Fremdfüttern

21. Februar 2018 20:26; Akt: 21.02.2018 20:26 Print

«Meine Nachbarin hat mir die Katze weggenommen»

von B. Zanni - Nachbarn reissen oft fremde Katzen an sich. Manche Halter müssen mit der Polizei drohen oder umziehen, um ihr Tier wieder für sich zu haben.

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«Jetzt kommt Papaya schon seit einem halben Jahr nicht mehr nach Hause – obwohl es ihr bei mir an nichts fehlt», erzählt die 23-jährige Patrizia traurig. Schon etliche Male beobachtete Patrizia, wie die ältere alleinstehende Frau in der Wohnung nebenan Futter- und Wasserschälchen auf den Balkon stellte und die fünfjährige Katze reinliess. «Weil sie nicht mehr nach Hause kommt, schaffe ich es auch nicht mehr, sie zur jährlichen Impfung zum Tierarzt zu bringen», sagt Patrizia. Mit ihrem Problem steht Patrizia nicht allein da. Jährlich würden rund 20 Besitzer in ihrem Verein Rat suchen, weil ihre Katze fremdgefüttert werde, sagt Manuela Gutermann, Präsidentin des Vereins Katzenfreunde Schweiz. «Emotional sind solche Situationen für die Katzenbesitzer eine kleine Tragödie», sagt Manuela Gutermann. Schliesslich wüssten sie manchmal tagelang nicht, ob ihrem Tier etwas zugestossen sei. Bei der Stiftung für das Tier im Recht TIR sind dieses Jahr bereits zehn Anfragen in Zusammenhang mit Fremdfüttern eingegangen. Martina Schybli, Leiterin der Fachstelle Heimtiere beim STS, beobachtet, dass oft herzzerreissend miauende Katzen fremde Herzen schmelzen lassen. «Die Leute glauben dann, dass das Tier vernachlässigt werde, und beginnen es draussen anzufüttern.» Fremde Katzen zu füttern, ist nicht verboten. Füttert jemand eine Katze aber regelmässig oder gar systematisch, sodass sie kaum mehr zu ihrem Eigentümer nach Hause kommt, kann es sich um einen Eingriff in fremdes Eigentum handeln», betont Jeannine Eggler, rechtswissenschaftliche Mitarbeiterin bei Tier im Recht. In anderen Fällen liegt das Fremdgehen in der Natur der Katze. «Selbst Katzen mit dem schönsten Zuhause und der besten Betreuung können es sich plötzlich bei jemand anderem bequem machen», sagt Simone Panier, tiermedizinische Praxisassistentin in der Tierklinik24.

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Hat Patrizia* Glück, sieht sie ihre Katze einmal pro Woche am Balkon vorbeihuschen. «Jetzt kommt Papaya schon seit einem halben Jahr nicht mehr nach Hause – obwohl es ihr bei mir an nichts fehlt», erzählt die 23-Jährige traurig. Schon etliche Male beobachtete Patrizia, wie die ältere alleinstehende Frau in der Wohnung nebenan Futter- und Wasserschälchen auf den Balkon stellte und die fünfjährige Katze reinliess. «Meine Nachbarin hat mir meine Katze weggenommen», klagt Patrizia.

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Sämtliche Versuche, die Nachbarin von Papaya abzuhalten, scheiterten. «Kürzlich klingelte ich bei ihr und bat sie, Papaya rauszugeben. Sie behauptete dann aber, die Katze sei nicht da», so Patrizia. Kurz darauf jedoch habe sie beobachtet, wie die Nachbarin, um nicht aufzufliegen, das Tier schleunigst rausgesetzt habe.

Mittlerweile öffne die Nachbarin nicht einmal mehr die Tür. «Es regt mich auf, abends nach Hause zu kommen und genau zu wissen, dass die Nachbarin meine Katze wieder in ihre Wohnung gelockt hat», sagt die Malerin. Zudem habe sie Angst, dass die Katze krank werde. «Weil sie nicht mehr nach Hause kommt, schaffe ich es auch nicht mehr, sie zur jährlichen Impfung zum Tierarzt zu bringen.»

«Emotional ist das eine kleine Tragödie»

Mit ihrem Problem steht Patrizia nicht allein da. Jährlich suchten rund 20 Besitzer in ihrem Verein Rat, weil ihre Katze fremdgefüttert werde, sagt Manuela Gutermann, Präsidentin des Vereins Katzenfreunde Schweiz. «Emotional sind solche Situationen für die Katzenbesitzer eine kleine Tragödie.» Schliesslich wüssten sie manchmal tagelang nicht, ob ihrem Tier etwas zugestossen sei. «Manchmal erblicken sie die Katzen nur per Zufall hinter dem Fenster irgendeines Wohnzimmers.»

Bei der Stiftung für das Tier im Recht TIR sind dieses Jahr bereits zehn Anfragen in Zusammenhang mit Fremdfüttern eingegangen. «Während die einen Eigentümer dem Nachbarn den Hals umdrehen könnten, sind andere so verletzt, als wäre ihnen ein Familienmitglied entrissen worden», stellt Jeannine Eggler, rechtswissenschaftliche Mitarbeiterin bei TIR, fest.

Uneinsichtige Fremdfütterer

Laut Eggler setzen die Fremdfütterer manchmal «extreme Methoden» ein, um das Tier weiterhin an sich zu binden. «Sie streiten alles ab und verwischen etwa Spuren im Schnee.» Manuela Gutermann sagt, dass manche einfach uneinsichtig seien. «Dann wirkt nur noch eine Drohung mit der Polizei.»

Manchen Besitzern sei die Katze aber auch so viel wert, dass nur noch ein Umzug das Problem lösen könne. In einigen Fällen geben sich die Halter geschlagen. «Dann drücken sie der Nachbarin das Impfbüchlein der Katze in die Hand und geben ihr damit offiziell die Verantwortung für das Tier ab», so Gutermann.

Anzeige erstatten oder Klage erheben

Fremde Katzen zu füttern, ist nicht verboten. «Füttert jemand eine Katze aber regelmässig oder gar systematisch, sodass sie kaum mehr zu ihrem Eigentümer nach Hause kommt, kann es sich um einen Eingriff in fremdes Eigentum handeln», betont Jeannine Eggler.

Seien die nötigen Beweise vorhanden, könnten Eigentümer in gravierenden Fällen Anzeige wegen Sachentziehung oder unrechtmässiger Aneignung erstatten. Laut Strafgesetzbuch droht in diesen Fällen eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren. Eine weitere Möglichkeit ist, Zivilklage zu erheben, die den Nachbarn auffordert, das Füttern zu unterlassen.

«Manche Katzen sind unterbeschäftigt»

Martina Schybli, Leiterin der Fachstelle Heimtiere beim Schweizer Tierschutz, beobachtet, dass oft herzzerreissend miauende Katzen fremde Herzen schmelzen lassen. «Die Leute glauben dann, dass das Tier vernachlässigt werde, und beginnen es draussen anzufüttern.» Andere lassen eine fremde Katze gar ins Haus und versorgen sie, als wäre es ihr eigenes Tier.

Laut Schybli soll man als Besitzer mit dem Fütterer das Gespräch suchen, aber auch die Tierhaltung überdenken. Heute würden viele Katzen spontan angeschafft, ohne Information über die Bedürfnisse des Tieres. «Manche Katzen suchen fremde Gesellschaft, weil sie unterbeschäftigt sind oder ihr Zuhause nicht optimal ausgestattet ist.»

Und in anderen Fällen liegt das Fremdgehen in der Natur der Katze. «Selbst Katzen mit dem schönsten Zuhause und der besten Betreuung können es sich plötzlich bei jemand anderem bequem machen», sagt Simone Panier, tiermedizinische Praxisassistentin in der Tierklinik24. In den immer dichter besiedelten Gebieten sei die Chance umso grösser, dass sich die Katze ein noch besseres Plätzchen aussuche.

«Ich prüfe eine Zivilklage»

Patrizia will versuchen, die Nachbarin mit einem Schreiben zur Vernunft zu bringen. «Ich lege ihr einen Zettel in den Briefkasten, auf dem steht, dass Papaya krank ist und sie deshalb mein Spezialfutter braucht.» Nütze dies nicht, werde sie der Frau mit einer Zivilklage drohen.

Ein kleiner Trost bleibt Patrizia aber noch. «Meine drei anderen Katzen wollen dort auch immer wieder fressen. Zum Glück kommen sie aber immer wieder nach Hause.»

*Name der Redaktion bekannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Solala am 21.02.2018 20:35 Report Diesen Beitrag melden

    Mühsam

    Es ist wirklich elendiglich, das Fremdfüttern. Wir haben uns bei den Nachbarn auch schon unbeliebt gemacht, weil wir es ihnen verboten haben. Wer Katzen füttern will, soll sich selber welche zutun.

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  • jane77 am 21.02.2018 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geht gar nicht

    sorry aber ich hätte dieser Nachbarin sehr klar aber freundlich gesagt das sie es unterlassen soll.

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  • Manuu am 21.02.2018 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kosten übernehmen

    Katzen haben ihren eigenen Charakter. Leider kann man die Katze nicht davon abhalten zur Nachbarin zu gehen. Und die Nachbarin ist leider auch nicht Erziehbar... Schwerens Herzen würde ich die Katze der Nachbarin überlassen, aber dies Vertraglich regeln! Das heisst das sie für ALLE kosten aufkommen muss, wie Impfungen, Tierarzt ect. Vielleicht hört sie dann freiwillig auf zu Füttern...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruth Z. am 22.02.2018 22:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachbarin nimmt Katze

    Ja ja Auch unser Büsi wird von einer einsamen alten Nachbarsfrau gefüttert und bei Protest unsererseits wird uns dann noch vorgeworfen wir schauen nicht zu unserm Tier lassen es hungern und verwahrlosen. Auch werden wir mit nächtlichen whats app beehrt randvoll mit solchen Anschuldigungen Wir ziehen eine Anzeige in Betracht nimmt der schon lange anhaltende Horror nicht bald ein Ende. Unser Büsi gehört uns! Aber eben... Einsamkeit hat viele Namen und Gesichter

  • marko 33 am 22.02.2018 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich

    Wirklich

  • Sheeple am 22.02.2018 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denkt mal nach

    Klar, wenn ma explizit ne fremde katze fütter ist, halb ok. Aber ehrlich, so fest jeder katzen besitzer denk seine katze sein glücklich, kann sich irren. Manche leute sind sooo überzeugt wie gut sie zu ihren tieren sind aber in wirklichkeit ihnen nur schaden. Zb das tier einsperren und dann hoffen es bleibt zuhause, die bude vollrauchen und denken das tier habe es gesund zuhause. Katzen sind eigensinnig, und wenn ihnen was zuhause nicht gefällt dann suchen sie was neues, egal ob der besitzter denk es war doch alles ok. Aber wenn man ne katze nur als besitz/gegenstand sieht....

  • Kaya am 22.02.2018 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Aha!

    aufschlussreicher letzter Satz: Patrizia hat noch 3 weitere Katzen. Offenbar ist es allen vieren tagsüber langweilig. Und die Ausreisserin möchte eigentlich die "one and only" sein, denn Katzen sind ja eigenwillige Einzelgänger. Schlage vor, gönnen Sie Ihrer einsamen Nachbarin doch einfach diese 4. Katze, statt einen öffentlichen Presse-Aufstand zu machen. Denn in dieser Beziehuhg sind sie ein bisschen wie diese Katze . . . . .

  • Hugop am 22.02.2018 13:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schuldig?

    Ich stelle unten immer das alte Futter unserer Wohnungskatzen für Freigänger hin. Finde ich besser als wegwerfen oder die Toilette runterspülen. Die stürzen sich wie Wölfe auf das Zeugs, während unsere es nicht mehr anrühren, wenn es ein paar Stunden rumstand. Qualitativ ist das Zeug in Ordnung und nicht billig oder abgelaufen. Würde mir aber nie einfallen, fremde Katzen zu uns mitzunehmen oder reinzulassen.