Lohnunterschied wird grösser

28. April 2014 17:59; Akt: 28.04.2014 21:05 Print

Frauen verdienen 18,9 Prozent weniger

Der Unterschied zwischen Männer- und Frauenlöhnen wird wieder grösser. Arbeitgeberdirektor Roland Müller sieht den Grund bei der «inneren Einstellung» der Frauen.

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Gewerkschaftsaktivistinnen und -aktivisten demonstrierten am 8. März 2013 für Lohngleichheit zwischen Mann und Frau. Anlass war der Internationale Frauentag. (Bild: Keystone)

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Seit 1996 verbietet das Gesetz unterschiedliche Löhne aufgrund des Geschlechts. So weit die Theorie. In der Praxis liegen die Löhne von Frauen und Männern 18,9 Prozent auseinander – Tendenz steigend. Arbeitgeberdirektor Roland Müller sieht eine der Ursachen darin, dass Frauen weniger bereit seien, über die reguläre Arbeitszeit hinaus zu arbeiten.

Bei der Lohnstrukturerhebung 2010 lag der Unterschied noch bei 18,4 Prozent. Dieses Gefälle ist teilweise damit zu erklären, dass berufstätige Frauen eher jünger sind, weil sich viele aus familiären Gründen ganz oder teilweise aus dem Berufsleben zurückziehen. Unter anderem aus diesem Grund sind Frauen auch in Kaderpositionen untervertreten. Auch das Ausbildungsniveau spielt eine Rolle.

Ein beträchtlicher Teil des Lohnunterschieds geht aber schlicht auf Diskriminierung zurück: Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) schätzt die Lohndifferenz aufgrund des Geschlechts auf 9 Prozent. Das sind 677 Franken, die Frauen im Durchschnitt pro Monat weniger verdienen.

Lampart: «Illegale Situation»

Während SGB-Chefökonom Daniel Lampart am Montag vor den Bundeshausmedien von einer «illegalen Situation» sprach, machte Arbeitgeberdirektor Roland Müller die «innere Einstellung» der Frauen zur Berufsausübung für die Lohndifferenz verantwortlich.

Für gewisse Stellen müsse man bereit sein, höhere Anstrengungen auf sich zu nehmen, sagte Müller. Abklärungen hätten ergeben, dass sich eher Männer bereit erklärten, Arbeitszeiten weit über die regulären acht Stunden hinaus zu leisten, während Frauen vermehrt reguläre Arbeitszeiten und geordnete Arbeitsverhältnisse verlangten.

Das sei ein wesentlicher Faktor für die Lohnunterschiede, sagte Müller. «Somit sind es strukturelle Probleme, welche die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau verhindern.»

Die am Montag veröffentlichten Zahlen des Bundesamts für Statistik widersprechen jedoch der Aussage des Arbeitgeberdirektors. Gemäss der Lohnstrukturerhebung 2012 sind die Differenzen umso grösser, je mehr Verantwortung Frauen übernehmen.

Lohngleichheit durchsetzen

Beispielsweise 40- bis 49-jährige Arbeitnehmerinnen mit hohem Verantwortungsniveau verdienen gemäss BFS gut 25 Prozent weniger als Männer mit demselben Profil. Bei Arbeitsstellen mit niedrigen Anforderungen seien die Lohnunterschiede zu Ungunsten der Frauen immer noch zu finden, aber weniger ausgeprägt, schreibt das Bundesamt in einer Mitteilung.

Das Thema wird demnächst wieder auf die politische Agenda kommen. Letzten November hatte Justizministerin Simonetta Sommaruga den 2009 lancierten Lohngleichheitsdialog für gescheitert erklärt. Statt der angestrebten 100 Unternehmen und Institutionen hatten sich nur deren 40 bereit erklärt, ihr Lohnsystem auf Geschlechterdiskriminierung durchleuchten zu lassen.

Sommaruga kündigte darauf konkrete Massnahmen an, um die in Gesetz und Verfassung garantierte Lohngleichheit durchzusetzen. Derzeit werden von der Verwaltung die Grundlagen dafür erarbeitet. Gestützt darauf will Sommaruga dem Bundesrat Vorschläge für das weitere Vorgehen unterbreiten. Ein Entscheid soll noch im Laufe dieses Jahres fallen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Werner Müller am 28.04.2014 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    komisch

    kann mir jemand erklären warum dies so ist? wenn jemand die gleiche arbeit zu 18% günstigerem lohn verrichtet würde ein chef doch nur noch die günstigeren anstellen?

    einklappen einklappen
  • homo oeconomicus am 28.04.2014 21:15 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitsmarkt

    Solange kein Unternehmen nur Frauen einstellt, weil diese bei gleicher Leistung viel günstiger sind, gehe ich davon aus, dass die Situation so unfair nicht sein kann...

    einklappen einklappen
  • Jürg Wehrli am 28.04.2014 20:58 Report Diesen Beitrag melden

    Statistik

    "...verdienen gemäss BFS gut 25 Prozent weniger als Männer mit demselben Profil" - was heisst wohl "demselben Profil"? Haben wir hier vielleicht ein Statistikproblem? Wird wirklich Gleiches mit Gleichem verglichen? Offenlegung der Kriterien?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Yamato am 28.04.2014 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sooooo...wo bleiben die Feministinnen?

    Sorry aber es recht wirklich langsam männer und frauen sind längst gleichberechtigt. Abegsehen von kleineren sachen wo mann/frau einen vorteil hat was sich aber wieder ausgleicht...

  • Real Man am 28.04.2014 22:44 Report Diesen Beitrag melden

    Worcaholic

    Ich habe als ein Projekt in einer kritischen Phase war, innerhalb von 6 Monaten 400 Überstunden gemacht. Ich glaube nicht dass eine Frau das auch machen würde. Und ich werde nie schwanger und habe dank Testosteron eine gute Gesundheit und Biss.

  • Statler Waldo am 28.04.2014 22:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer die alte Leier

    Solche Zahlen sind unglaubwürdig, weil nicht erhärtet. In Florida sterben auch viel mehr alte Menschen als anderswo. Weil es da so viele davon gibt, die dort ihren Lebensabend verbringen. Ist Florida deswegen ein gefährliched Pflaster?

  • chef am 28.04.2014 22:34 Report Diesen Beitrag melden

    Markt?

    Wenn Frauen wirklich weniger verdienen, ,warum werden dann überhaupt noch Männer angestellt? Würde man alle Männer durch Frauen ersetzen wären die Lohnkosten deutlich tiefer. Irgendwas an der Statistik scheint da wohl nicht zu stimmen

  • Malermeister am 28.04.2014 22:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum ich Männer bevorzuge

    Anders als Frauen fehlen Männer nicht weil sie schwanger werden völlig unerwartet für 7 Monate. Wehrdienst ist a) berrechenbar und b) notfalls verschiebbar und c) gibt es Männer, die nie dienen müssen. Darum ist mir dann auch ein männlicher Arbeiter 100-200 Fr. mehr wert. Ich traue jeder Frau zu gleich hart zu arbeiten und ich will niemanden zu nahe treten, aber für mich ist das ein fairer Deal.