Krebserregend

12. Oktober 2017 11:18; Akt: 12.10.2017 15:52 Print

Giftige Stoffe in Schweizer Matratzen entdeckt

Matratzenhersteller müssen womöglich Tausende Produkte zurückrufen und stoppen die Auslieferung: Sie haben wohl giftige Stoffe verarbeitet.

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Der deutsche Chemiekonzern BASF hat über einen Monat lang Toluoldiisocyanat (TDI) mit deutlich erhöhter Konzentration des mutmasslich krebserregenden Dichlorbenzol an Matratzenhersteller ausgeliefert, wie Spiegel.de berichtet. Wie 20 Minuten weiss, sind auch Schweizer Matratzenhersteller betroffen.

Der grösste Schweizer Produzent Bico wurde vor zwei Tagen von einem Zulieferer informiert. In einem Statement der Muttergesellschaft Hilding Anders bestätigt die Firma, vom Fehler in der BASF-Lieferkette betroffen zu sein. Der deutsche Konzern liefere TDI an verschiedene Schaumproduzenten, die wiederum Hilding Anders belieferten.

Möglicherweise Tausende Matratzen betroffen

Zwischen dem 25. August und dem 29. September habe BASF TDI mit zu hoher Konzentration von Dichlorbenzol ausgeliefert. Hilding Anders habe sofort den Verkauf und die Produktion von Matratzen an betroffenen Standorten eingestellt. Man arbeite intensiv mit der Industrie und den Behörden zusammen und habe Kunden informiert.

Wie viele Produkte verunreinigt sind, ist unklar. Die entsprechenden Matratzen müssen womöglich zurückgerufen werden. Auch andere Schweizer Hersteller sind betroffen. Insgesamt könnte es sich um Tausende betroffene Matratzen handeln.

Herstellung und Lieferung gestoppt

Der Hersteller Recitcel aus Büron LU ist alarmiert. «Es kann sein, dass wir bei einem Teil unserer Marken betroffen sind», sagt Sprecherin Catherine Röthlin. Recticel habe am Samstag die Händler informiert, dass die Firma das Risiko und die Auswirkungen dieses Problems auf die Schaumstoffmatratzen «noch nicht schlüssig einschätzen könne».

«Als sofortige Vorsichtsmassnahme haben wir die Herstellung und Lieferung aller Matratzen gestoppt», sagt Röthlin. Der Schaden sei nur schon durch Lieferverzüge gross. Nicht betroffen sei die Marke Superba.

Abklärungen laufen mit Hochdruck

Einen Produktionsstopp hat auch der Glarner Hersteller Riposa angeordnet. «Auch wir sind möglicherweise über Lieferanten von belasteten Produktbestandteilen betroffen. Wir klären momentan die ganze Beschaffungskette ab», sagt Gründer Walter Schnellmann. Riposa suche nach Alternativen. Aus Sicherheitsgründen haben man die Kunden informiert und notwendige Massnahmen getroffen.

Die Produktion sei gestoppt worden. Bis auf weiteres verarbeite Riposa nichts. Die FIrma sei mitten in Abklärungen, die mit Hochdruck vorangetrieben würden.

Der Schweizer Zulieferer Foampartner aus Wolfhausen ZH teilt mit, dass seine Kunden ebenfalls betroffen seien. Die Firma stehe mit BASF und Betroffenen in Kontakt. Die wirtschaftlichen Folgen der notwendigen Massnahmen seien noch nicht abschätzbar, dürften aber weitgehend durch die Lieferanten und Versicherungen gedeckt sein, so die Firma in einer Mitteilung.

BASF hat 75 Spezialisten aufgeboten

Eine BASF-Sprecherin sagt auf Anfrage zu 20 Minuten, es seien rund 50 Kunden aus der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika mit verunreinigtem TDI aus Ludwigshafen beliefert worden. Zu einzelnen Kunden äussere sich BASF nicht. Rund zwei Drittel der 7500 Tonnen des betroffenen TDI seien noch nicht weiterverarbeitet worden und würden von BASF zurückgeholt.

Bei bereits verarbeiteten Produkten stehe BASF «im intensiven Austausch mit den Kunden». Ein Team von rund 75 Spezialisten unterstütze die Kunden. Der Konzern hole unverarbeitetes TDI und noch nicht verarbeitete Schaumblöcke zurück. Der Prozess solle bis Ende nächster Woche abgeschlossen sein, so die Sprecherin.

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • De Liestler am 12.10.2017 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Immer wieder...

    verbietet doch alle Krebserregenden Stoffe und gut ist.

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  • Glaibasel am 12.10.2017 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alles ist giftig

    gibts heutzutage eigentlich noch irgendetwas das nicht krebseregend ist?

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  • M. Aske am 12.10.2017 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Strohmatratze

    Wenn man die Dinger auspackt stinkt es so übel, dass es mich wundern würde wenn nichts giftiges drin wäre. Am besten man schläft wie früher und warum liegt hier eigentlich Stroh?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dzani Keskic am 13.10.2017 18:28 Report Diesen Beitrag melden

    Matratzen

    Wie sieht es mit Concordia aus dieser Firma ?

  • Ed am 13.10.2017 15:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lösung:

    BASF verspricht ein Software update, dass die Schadstoffe eingrenzen wird.

  • Julio Shim am 13.10.2017 13:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schaumstoff

    Was sind das für billige Matratzen die einem angedreht werden. Pech nun das BASF den Grundstoff änderte. War wohl nix mit Qualitätskontrolle.

  • Ratmal Werwol am 13.10.2017 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Es zeigt sich einmal mehr

    ... der gesündeste Schlaf ist und bleibt der Büroschlaf.

  • Claudia Egli am 13.10.2017 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Federkernmatratzen aus der UK - GIFTIG

    ACHTUNG! Habe selbst leider schlimme Erfahrungen mit Britischen Matratzen gemacht - dort werden sie standardmässig mit Chemikalien behandelt, damit diese nicht brennen! Hochgifitg und in Europa eigentlich nicht üblich, aber importierte Marken kommen durch - und keine Behörde unternimmt etwas...!!!!! Aufpassen

    • Ruedi am 13.10.2017 13:08 Report Diesen Beitrag melden

      @Claudia Egli

      Stimmt! Und absolut überteuert noch dazu... Nach Atemproblemen und einem Arztbesuch flog meine auf den Müll. War die beste Entscheidung!

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