Préférence cantonale

16. Februar 2017 10:42; Akt: 16.02.2017 10:57 Print

Genf zieht erste Bilanz zu seinem Inländervorrang

Jahrelang hatte Genf die höchste Arbeitslosenquote des Landes. Seit 2012 gilt: Wer in Genf wohnt, hat Priorität im Arbeitsmarkt. Was die Regelung gebracht hat.

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Lange waren die Genfer Verkehrsbetriebe ein beliebter Arbeitgeber bei Grenzgängern: Passagiere sammeln sich vor einer Tramhaltestelle. (Bild: Keystone)

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Was sich die SVP für die ganze Schweiz wünscht, ist im Kanton Genf schon seit 2012 Realität. Die «préférence cantonale» verlangt, dass Arbeitgeber ihre Stellen dem kantonalen Arbeitsamt melden. Dieses soll sich dann um die Rekrutierung inländischer Arbeitskräfte bemühen.

Die Regelung gilt für Unternehmen des öffentlichen Rechts und subventionierte Institutionen wie Theater oder Altersheime. Die préférence cantonale wurde im Oktober 2014 ausgeweitet – unter anderem auf die Genfer Verkehrsbetriebe TPG. Dort habe man sich erst an die Umstellung gewöhnen müssen, schreibt die NZZ. Denn die Verkehrsbetriebe waren zuvor als Arbeitgeber sehr beliebt bei den Grenzgängern.

So hätten sich etwa Buschauffeure aufgrund des besseren Lohns gern in der Schweiz anstellen lassen und die TPG hätte wiederum von erfahrenen Arbeitnehmern profitiert, wie es im Bericht weiter heisst.

«Die Massnahme trägt Früchte»

Doch nun ist alles anders. Ins Leben gerufen hat die préférence cantonale die Populisten-Partei Mouvement Citoyen Genevois (MCG). Deren Vertreter Mauro Poggia sitzt seit 2013 als Staatsrat in der Genfer Kantonsregierung. Nun hat er Bilanz zum kantonalen Inländervorrang gezogen. «Wir sehen, dass diese Massnahme Früchte trägt, wo wir es messen können, sehen wir Erfolge», sagte Poggia zu «Le Temps».

Der MCG-Politiker führt die stabile Arbeitslosenquote als Indiz für einen Erfolg des Genfer Inländervorrangs an. Für die NZZ scheint das plausibel. Denn zum ersten Mal seit 1999 weist Genf nicht die höchste Arbeitslosenquote aus. Mit 5,5 Prozent belegt der Kanton Ende 2016 aber immer noch den zweiten Rang. Abgelöst wurden die Genfer von den Neuenburgern, die eine Arbeitslosenquote von 5,8 Prozent deklarierten.

Tatsächlich rekrutierte der öffentliche Sektor in Genf im Jahr 2015 bereits 70 Prozent neue Arbeitskräfte durch das RAV. 2012 waren es laut Statistik des Kantons nur 25 Prozent. Allerdings müsse man den Genfer Inländervorrang auch relativieren, schreibt die NZZ. Denn der Sektor der Unternehmen des öffentlichen Rechts und der subventionierten Institutionen mache nur 10 Prozent des kantonalen Arbeitsmarktes aus. Pro Jahr würden insgesamt zwischen 26'000 und 30'000 Stellen ausgeschrieben. Der Bereich, in dem die Direktive der MCG greife, besetzte im Jahr 2015 lediglich 2500 Arbeitsplätze neu.

(kat)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Th1990 am 16.02.2017 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer hin....

    Der Ansatz der Genfer geht in die richtige Richtung. Bei den Basler und Basellandschaftlichen Verkehrsbetrieben nimmt die Anzahl der Grenzgänger die Bus- und Tramfahren stetig zu. Das hingegen ist definitiv der falsche Weg in Basel.

  • B. Etrug am 16.02.2017 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wissen wir doch nun alle

    Verkauft wurde uns das nur Spezialisten kommen werden, dann wäre es wohl bei den 8 - 10.000 gewesen. Gekommen sind aber hauptsächlich Glücksritter die einfach mehr verdienen wollen.

    einklappen einklappen
  • gaby am 16.02.2017 11:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    traurig finde ich dass für den schweizer in eigenen land in jeder beziehung ausländer vorgezogen werden . Auch bei Jobs

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Notfallpfleger am 16.02.2017 15:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es muss immer megagigasuper sein

    Ja sind denn 2500 - 3000 Beschäftigte nicht ein Erfolg gegenüber Arbeitslosigkeit? In unserem Land hat man das Augenmass für Alltägliches verloren!

  • Klaus Knurr am 16.02.2017 14:07 Report Diesen Beitrag melden

    dann ist ja Elle bestens

    Toll, dann besteht die Verwaltung in Genf also aus ausgemusterten, also dem was die Wirtschaft nicht verwerten kann. Viel Glück liebe Genfer

  • peps müller am 16.02.2017 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Alle Zahlen!

    Ich will wissen, wieviele Schweizer seit der PFZ aus ihrem Job verdrängt wurden? Aber die echten Zahlen - alle Zahlen, nicht die zensierten Zahlen, die wir uns von den Arbeistlosenstatistiken gewöhnt sind!

  • Marie L. am 16.02.2017 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind die Patrons?

    Eigentlich hat das ja jeder Unternehmer selbst in der Hand.

  • reini am 16.02.2017 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immer alles mies machen!!

    was soll diese Miesmache?? Wenn nur schon ein Arbeitsloser aufgrund dieser Maßnahme einen Job findet ist es gelungen!!!