«Verbessert die Integration»

24. Oktober 2017 14:44; Akt: 24.10.2017 14:44 Print

Gibt es bald einen muslimischen Feiertag?

Der deutsche Innenminister macht sich für einen offiziellen muslimischen Feiertag stark. Auch hierzulande findet das bei Muslimen Anklang, da es die Integration stärken würde.

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In Deutschland ist die Debatte darüber entbrannt, ob auch Muslime Anspruch auf gesetzlich anerkannte Feiertage haben sollen. Er sei bereit, darüber zu reden, ob man einen muslimischen Feiertag einführen soll, sagte der deutsche Innenminister Thomas de Maizière. Die Diskussion erreicht nun auch die Schweiz. Muhammad Hanel, Vizepräsident der «Gesellschaft Schweiz – Islamische Welt», etwa spricht sich dafür aus, dass auch die Schweiz bis zu zwei staatlich anerkannte Feiertage für Muslime einführt. Dabei denkt er etwa an das Fest des Fastenbrechens zum Ramadan und den Höhepunkt des Hadsch. «Diese Massnahme verbessert selbstverständlich die Integration, da diese nur über das Respektieren, also die richtige Berücksichtigung gelingt», sagt Hanel. Andreas Tunger, Religionswissenschaftler an der Uni Luzern, glaubt aber nicht, dass die Frage eines anerkannten Feiertags ein vordringliches Problem der Schweizer Muslime sei. Priorität hätten für viele Schweizer Muslime andere Themen: «Etwa Fragen der Diskriminierung: Immer wieder berichten muslimische Frauen, dass sie einen Job nicht erhalten, weil sie ein Kopftuch tragen.» Gar kein Verständnis für die Diskussion hat SVP-Nationalrat Lukas Reimann. «Wir sind ein christlich geprägtes Land mit den entsprechenden Feiertagen. Das müssen Muslime akzeptieren und sich anpassen.» Die Einführung eines gesetzlichen muslimischen Feiertags steht für Reimann nicht zu Debatte: «Wir dürfen unsere Werte nicht verraten.» Ansonsten öffne man Tür und Tor für weitere Forderungen.

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Nicht nur christliche Feiertage sollen in Deutschland gesetzlich anerkannt werden. Auch Muslime hätten ein Anrecht auf einen eigenen Feiertag. Diese Forderung bringt der deutsche Innenminister Thomas de Maizière ins Spiel. Er sei bereit, darüber zu reden, ob man einen muslimischen Feiertag einführen soll. Damit entfachte er eine emotionale Debatte über die Ausweitung der anerkannten religiösen Feiertage.

Die Diskussion erreicht nun auch die Schweiz. Muhammad Hanel, Vizepräsident der «Gesellschaft Schweiz – Islamische Welt», etwa spricht sich dafür aus, dass die Schweiz bis zu zwei staatlich anerkannte Feiertage für Muslime einführt. Dabei denkt er etwa an das Fest des Fastenbrechens zum Ramadan und den Höhepunkt des Hadsch. «Diese Massnahme verbessert selbstverständlich die Integration, da diese nur über das Respektieren, also die richtige Berücksichtigung gelingt», sagt Hanel.

Die «Schweiz des Orients» als Vorbild

Dies zeige das Beispiel des Libanons, dem Herkunftsland seiner Ehefrau, erklärt Hanel: Dort sei die Umsetzung dieses Respekts selbstverständlich. «Die verschiedenen christlichen und muslimischen Gemeinschaften geniessen alle eine ihren Feiertagsbedürfnissen entsprechende Berücksichtigung.» Und darunter habe die Produktivität der ehemaligen «Schweiz des Orients», wie der Libanon auch genannt wird, niemals gelitten.

Hanel sieht in den gesetzlich anerkannten Feiertagen für Muslime den Vorteil, dass der Integrationswille der Muslime gestärkt werde. «Denn die gegenseitige Berücksichtigung der legitimen Bedürfnisse aller Beteiligten ist eine unverzichtbare Voraussetzung für ein entspanntes, produktives und freudiges Miteinander.» Die muslimischen Feiertage richten sich nach dem Mondkalender, die Daten variieren deshalb von Jahr zu Jahr.

Ist ein muslimischer Feiertag tatsächlich ein Bedürfnis?

Den Wunsch der Muslime nachvollziehen kann Nationalrätin Sibel Arslan (Grüne), denn die Gesellschaft sei heutzutage gemischt: «Im Sinne des Gleichbehandlungsgebotes müsste diese Diskussion für alle Religionen gelten.» Schliesslich liege die Anerkennung der Feiertage bei den Kantonen.

Andreas Tunger, Religionswissenschaftler an der Universität Luzern, glaubt aber nicht, dass die Frage eines anerkannten Feiertags ein vordringliches Problem der Schweizer Muslime sei. «Natürlich ist die Debatte sinnvoll, und ein solcher Tag wäre das Tüpfchen auf dem i.» Priorität hätten für viele Schweizer Muslime jedoch andere Themen: «Etwa Fragen der Diskriminierung: Immer wieder berichten muslimische Frauen, dass sie einen Job nicht erhalten, weil sie ein Kopftuch tragen.»

Keinen Handlungsbedarf sieht etwa Abduselam Halilovic, Sprecher der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ): «Im Kanton Zürich ist es bereits so, dass Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihrer Konfession das Recht haben, für ihre hohen Feiertage freizubekommen.» Und Arbeitnehmer würden das üblicherweise individuell mit ihrem Arbeitgeber regeln.

SVP-Nationalrat: «Dürfen unsere Werte nicht verraten»

Gar kein Verständnis für die Diskussion hat SVP-Nationalrat Lukas Reimann. «Wir sind ein christlich geprägtes Land mit den entsprechenden Feiertagen. Das müssen Muslime akzeptieren und sich anpassen.» Die Einführung eines gesetzlichen muslimischen Feiertags steht für ihn nicht zur Debatte: «Wir dürfen unsere Werte nicht verraten.» Ansonsten öffne man Tür und Tor für weitere Forderungen, denen sich unsere Kultur unterordnen müsse.

Eine Option lässt der St. Galler SVP-Nationalrat den Muslimen jedoch offen und verweist dabei auf die Volksinitiative zur Verankerung des 1. August als nationalen Feiertag von 1993. «Auch die Schweizer Muslime könnten auf diesem Weg zu einem anerkannten Feiertag kommen – ich bin allerdings davon überzeugt, dass sich das Stimmvolk dagegen entscheiden würde.»

(pam)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • FcSion am 24.10.2017 14:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein, Schweiz ist Schweiz

    Die Schweiz ist ein christliches Land, muslimische Feiertage haben meiner Meinung nach nichts verloren hier (Auch wenn's cool wäre so +1 freier Tag) Es kann nicht sein, dass wir uns immer und immer wieder dem Ausland anpassen sollen. Ich denke nämlich nicht, dass Beispielsweise Saudi Arabien oder Ägypten unsere christlichen Feiertage übernehmen würde. Bin klar dagegen.

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  • juka am 24.10.2017 14:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    im Namen der Gleichberechtigung !

    Selbstverständlich sollten wir ALLE religiösen Feiertage ALLER Religionen auf dieser Welt einführen. Da wir uns ja so multikulti verbrüdert und verschwestert fühlen, dürfen wir ALLE in diesem schönen Lande mit ALLEN mitfeiern. Frage mich einfach, bleiben da noch Arbeitstage?

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  • Max M am 24.10.2017 17:33 Report Diesen Beitrag melden

    Gewollt und geplant

    Ich möchte an dieser stelle Viktor Orban gratuliern, denn er scheint der einzige Politiker zu sein, der begriffen hat, um was es wirklich geht und sich entschieden dagegen wehrt. Es reicht schon wenn Deutschland zu Grunde geht, die Schweiz sollte sich dringend an Ungarn oder Österreich ein Beispiel nehmen. Wer Grüne und co. wählt, hilft mit die Schweiz in den Abgrund zu steuern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Uncle SAM am 26.10.2017 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Nein nein nein

    Religionen gehören abgeschafft und dazu alle sog. Feiertage.

  • Plankton am 25.10.2017 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    wir könnten....

    ja auch gleich deren Sprache sprechen statt unsere, ich meine, was sind wir den für Egos

  • Peter M am 25.10.2017 07:17 Report Diesen Beitrag melden

    An alle die nach Toleranz schreien

    Liebe Zugewanderten. Toleranz ist ein grosses Wort und man sollte sich evtl. auch mit dessen Bedeutung mal auseinandersetzen. Toleranz heisst: man steckt seine eigenen Bedürfnisse (in diesem Fall ein Feiertag) zurück um andere nicht zu belästigen bzw. stören. Das macht man aus Toleranz gegenüber des Gastlandes. Wo kämen wir hin, wenn jede Religion seine Feiertage einfordert. Und mit Integration hat das ganze nun mal gar nichts zu tun. Integration heisst: ein Fremder passt sich einer Gruppe (Gastland) an und wird somit ein Teil der Gruppe. Mal darüber nachdenken liebe Gäste.

  • Schweizerin am 25.10.2017 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gehts noch

    Gehts noch? Dass man überhaupt schon darüber nachdenkt, ich kann es nicht fassen!

  • Röby K. am 25.10.2017 07:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es giebt nicht alles für wenn?

    Die Frage ist wie lange es noch dauert dä es ja in anderen Glaubensrichtungen erlaubt ist. Wer darf dem dem anderen es verbieten ? Eigendlich sollte es so sein das wer auch immer in ein Anders Land wechselt sollte auch seinen Hintergrund und Ansichten im Alten Land und in der Alten Kultur lassen. Ferien Gäste sollten sich überlegen was Sie wollen und ander Kulturen mit leben um zu Erleben. Gilt auch für Schweizer in ihren Ferienländer.