Gefährliche Milben

29. Januar 2013 18:23; Akt: 29.01.2013 18:23 Print

Fuchsräude bedroht Hunde in der Schweiz

Eine heimtückische Krankheit rafft hunderte Füchse dahin. Immer häufiger sind nun auch Hunde und sogar Menschen von der Fuchsräude betroffen. Der Bund schlägt Alarm.

storybild

Die Fuchsräude breitet sich rasant in neuen Gebieten aus. (Bild: Marie-Pierre Ryser)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wöchentlich muss der Berner Wildhüter Romeo de Monaco von der Fuchsräude befallene Tiere einfangen. «Anwohner melden sich, weil sich kranke Füchse in ihrem Garten aufhalten», sagt de Monaco. 23 Prozent der toten Füchse starben letztes Jahr im Kanton Bern an der gefährlichen Milbenplage. Ein Rekord, wie Manuel Wyss, stellvertretender Jagdinspektor des Kanton Bern einen Bericht der «Berner Zeitung» bestätigt.

Auch das Bundesamt für Umwelt (Bafu) schlägt Alarm. Von einem starken Seuchenzug befallen seien die Kantone Bern und Aargau. Neben dem Mittelland sind die Milben laut Marie-Pierre Ryser vom Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin der Universität Bern auch im Jura auf dem Vormarsch: «Die Räude wird in Gebieten nachgewiesen, in denen sie früher nicht vorkam.» Innerhalb der letzten zehn Jahren hätten sich die Milben flächenmässig deutlich ausgebreitet.

Die heimtückische Milbe macht auch vor Hund und Mensch nicht halt. Die Zahl der an Fuchsräude erkrankten Hunde steige stetig an, so Petra Roosje vom Departement für klinische Veterinärmedizin an der Universität Bern. «Damit sich ein Hund ansteckt, braucht es nicht immer direkten Körperkontakt mit dem Fuchs. Es reicht, wenn sich der Hund am gleichen Ort aufhält wie der Fuchs kurz zuvor.» Die Hunde litten wie die Füchse an Juckreiz und Haarausfall. Doch den Milben könne man dank bestimmter Flohmittel rasch den Garaus machen. Und spätestens, wenn es auch den Hundehalter zu jucken beginne und sich an den Armen oder am Bauch rote Bibeli bildeten, sei es an der Zeit, einen Hausarzt aufzusuchen.

Während Hunde die Milbenplage also meist überleben, verenden 95 Prozent der Füchse qualvoll. Die Milben bohren sich in die Haut und ernähren sich dort von Hautzellen und Gewebeflüssigkeit. In den Bohrgängen hinterlassen sie Kot und ihre Eier. Das kranke Tier kann sehr starken Juckreiz bekommen, die Haare fallen ihm stellenweise aus, es gibt dicke Krusten und manchmal eiternde Wunden.

Gefördert wird die Ausbreitung der Fuchsräude durch den hohen Fuchsbestand: «Einerseits gibt es in der Schweiz – zum Glück für die Menschen - keine Tollwut mehr. Andererseits fehlt der Wolf als natürlicher Feind des Fuchses», erklärt Martin Baumann vom Bafu. Und seit der Fuchspelzpreis gefallen ist, sei der Fuchs auch kein attraktives Jagdobjekt mehr.

(dp)