Mehr Ferien

04. Oktober 2017 05:48; Akt: 04.10.2017 08:09 Print

Freidenker wollen die Feiertage abschaffen

von Silvana Schreier - Freidenker stellen die religiösen Feiertage in Frage. Stattdessen fordern sie mehr Ferientage. Das beunruhigt die Kirche.

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Warum man aber dann am Karfreitag zu Hause auf dem Sofa statt im Büro sitzt, wissen längst nicht mehr alle. Die Freidenker rütteln darum an den Feiertagen – und sprechen sich für mehr Ferien aus. Ostern, das ist doch der Feiertag, an dem man die riesigen Schoggi-Hasen zuerst suchen muss und dann verputzen darf. Oder man verbringt die vier freien Tage damit, gekochte Eier schön bunt zu bemalen. Dass am Karfreitag Jesus Christus gekreuzigt wurde und drei Tage später wieder auferstanden ist, wissen viele nicht mehr. Sollen darum die religiösen Feiertage nun abgeschafft werden? Elisabeth Schneider-Schneiter, CVP-Nationalrätin: «Es wäre sehr schade, wenn die religiösen Feiertage abgeschafft würden. Damit würde ein Teil unserer Traditionen und unserer christlichen Werte verloren gehen.» Die verlängerten Wochenenden an Auffahrt und Pfingsten locken viele Schweizer in den Süden. Der religiöse Inhalt dieser Feiertage ist bei vielen in den Hintergrund geraten. Die Schweizer nutzen die willkommenen Unterbrüche mitten im Jahr für Kurzferien oder Familienausflüge. Luzian Franzini, Co-Präsident Junge Grüne Schweiz, sieht nur Vorteile in einer Abschaffung der kirchlichen Feiertage: «Andere Glaubensgemeinschaften würden dadurch, dass sie an ihren Feiertagen frei bekommen, mehr Wertschätzung erfahren.» Theo Wehner, Arbeitspsychologe an der ETH Zürich, ist sich sicher: «Eine Abschaffung der religiösen Feiertage wäre für viele Bürger eine Kränkung und ein grosser Verlust für jede Kultur.»

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Überdimensionale Schoggi-Osterhasen oder Fondue chinoise auf dem Tisch – es ist Feiertag. Zu ein paar freien Tagen sagt niemand Nein. Doch warum man den Karfreitag oder Auffahrt zu Hause und nicht im Büro verbringt, wissen längst nicht mehr alle.

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Sollen religiöse Feiertage abgeschafft werden?

Der Präsident der Freidenker-Vereinigung der Schweiz plädiert deshalb für eine Abschaffung der religiösen Feiertage: «Wir müssen nicht so tun, als wäre uns die Tradition wichtig, während kaum einer mehr weiss, warum wir am Pfingstmontag frei haben. Haben die Katholiken eines Kantons frei, pilgern sie an diesem Tag in die Konsumtempel des Nachbarkantons», sagt Andreas Kyriacou. Lieber solle man den Arbeitnehmern mehr Ferientage geben, als an den Feiertagen festzuhalten, die kaum jemand begehe.

Mehr Wertschätzung für Islam, Judentum und Buddhismus

Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen, unterstützt die Idee: «So kann jeder dann einen freien Tag einziehen, wenn er es will.» Wichtig sei nur, dass die Anzahl der freien Tage gleich hoch bleibe. Eine solche Änderung bringt laut Franzini nur Vorteile: «Andere Glaubensgemeinschaften würden dadurch, dass sie an ihren Feiertagen frei bekommen, mehr Wertschätzung erfahren.» Weiter entstehe dadurch kein Schaden für die Arbeitgeber. Denn die damit erreichte höhere Flexibilität käme vielen Betrieben zugute. «Die Belastung, dass alle Mitarbeitenden am selben Tag nicht arbeiten, fällt weg», so Franzini.

Dass die religiösen Feiertage abgeschafft werden könnten, da sie kaum mehr mit christlichen Inhalten in Verbindung gebracht werden, bereitet dem Bistum Chur Sorgen: «Wenn der christliche Glaube an die Offenbarung des Sohnes Gottes immer mehr verdunstet, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Festtage verschwinden oder umbenannt werden», sagte der Bischofssprecher Giuseppe Garcia zur «Aargauer Zeitung».

Ohne Weihnachten und Ostern gehen christliche Werte verloren

Die CVP spricht sich klar gegen eine Abschaffung von Feiertagen wie Karfreitag, Ostermontag oder Stephanstag aus: «Es wäre sehr schade, wenn die religiösen Feiertage abgeschafft würden. Damit würde ein Teil unserer Traditionen und unserer christlichen Werte verloren gehen», sagt die CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter. An diesen Tagen könne man zur Ruhe kommen und «sich auf die Schweizer Wurzeln besinnen».

«Dass sich religiöse Feiertage zu folkloristischen Events gewandelt haben, ändert nichts daran, dass es immer noch viele Bürger gibt, die den Ursprung des Feiertags leben wollen», sagt Theo Wehner, Arbeitspsychologe an der ETH Zürich. Eine Abschaffung der religiösen Feiertage wäre für diese Personen eine Kränkung: «Gerade in der heutigen Zeit, wo allenthalben von den europäischen Werten, die ihren Ursprung im Christentum hätten, geschwafelt wird.» Würde es tatsächlich dazu kommen, dass die Feiertage in Ferien umgewandelt würden, sei das «ein grosser Verlust für jede Kultur».

«Verbote an Feiertagen sind nicht mehr zeitgemäss»

Woran sich Freidenker Kyriacou ausserdem stört, sind die Gesetze, die mit den traditionellen Feiertagen einhergehen: «Es ist nicht mehr zeitgemäss, dass es Kanton Zürich Sportveranstaltungen im Freien verboten sind. Solche Verhaltensverbote sind definitiv nicht mehr zeitgemäss.» An den weltlichen Feiertagen wie dem 1. August oder dem 1. Mai gebe es keinerlei gesetzlich verankerte Einschränkungen, die über die Regeln für Sonntage hinausgehen.

«Die Gleichstellung von weltlichen und religiösen Feiertagen muss erfolgen», sagt auch Pascal Vuichard, Co-Präsident der Jungen Grünliberalen. Die Bevorzugung der kirchlichen Tage sei «komplett veraltet».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • rousii am 04.10.2017 06:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte idee

    Diese Feiertage sind auch dazu da, dass man seine Familie regelmässig sieht. Es sind schöne Festtage auch wenn der Hintergrund teilweise verloren ging, hat jeder Freude an diesen Tagen.

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  • Evita77 am 04.10.2017 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Über Folgen nachdenken

    Ich bin zwar aus der Kirche ausgetreten aber wenn ich darüber nachdenke...Nein! Diese Feiertage sollen bleiben. In unserer hektischen Welt sind sie wie kleine Inseln für die gestresste Gesellschaft, alles fährt ein wenig runter, die Welt um uns kommt kurz zur Ruhe, man kann durchatmen und vielleicht das Weekend noch mit Brückentagen verlängern. Die Leute brauchen das! Einfach nur mehr Ferientage würden unsere Gesellschaft nur noch hektischer werden lassen. Das Sozielleben wäre noch schwieriger zu koordinieren, da man ja nie gleichzeitig frei hat. Sind diese Fordenden Studenten?

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  • Tbt am 04.10.2017 06:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Ferien

    Wieso die Feiertage nicht beibehalten und trotzdem mehr Ferien bekommen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gernot S. am 05.10.2017 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Wer schreibt mit vor Weihnachten oder

    Ostern zu feiern? Familienknatsch und Beweihräucherung kann ich auch sonst haben. Man muss ja nicht diese "religiösen" Tage abschaffen, nur das oft obligatorische Frei nehmen. Ich und meine Frau nehmen gern 8 Tage mehr Ferien und pfeiffen auf diese religiösen Feiertage. Melde mich schon seit vielen Jahren freiwillig für Einsätze an diesen Tagen. Ich ruhe mich dann aus, wenn die Feierwütigen wieder an der Arbeit sind. Aus der Kirche sind wir eh schon lange ausgetreten. Mit dem gesparten Geld leisten wir und ein paar Extras in den Ferien. Jedem das Seine

  • Murmel am 05.10.2017 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    zum lachen

    etwas schiziphren gewisse kommentare. auch gut: "..sind auch dazu da, dass man seine Familie regelmässig sieht." Das klingt wohl eher danach, als bräuchte man den äusseren Zwang um es auch so zu halten. Das ist heuchlerisch, sorry. Wer will, der nimmt sich die Zeit. Dafür braucht es keine kirchlich erzwungen Freitage.

  • Soso am 04.10.2017 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heieieii!

    Was die nicht alles wollen. Die meinen sogar sie seien in der Lage frei zu denken... lustiges Völkchen!

  • Lächerlich am 04.10.2017 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freidenker???

    Nun, zu glauben, dass man Frei-denken kann ist ziemlich Denk-frei. Aber auffällig ist ja, dass diese sogenannten Freidenker jetzt genau das machen, was sie der Kirche vorwerfen, sie meinen bestimmen zu können was recht sei. Es gibt Menschen, die gläubig sind und im Glauben Kraft und Hoffnung finden. Zu behaupten, dass niemand mehr die Feiertage ernst nehme ist Quatsch und zu meinen, sich hier einmischen zu dürfen, reine Überheblichkeit! Die Feiertage werden bleiben und wenn jemand halt nicht gläubig ist, macht das doch nichts. Freidenker haben eine Mission: Sie bekämpfen Kirche und Religion!

  • Benji7 am 04.10.2017 17:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Missverstanden

    Ich glaube, die meisten hier verstehen gar nicht um was es im Artikel geht. Es wird nicht weniger frei geben, sondern die Feiertage werden in freie Tage umgewandelt. In einem freien Rechtsstaat mit Religionsfreiheit sollte nicht ein religiöses Buch vorschreiben, wann wir frei haben sollen. Das würde auch Gemeinsamkeiten unter den Kulturen fördern anstatt sie zu entzweien.

    • Luma Frei am 05.10.2017 08:19 Report Diesen Beitrag melden

      Denkfrei

      Ich glaube Sie haben die Kommentare nicht richtig gelesen. Es geht nicht nur ums Frei-haben. Sondern darum, dass alle gemeinsam frei haben. Damit fährt die ganze Hektik manchmal runter, der allgemeine Lärm damit auch-, sei es nun aus besinnlichen oder religiösen Gründen oder einfach "nur" für Familienfeiern- Das bleibt schliesslich ist allen überlassen. Ich kenne übrigens auch Menschen anderer Religionen, die diese Tage für Familienzusammenkünfte nutzen.

    • Benji7 am 06.10.2017 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Luma Frei

      Der Ausschluss von religiösen Feiertagen bedeutet nicht einen Ausschluss von gemeinsamen Freitagen. Diese könnten mathematisch sinnvoll verteilt sein.

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