Statistik

02. August 2016 15:55; Akt: 02.08.2016 15:55 Print

Gemischte Ehen sind eher zum Scheitern verurteilt

Heiraten Personen aus der Türkei oder dem Balkan einen Schweizer, geht das sehr oft schief. Die Gründe sind vielfältig.

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Nach der süssen Hochzeitstorte folgt das böse Erwachen: Gemischte Ehen scheitern im Schnitt öfter. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

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Liebende geben sich das Jawort und schwören sich ewige Liebe. Doch längst nicht immer kann das Eheversprechen eingehalten werden. Dass eine Ehe in die Brüche geht, ist bei Paaren unterschiedlicher Herkunft wahrscheinlicher, wie die Forscherinnen Gina Potarca und Laura Bernardi in einem Beitrag im Newsletter «Demos» des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen.

Laut der Auswertung beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Ehe zwischen einer gebürtigen Schweizerin und einem gebürtigen Schweizer auch nach 20 Jahren noch hält, 82 Prozent. Bei gemischten Ehen mit einem Migranten oder einer Migrantin liegt die Wahrscheinlichkeit bei gut 75 Prozent.

Schweiz und Balkan hält oft nicht

Gemäss den Berechnungen der Forscherinnen stehen die Chancen besonders schlecht, wenn Schweizer und Personen aus dem Balkan oder der Türkei eine Ehe schliessen. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Ehe nach 20 Jahren noch hält, beträgt nur gerade 28 Prozent. «Die kulturellen Unterschiede, aber auch die Inkompatibilität der Lebensstile ist bei diesen Paaren grösser als bei einer Ehe zwischen Schweizern und Personen aus Südeuropa oder Westeuropa», zitieren die «Neue Luzerner Zeitung» und das «St. Galler Tagblatt» Studienautorin Potarca.

Laut Potarca machen auch unterschiedliche Religionen die Sache nicht eben leichter: «Oft kommen bei diesen Personen viel stärkere kulturelle Normen zum Tragen.» Der Druck, den die Familien auf die Paare ausübten, sei bei solchen Ehen viel stärker, wie mehrere Studien gezeigt hätten. Das Stigma interreligiöser Paare sei derart stark, dass der Druck auch mit der Zeit nicht abnehme.

Migranten heiraten eher Migranten

Ein weiterer Grund ist laut der Forscherin der Uni Lausanne, dass Personen aus dem Balkan und der Türkei im Schnitt auch wirtschaftlich schlechter integriert sind als Menschen aus Süd- und Westeuropa. «Der Stress, der sich daraus ergibt, überträgt sich oft auch auf die Ehe und verursacht zusätzliche Probleme.»

Laut den Berechnungen hat die Wahrscheinlichkeit, dass ein Migrant oder eine Migrantin einen gebürtigen Schweizer oder eine gebürtige Schweizerin heiratet, in den letzten Jahrzehnten abgenommen. Die These der Forscherin: Durch das Wachstum der ausländischen Bevölkerung ist die Auswahl an Personen gleicher Herkunft grösser. Zudem erleichterten Online-Portale die Suche nach Personen gleicher Herkunft.

Im Interview mit der «Neuen Luzerner Zeitung» übt Paartherapeut Klaus Heer scharfe Kritik an der Studie: «Ich halte das für einen nicht relevanten Zufallsbefund. Daraus abzuleiten, dass Mischehen mit Menschen aus dem Balkan instabiler seien als andere, ist unseriös, wenn nicht sogar indirekt rassistisch. Zumindest zeugt es von stereotypem Denken.» Statistische Ergebnisse seien nie wirklich gesichert, sie schwankten allemal von Jahr zu Jahr.

Führen Sie eine gemischte Ehe oder haben Sie einmal eine geführt? Warum klappt es oder warum hat es nicht funktioniert? Haben die Forscherinnen recht? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Moosleitner am 02.08.2016 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz Ehrlich

    sowas wundert mich nicht, dafür brauchts keine Studie.

  • PascalK2015 am 02.08.2016 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    Hab ich gestern schon gewusst.

    Nichts neues, und das wird manchen erst jetzt bewusst? Meine Güte, willkommen im leben.

  • Maxi am 02.08.2016 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr viele Scheinehen

    es ist doch ein alter Zopf, dass viele Balkanehen nur des Passes wegen geschlossen wurden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Erich Ender am 03.08.2016 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    etwas Kultur

    Gemischte Vorspeisen im Ausland, aber die Hauptspeise im schoenen Schwiizerlaendli unter Eidgenossen. Spaeter, ab und zu etwas Dessert vom Ausland im Kreis 4.

    • Doris am 03.08.2016 18:16 Report Diesen Beitrag melden

      Die schweizerische Ehen?

      Würde mich interessieren was die Studien über die Ehen zwischen die Einheimischen zu sagen haben.

    einklappen einklappen
  • Chris am 03.08.2016 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ja Herr Heer

    wenn man nichts konkretes zu sagen hat, holt man halt gerne wieder die Rassismus Keule heraus. Würde vorschlagen, das Wort Rassismus auf die Liste "Unwort des Jahres" zu nehmen.

  • Alexander am 03.08.2016 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    Glückliche Mischehe

    Meine Mutter ist eine Sudeten-Bayerin und mein Vater war ein Bernersennen-Cherokee, und sie sind beide recht happy damit. Ich werde eine Chinesin namens Zhang heiraten und glücklich sein, aber momentan warte ich noch auf sie auf dem Flughafen.

  • Henoch am 03.08.2016 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Seufz und Gähn...

    Es ist immer wieder erstaunlich, wie alte Tatsachen als völlig neue Erkenntnis servierte werden. Haben wir denn schon ein solches Sommerloch??

  • de Shipi am 03.08.2016 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    22 Jahre glücklich verheiratet (AL/CH)

    habe vor ein Paar Tagen ein Artikel gelesen " Schweiz, das Land der Singels" vielleicht erst selber nachfragen ob evtl. mit mir selbst etwas nicht stimmt... Solche "Studien" kann ich nicht ernst nehmen, Reicht langsam mit den ganzen Vorurteilen...! nicht normal langsam... und.... guck mal mein Titel ;)