersrücktritt möglich. Den erleichterten Altersrückzug für Personen mit tiefen und mittleren Einkommen, den der Bundesrat vorgeschlagen hatte, lehnte der Nationalrat ab.

Freibetrag für Einkommen im Rentenalter wird aufgehoben

Spätestens mit 70 Jahren sollen alle Arbeitnehmenden in Rente gehen. Eine Minderheit, die die Obergrenze ganz aufheben wollte, setzte sich nicht durch. Beiträge, die nach dem Referenzalter geleistet werden, wirken sich auf die Rente aus. Der heute geltende Freibetrag für Einkommen im Rentenalter wird aufgehoben. Dies soll es Arbeitnehmenden erlauben, allfällige Lücken in der Altersvorsorge zu füllen.

Als Nächstes stehen die Kürzung der Witwenrenten und anschliessend die finanzielle Stabilisierung der AHV zur Diskussion. Die Nationalratskommission will die Mehrwertsteuer weniger stark erhöhen als der Ständerat. Sie schlägt aber eine automatische Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre vor, falls der AHV-Fonds unter ein bestimmtes Niveau sinkt.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zauberfuchs am 28.09.2016 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jobgarantie?

    Gibts auch Garantie, dass wir bis 65 arbeiten KÖNNEN?

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  • m.Kr am 28.09.2016 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Finde ich auch gerecht!

    Wäre auch für ein Gleichberechtigtes Rentenalter, aber auch für gleiche Löhne!

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  • Pia Maria am 28.09.2016 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung

    Wenn Erhöhung des Rentenalters, dann aber bitte auch Gleichberechtigung im Lohn!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Wähle nur noch links am 23.10.2016 20:42 Report Diesen Beitrag melden

    Danke für Nichts

    SVP und Economiesuisse: Mit voller Kraft gegen das Volk

  • Laura am 03.10.2016 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht!!!

    Ich arbeite nun seit ich 18 bin. Muss zwar noch ein paar Jahr arbeiten, aber ich denke, nach 43 Jährige Einzahlungen an die AHV Kasse, reicht völlig. Gleichberechtigung? für manche Leute werden wir Frau sie sowieso nie haben. Für diejenige werden wir Frauen immer minderwertig sein. Aber ist mir völlig egal, ich weiss was ich wert bin. Ich bin für 64, Mann und Frau!

    • PM am 03.10.2016 17:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Laura

      In der modernen Schweiz werden die Männer und nicht die Frauen diskriminiert. Einige Beispiele gefälligst: AHV 64/65; Die Witwenrente ist viel besser als die Witwerrente; In der Schweiz haben wir ein frauenfreundliches Scheidungsgesetz; Die Frauen müssen kein Militär, keinen Zivilschutz und keinen Militärplichtersatz leisten; Warum zahlen die Frauen die gleichen Krankenkassenprämien wie die Männer? Die Frauen kosten im Schnitt pro Jahr 1000 Franken mehr als die Männer; Warum muss eine Mutter beim Vaterschaftstest die Einwilligung geben? Es gibt genug Kuckuckskinder in der Schweiz.

    • PM am 09.10.2016 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Laura

      Nur weil die Frauen bald bis 65 arbeiten müssen bist du für ein AHV-Alter 64!!! Die Männer arbeiten schon immer bis 65. Dank den lieben Männern konnten die Frauen früher schon mit 62, 63 und jetzt noch mit 64 in Pension gehen. Allerdings kostet dieses Geschenk an die Frauen xxx Milliarden Franken.

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  • PM am 02.10.2016 11:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der feine Unterschied

    Einer der wichtigsten Punkte ist folgender: Der Bund erhebt die effektive Berufserfahrung der Frauen nicht, sondern eben nur die sogenannte "potenzielle Berufserfahrung" das heisst folgendes: Alter minus 15 Jahre. Dieser feine Unterschied hat aber einen entscheidenden Anteil an der Lohnungleichheit zwischen Mann und Frau.

  • PM am 02.10.2016 11:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wichtige Faktoren werden vom Bund ausgeblendet

    Folgende Faktoren erklären den Lohnunterschied zwischen Mann und Frau die aber vom Bund ausgeblendet werden: Berufserfahrung, Weiterbildungen, Erwerbsunterbrüche, Anzahl Jobwechsel, Schichtarbeit, Abend- oder Nachtarbeit, Physische und psychische Belastung.

  • PM am 02.10.2016 09:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Lohndiskriminierung

    Liebe Frauen kommt nicht immer mit dem Argument, dass die Frauen weniger verdienen als die Männer. Wenn man Gleiches mit Gleichem vergleicht, dann sind die Differenzen sehr klein. Das hat mit einer Lohndiskriminierung der Frauen gar nichts zu tun. Es gibt auch Lohnunterschiede zwischen Mann und Mann, Frau und Frau und nicht nur zwischen Mann und Frau. Das Schweizerische Gleichstellungsbüro hat die Grenze bei 5% festgelegt. Nur die nicht korrekten Lohnerhebungen des BFS liegen über der 5% Grenze.