Kampf fürs Elternrecht

16. Dezember 2013 11:25; Akt: 16.12.2013 11:25 Print

Geschiedene Väter zeigen Behörden den Stachel

von Christoph Bernet - Behörden, die bei einer Scheidung das Interesse der Kinder oder eines Elternteils zu wenig beachten, könnten schon bald stachlige Post erhalten.

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Marcel Enzler (links) mit seinen Mitstreitern: Behörden, die geschiedene Mütter oder Väter ungerecht behandeln, kriegen ein stacheliges Feedback. (Bild: Stevan Bukvic/Tilllate.com)

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Vor gut zwei Jahren schickten die geschiedenen Väter des Vereins «Vaterverbot Schweiz» tonnenweise Pflastersteine an Bundesrätin Simonetta Sommaruga, um gegen die Verzögerungen beim neuen Sorgerecht zu protestieren. Bald könnten Schweizer Behörden wieder Post von geschiedenen Vätern erhalten: in Form eines Kaktus.

Um für seine Anliegen zu werben, hat der Verein Vaterverbot Schweiz zusammen mit verschiedenen Partnern, darunter den FDP-Frauen, die Online-Plattform «schickenkaktus.ch» eingerichtet.

Mit der Plattform soll ein «Speakers’ Corner», benannt nach der berühmten Rednerplattform im Londoner Hyde Park, für alle Betroffenen im Bereich des Familien- und Gleichstellungsrechts geschaffen werden, wie Marcel Enzler, Präsident von Vaterverbot Schweiz, erklärt.

«Viele Menschen fühlen sich verletzt»

«Viele Menschen fühlen sich verletzt oder finden keine Möglichkeit, ihre Wünsche an die Behörden auszudrücken», sagt Enzler. Im Internet sollen Betroffene ihre Erfahrungen im Internet mit anderen teilen können. Dank der Plattform sollen die Probleme offen angesprochen und gemeinsam angegangen werden. Behörden und Amtsträger können zu den Beiträgen Stellung nehmen.

Doch «Schick en Kaktus» findet nicht nur in der virtuellen Welt statt: Wenn eine Behörde von den Lesern der Website eine bestimmte Anzahl negative Bewertungen bekommt, wird ihr ein Kaktus zugestellt – als Symbol für das Leid der Betroffenen. Bei genügend positiven Bewertungen wird eine Rose verschickt – als Zeichen der Dankbarkeit.

«Das Ziel von Vaterverbot Schweiz ist, dass jedes Kind ein Anrecht auf zwei Eltern hat», sagt Enzler. Das heutige Familienrecht in der Schweiz habe ein grosses Verbesserungspotenzial. Nach dem bisherigen Vorschlag zum neuen Unterhaltsrecht müssten Väter mehr bezahlen und die Möglichkeit der alternierenden Betreuung eines Kindes durch beide Elternteile würde nicht anerkannt. «Die Bedürfnisse der Bürger und der Kinder gehen unter.»

«Gesellschaftspolitik auf Augenhöhe»

Die FDP-Frauen solidarisierten sich mit den «legitimen Anliegen» von geschiedenen Vätern, erklärt Präsidentin Carmen Walker Späh. Als Frau habe sie zwar nicht deren Erfahrungen gemacht, «aber wir sehen, dass vielerorts von den Behörden Vater und Mutter leider nicht gleich behandelt werden. «Ich engagiere mich für eine offene Gesellschaftspolitik, die Männer und Frauen auf Augenhöhe behandelt», sagt Walker Späh.

SP-Vizepräsidentin Barbara Gysi hingegen kann der Aktion wenig Positives abgewinnen: «Ich halte es für wenig konstruktiv, Kakteen und Rosen zu verteilen.» Zwar habe sehr viel Verständnis für Väter, die sich um ihre Kinder kümmern wollten. Doch es sei nicht sinnvoll, «seitenweise Klagen auf eine Plattform zu stellen». Damit würde das Portal schnell zu einer Art Klagemauer: «Das potenziert den Unmut.»

«Behörden stellen Kindeswohl in den Vordergrund»

Es sei klar, dass sich Betroffene bei einer Scheidung manchmal von den Behörden ungerecht behandelt fühlten, so Gysi. Doch das sei immer die subjektive Wahrnehmung eines Einzelnen. Nach ihrer Erfahrung schauten die Behörden jeweils genau hin und stellten das Kindeswohl in den Vordergrund.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schweizer Vater am 16.12.2013 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Auch Väter sind Menschen

    Frau Gysi ... dass Sie noch heute solche Parolen von sich geben können. Es erstarrt mir das Blut wenn ich diese mit den Verbrechen an die Menschlichkeit unserer Familienrichter gegenüberstelle! Gute Aktion, denn wir sind viele und wir werden nicht aufgeben. Ziehen Sie sich warm an Frau Gysi!

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  • Peter Joachim am 16.12.2013 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Unmut erzeugt? Mitnichten, Frau Gysi

    Wie Barbara Gysi sehr richtig feststellt: Unmut! Nur wird dier nicht durch das Portal erzeugt, sondern schon lange brodelnder Unmut endlich sichtbar gemacht! Und dass die SP, die sich NUR und AUSSCHLIESSLICH für Frauen stark macht, da nichts abgewinnen kann, wundert mich auch nicht wirklich!

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  • sonja Häsler am 16.12.2013 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Eifach Trausrig

    Anstatt das Unrecht den Frauen gegenüber zu beseitigen wird es einfach umgedreht und jetzt müssen die Männer leiden. Soviel zu Gleichberechtigung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Glücklicher am 16.12.2013 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach ohne....

    Ich(m,35) habe für mich, vor vielen Jahren schon, entschieden, dass ich sowohl auf Kinder haben als auch auf feste Beziehungen mit Frauen verzichte. Bin aber weder schwul noch zu komisch ne Frau zu kriegen, hatte mehrere, auch mehrjährige, Beziehungen. Seither hab ich ca. 90% weniger Probleme im Leben und es geht mir wunderbar! Und immer wenn ich solches Zeug lese, oder auch bei Bekannten und Verwandten erlebe, bin ich heilfroh um meine Entscheidung! Und zum Thema Gleichberechtigung; dies bedeutet für die meisten Frauen der Mann macht jetzt alles, ich nichts mehr.Und zahlen ist ja Männerarbeit

  • Reto Muster am 16.12.2013 14:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Ansatz

    Wegen jedem kleinen Problemchen trennt man sich. Die Kinder leiden unter der Situation und die Erwachsenen sind mit sich selber beschäftigt. Legt euren falschen Stolz nieder und besinnt euch aufs wesentliche. Liebe und Gemeinschaft. In der neuen Beziehung sind es die gleichen Probleme die euch einholen. Solange ihr nicht an euch arbeitet...

  • Mr. Gleichberechtigung am 16.12.2013 14:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn es um die Frauen geht

    Dan währe das unhaltbar.Aber auch Männer werden diskriminiert. In Sachen unterhalt für das Kind, ist es meistens so, das der Vater zahlt. Und wo bleibt da die Akzeptanz der Frauen? Wir Männer müssen alles für die Gleichberechtigung der Frauen tun, aber wenn es mal umgekehrt ist, wird es runtergespielt und es sei ein Einzelfall, oder es geht wider mal gegen die ach so Armen Mütter.Es kommt mir manchmal so vor, die Frauen haben das Wort Gleichberechtigung erfunden....

  • Vater Fan am 16.12.2013 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Väter wehrt EUCH nur so gehts

    Fragen wir doch Frau Gysi mal wie es denn die Frauen machen wenn sie ihr Ziel erreichen wollen? Typische reaktion einer Frau die sich bedrängt fühlt, oder noch mehr Anhänger für eine solche Aktion befürchtet.

  • Salvatore Dali Dali am 16.12.2013 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wasser predigen Wein trinken

    Spannend dass gerade Frau Gysi aus der SP es nicht gut findet, wenn Männer ihre schlechten Erfahrungen und den unglaublichen Frust über die Ungleichbehandlung an die Öffentlichkeit bringen wollen. Wie ist das nochmals mit dem 14. März, oder dem 1. Mai, oder den Streiks? Wird dort der Unmut nicht auch potenziert?