Höherer Selbstbehalt

14. September 2011 09:45; Akt: 14.09.2011 12:38 Print

Freie Arztwahl soll teurer werden

Krankenversicherte, welche nicht einem Managed-Care-Modell angeschlossen sind, müssen künftig tiefer in die Tasche greifen. Der Ständerat hat einem entsprechenden Vorschlag zugestimmt.

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Wer auch in Zukunft seinen Arzt frei wählen will, soll dafür einen höheren Selbstbehalt hinnehmen müssen als heute. Der Ständerat hat am Mittwoch dem Vorschlag zugestimmt, den Selbstbehalt für jene Versicherten von 10 auf 15 Prozent anzuheben, die sich nicht bei einem Managed-Care-Modell versichern lassen.

Bei solchen Versicherungsmodellen schliessen sich Leistungserbringer - etwa Hausärzte, Spezialärzte und Physiotherapeuten - zum Zweck der Koordination der medizinischen Versorgung zusammen. Die Gesundheitspolitiker erhoffen sich von diesen Modellen, bei denen die freie Arztwahl eingeschränkt wird, geringere Kosten bei einer höheren Behandlungsqualität.

Umstritten war in den eidgenössischen Räten vor allem, wie die Menschen überzeugt werden sollen, in ein solches Krankenversicherungsmodell zu wechseln. Heute sind bloss 10 Prozent aller Versicherten einem solchen Modell angeschlossen. Ziel von Gesundheitsminister Didier Burkhalter ist ein Anteil von 60 Prozent.

Warten auf Entscheid des Nationalrats

Die Frage war derart umstritten, dass Vertreter beider Räte nach drei Verhandlungsrunden in die Einigungskonferenz mussten, um eine Lösung zu finden. Der Ständerat hat deren Vorschläge nun mit 28 zu 9 Stimmen gutgeheissen.

Der Nationalrat wird erst nächste Woche entscheiden. Ob die grosse Kammer zustimmen wird, hängt nicht zuletzt von der SVP ab. Sie steht gewissen Elementen der Vorlage kritisch gegenüber und könnte die Gesetzesrevision zusammen mit der Linken versenken.

Vertreter der SP, der Grünen sowie einzelne CVP-Vertreter stimmten im Ständerat gegen die Vorschläge der Einigungskonferenz. Mit dem höheren Selbstbehalt verschlechtere sich die Lage der meisten Krankenversicherten. Dies sei nicht angebracht, da die Versicherten in der Schweiz im europäischen Vergleich sowieso schon am meisten selber berappen müssten.

Während den Verhandlungen in den Räten hatte die Linke deshalb jeweils unverhohlen mit dem Referendum gedroht, falls an einer solchen Lösung festgehalten wird. Selber hatte die Linke einen Vorschlag favorisiert, bei dem der Selbstbehalt für Managed-Care- Versicherte gesenkt worden wäre.

Nur kleines Zückerchen

Dieser vom Ständerat ursprünglich aufgenommene Vorschlag - zur Debatte standen 5 oder 7,5 Prozent Selbstbehalt - fand im Nationalrat aber keine Unterstützung.

Dort argumentiert die bürgerliche Mehrheit, dass bei einem solchen positiven Anreizmodell die Krankenkassen belastet statt entlastet würden. Der Nationalrat wollte deshalb von Normalversicherten einen Selbstbehalt von 20 Prozent verlangen.

Der einzige positive Anreiz für den Wechsel in ein Managed-Care-Modell bleibt damit die Senkung der jährlichen Obergrenze des Selbstbehalts: Für Versicherte, die zu Managed Care wechseln, soll dieser statt 700 noch 500 Franken betragen. Der Bundesrat soll die Obergrenzen zudem der Teuerung anpassen können.

Mit diesem Zückerchen wollen die Räte vor allem Chronischkranke zum Wechsel bewegen. Denn gerade bei diesen Versicherten sollen Managed-Care-Modelle zu einer optimalen und damit kostengünstigeren Behandlung führen.

Burkhalter vom Kompromiss überzeugt

Bundesrat Burkhalter zeigte deshalb wenig Verständnis für die Haltung der Linken. Er verstehe nicht, wie ein dreiviertel volles Glas zurückgewiesen werden könne. Es handle sich um einen Kompromiss, der wirkliche Verbesserungen bringe, sagte er. Nicht vergessen werden dürfe zudem, dass mit dieser Vorlage der Risikoausgleich zwischen den Kassen verfeinert werde.

Bis zuletzt umstritten war auch die Frage, ob alle Krankenversicherer solche Modelle anbieten müssen oder nicht. Die Einigungskonferenz hat sich nun dem Willen des Ständerats gebeugt und entschieden, dass die Versicherer vorerst nicht gezwungen werden sollen, solche Angebote zu machen.

Sie sollen drei Jahre Zeit haben, Angebote aufzubauen. Während dieser Zeit sollen die neuen Ansätze für den Selbstbehalt in der Regel noch nicht gelten. Sollte sich danach zeigen, dass es nicht schweizweit flächendeckend solche Angebote gibt, könnte der Bundesrat eine Angebotspflicht verhängen.

Weiter beschloss die Einigungskonferenz, dass Krankenversicherer künftig keine medizinischen Versorgungsnetze mehr führen und sich auch nicht finanziell an solchen beteiligen dürfen. Da viele heute bestehende Managed-Care-Modelle von Krankenkassen betrieben werden, soll eine fünfjährige Übergangsfrist erlauben, diese finanziellen Verbindungen aufzulösen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • BuBu am 14.09.2011 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    enorme Teuerung

    Es ist nicht normal dass die Gesundheitskosten stehtig ansteigen. Etwas stimmt nicht im System. Aber was? Ich hätte gerne eine Aufschlüsselung der Kostenverteilung. d.h. Wohin geht prozentual ein Franken im Gesundheitswesen. Und wer kassiert so unerschrocken ab. Der Schweizer Arbeitnehmer sieht seit Jahren keine Teuerungszulagen, aber das Gesundheitswesen hat erstaunlicherweise jedes Jahr eine enorme Teuerung. Wohin geht das viele Geld?

    einklappen einklappen
  • Rudolf K. am 08.01.2012 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Extra kosten verursachen...

    Und dann gibt es noch Behörden, die gesunde Leute zwingen wollen,krank zu werden! Das ganze System ist krank!!!!

  • erwin müller am 06.03.2013 21:57 Report Diesen Beitrag melden

    frechheit

    ich will meinen arzt selber wählen habe genug erfahrung gemacht mit ärtzte die nicht gebrauchbahr wahren und wenn man in einem solchen model ist und man nicht an den richtigen arzt kommt steigen die kosten ins unermesliche für die kasse und der patient muss leiden da er nicht richtig behandelt wird legt lieber die kosten fest eine arbeit kostet soviel schlieslich machen wir auch nicht die rechnung nach dem einkommen der leute

Die neusten Leser-Kommentare

  • erwin müller am 06.03.2013 21:57 Report Diesen Beitrag melden

    frechheit

    ich will meinen arzt selber wählen habe genug erfahrung gemacht mit ärtzte die nicht gebrauchbahr wahren und wenn man in einem solchen model ist und man nicht an den richtigen arzt kommt steigen die kosten ins unermesliche für die kasse und der patient muss leiden da er nicht richtig behandelt wird legt lieber die kosten fest eine arbeit kostet soviel schlieslich machen wir auch nicht die rechnung nach dem einkommen der leute

  • adga am 16.07.2012 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Nein Managed-Care--Model

    Meine Antwort erhalten sie schön mit dem Wahlzettel. Es war NEIN , Managed-Care-Model,

  • Rudolf K. am 08.01.2012 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Extra kosten verursachen...

    Und dann gibt es noch Behörden, die gesunde Leute zwingen wollen,krank zu werden! Das ganze System ist krank!!!!

  • S.K. am 14.09.2011 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    Echt widersprüchlich

    ist für mich die bürgerliche SVP- und FDP-Politik, Teile von CVP-Politikern, die solch eine Zwängerei mit Managed-Care wider das liberale Verständnis im Interesse von Krankenkassen und mit Pseudoargumenten gegen die Mehrheit des Volkes pushen. Meine Antwort erhalten sie mit dem Wahlzettel.

  • BuBu am 14.09.2011 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    enorme Teuerung

    Es ist nicht normal dass die Gesundheitskosten stehtig ansteigen. Etwas stimmt nicht im System. Aber was? Ich hätte gerne eine Aufschlüsselung der Kostenverteilung. d.h. Wohin geht prozentual ein Franken im Gesundheitswesen. Und wer kassiert so unerschrocken ab. Der Schweizer Arbeitnehmer sieht seit Jahren keine Teuerungszulagen, aber das Gesundheitswesen hat erstaunlicherweise jedes Jahr eine enorme Teuerung. Wohin geht das viele Geld?

    • baba am 08.01.2012 12:13 Report Diesen Beitrag melden

      Selber entscheiden...

      Einheitskasse wählen nach SUVA Vorbild!!!! Und nur die Personen behandeln, die auch selber einbezahlt haben!!

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