5,5 Millionen für 21 Testkunden

08. November 2017 21:25; Akt: 08.11.2017 21:39 Print

Gewerkschaft kritisiert SBB-Qualitätsmessung

von Jennifer Furer - Für 5,5 Millionen Franken misst die SBB die Qualität in Zügen und Bahnhöfen. Gleichzeitig führt aber auch das BAV Erhebungen durch.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Kundeninformation, Sauberkeit, Ordnung und Vandalismus – diese Themen beurteilen 21 Testkunden an Bahnhöfen und in Zügen für die SBB in einer Qualitätsmessung. Rund 5,5 Millionen Franken gibt das Unternehmen für fünf Jahre dafür aus, also etwa 1,1 Millionen jährlich. «Die Messungen sind eine gute Investition, um kontinuierliche Verbesserungen der Leistungen der SBB zu ermöglichen», sagt Sprecher Oli Dischoe. Seit acht Jahren würde die SBB die Erhebungen durchführen.

Erst kürzlich wurde der Auftrag durch eine öffentliche Ausschreibung neu vergeben. Wie bereits in den Jahren zuvor gewann die Firma ETC Transport Consultants GmbH, mit Sitz in Olten, den Zuschlag. Es ist dieselbe Firma, die auch für das Bundesamt für Verkehr (BAV) Qualitätsmessungen durchführt.

«Projekte sind ergänzend und unabhängig»

Seit 2016 schickt das BAV rund 60 Testkunden auf Reisen, um bei allen Transportunternehmen im regionalen Personenverkehr die Funktionsfähigkeit, die Sauberkeit und den Zustand von Einrichtungen in Zügen und Bussen sowie auf Haltestellen zu prüfen. Kostenpunkt: durchschnittlich rund 2,6 Millionen Franken jährlich.

«Die SBB und das BAV führen ergänzend unabhängige Projekte durch. Die SBB setzt dabei auf eine erweiterte Erhebung, bezüglich Bahnhöfe und Kundeninformation», sagt Peter Herren, ETC-Standortleiter Schweiz. Der unterschiedliche Detaillierungsgrad der Erhebungen sei historisch gewachsen, da die Projekte zu unterschiedlichen Zeiten gestartet worden seien und die Bedürfnisse leicht variieren würden.

Keine gleichzeitigen Messungen

Klar ist: Die SBB hat eine Vereinbarung mit dem BAV, wonach sie als einziges Unternehmen die Qualität selber misst. «Die SBB hatte bereits vor dem Aufbau eines gesamtschweizerischen Systems, das alle Unternehmen umfasst, ein eigenes System aufgebaut», sagt BAV-Sprecher Gregor Saladin.

Es sei sinnvoll, dass die SBB dieses «bewährte System» weiterbetreibe, das mit dem Qualitätsmesssystem des BAV kompatibel sei. Saladin betont, dass es keinen Fall gebe, in dem das BAV und die SBB beide gleichzeitig messen würden.

Neutrale Stelle würde Ergebnisse «glaubwürdiger» machen

Manuel Avallone, Vizepräsident der Gewerkschaft fürs Verkehrspersonal (SEV), kritisiert die getrennte Qualitätsmessung: «Wenn man im Grundsatz das Gleiche macht, sehe ich nicht ein, dass man zusätzliche Kosten verursacht.» Er würde es begrüssen, wenn die Qualitätsmessung durch eine neutrale Stelle durchgeführt würde: «Das würde die Ergebnisse glaubwürdiger machen.»

Pro Bahn begrüsst grundsätzlich, dass im öffentlichen Verkehr Qualitätsmessungen durchgeführt werden. Präsidentin Karin Blättler kritisiert aber: «Die SBB kann die Resultate der Erhebung in gewisser Hinsicht steuern, wenn sie als Unternehmen die Befragungsmethodik selber festlegt.» Pro Bahn wünscht sich, mehr hinter die Befragungsmethodik sehen zu können und einzelne Fragen zusätzlich zu stellen. «Auch eine zentrale und externe Befragung wäre sicher zielführend», so Blättler.

Testkunden werden extern rekrutiert

SBB-Sprecher Oli Dischoe widerspricht: «Die Testkunden werden durch unseren externen, spezialisierten Partner rekrutiert, damit sie unabhängig von der SBB ihrer Arbeit nachgehen können und eine neutrale Messung erbringen können.» Bei der Qualitätsmessung mit Testkunden gehe es um systematische Erhebungen, die repräsentativ und über die Jahre vergleichbar seien.

Die Präsidentin von Pro Bahn versteht, dass die SBB die Qualitätsmessung selber durchführen möchte: «Die SBB finanziert den Fernverkehr selber und muss als Unternehmen rentabel sein. Deshalb muss sie auch die Möglichkeit haben, selber über Qualität und Verbesserungen nachzudenken.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Christofferus am 08.11.2017 21:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Volk fragen

    Wieso nicht einfach eine Umfrage machen?

    einklappen einklappen
  • Kuno Schwarzmaler am 08.11.2017 21:39 Report Diesen Beitrag melden

    SBB steuert Befragung

    Ob Herr Dischoe absichtlich nicht auf die Kritik, dass die SBB die Befragungsmethodik steuert, eingeht? Er sagt nur, dass die Testkunden extern angestellt sind. Wird wohl etwas am Vorwurf dran sein, wenn er so ausweicht.

  • Erkic am 08.11.2017 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gehirn einschalten

    1.1Mio Fr. pro Jahr für 21 Mitarbeiter ergibt im Durchschnitt 4'365 Fr. pro Mitarbeiter/Monat. Sehr gut Gewerkschaft, ist echt viel. -.-

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bruce21 am 09.11.2017 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selstwahrnehmung

    Die SBB laufen von den eigenen Problemen davon und kaschieren mit einer gekauften Studie wo die Resultate schon jetzt feststehen.

  • Realist am 09.11.2017 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Für was braucht es ein Pro-Bahn-Präsi ?

    Hört auf mit den SBB-Abzocker-Pöstli die gar nichts bringen - Digitale-Überwachung genügt vollkommen, mehr braucht es nicht.

  • Jim Knopf am 09.11.2017 11:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rausgeschmissenes Geld

    Man könnte ja einfach die Kunden befragen, welche tagtäglich die Dienstleistung der Bahn in Anspruch nehmen. Die würden das kostenlos machen und sie wissen viel spezifischer wie es auf den jeweiligen Strecken aussieht. Bezüglich des technischen Zustands hoffe ich doch, dass es die Bahn selbst schafft ihre Züge instand zu halten.

  • b.s am 09.11.2017 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wau

    für ein Gehahlt von 52000 Franken gehe ich auch gerne als Testperson für 1 Jahr Krass dieses Gehahlt

    • Bruce21 am 09.11.2017 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @b.s

      so überrissen ist das nicht pro Person bei 45 Stundenwoche. Die Summe insgesamt ist es

    einklappen einklappen
  • Antwort am 09.11.2017 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich stelle die

    Ich befasse mich mit iso9001 und kundenzufriedenheit. wunschgemäß Steuer ich die gewünschten Resultate mit entsprechenden fragen und Gewichtung. Wer keine kritische fragen stellt ist ein Feigling. Wird aber befördert.