Schädliches Aluminium

09. Juli 2014 09:07; Akt: 09.07.2014 09:39 Print

Giftstoff in Deos – Bund prüft Alu-Verbot

von J. Büchi - Fast alle in der Schweiz erhältlichen Deos enthalten Aluminium. Dieses könnte zu Brustkrebs oder Alzheimer führen. Der Bund erwägt deshalb ein Verbot.

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Fast alle in der Schweiz erhältlichen Deos enthalten Aluminiumsalze. (Bild: Colourbox.com)

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Es gibt sie in Spray-, Roll-on- oder Stick-Form und in allen möglichen Duftvarianten. Doch die meisten in der Schweiz verkäuflichen Deos haben eines gemein: Sie enthalten Aluminium. Das Metall verschliesst die Ausgänge der Schweisskanäle und bewahrt uns so vor unangenehmen Gerüchen und Schweissflecken unter den Achseln.

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Doch die Verwendung des Stoffs ist umstritten: Seit Jahrzehnten ist eine Diskussion darüber im Gang, ob Aluminium Alzheimer oder Brustkrebs auslöst. Nun prüft der Bundesrat ein Verbot solcher Deos. Dies stellt er in der Antwort auf ein entsprechendes Postulat von Aline Trede (Grüne) in Aussicht. Man werde «in Abstimmung mit der EU mögliche Massnahmen prüfen». Allerdings seien weitere Studien notwendig, um «abschliessend sichere Konzentrationsgrenzen festzulegen».

Gefahr bei rasierten Achseln

Für Postulantin Aline Trede ein Erfolg: «Es ist nichts als verantwortungsbewusst, die Bevölkerung vor dieser Gefahr zu schützen.» Parteikollegin und Ärztin Yvonne Gilli stimmt ihr zu. «Tatsache ist, dass Aluminium ein toxisches Metall ist, in verschiedenen Geweben gespeichert wird und das Nervensystem schädigen kann.» Die Schweiz würde gut daran tun, nicht auf ein Vorpreschen der EU zu warten, sondern von sich aus aktiv zu werden. «Denn der Schweizer Konsument erwartet zu Recht hohe Sicherheitsstandards.»

Grosse Aufmerksamkeit erregte unlängst eine Untersuchung, die das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung veröffentlichte. Sie kommt zum Schluss, dass Benutzer aluminiumhaltiger Deos die tolerierbare wöchentliche Aludosis deutlich überschreiten. Das Bundesinstitut rät den Konsumenten deshalb, solche Deos nicht täglich zu verwenden und insbesondere nach der Rasur darauf zu verzichten. Denn gerade bei wunder Haut übersteigt die aufgenommene Aluminiummenge den tolerierbaren Wert laut Studie um ein Vielfaches.

Christoph Rageth, Gynäkologe am Zürcher Brust-Zentrum, schliesst sich dieser Empfehlung an. Dies aber in erster Linie, weil über möglicherweise enthaltene Schadstoffe – Aluminium ist nur einer davon – noch zu wenig bekannt sei: «Mir sind keine Hinweise darauf bekannt, dass Deos mit Aluminiumsalzen Brustkrebs begünstigen.»

Nur Alu kann Schweissfluss stoppen

Josianne Walpen von der Stiftung für Konsumentenschutz widerspricht: «Die Problematik ist schon lange bekannt, Behörden und Wissenschaft müssen nun endlich handeln», fordert sie in Übereinstimmung mit Trede. Dies insbesondere, da es sich um ein Produkt handle, das fast jeder benutze – ob Mann oder Frau, ob Teenager oder Rentner. «Schliesslich gibt es unproblematische Alternativen ohne Aluminium.»

Tatsächlich sind in Schweizer Reformhäusern und Supermärkten mehrere Deos erhältlich, die ohne den umstrittenen Stoff auskommen. Allerdings überdecken diese lediglich den Schweissgeruch – den Schweissfluss an sich können sie nicht verhindern. Trede lässt sich trotzdem nicht von ihrer Forderung abbringen: «Lieber nasse Flecken unter den Armen als Brustkrebs.» Sie selber habe mehrere alufreie Produkte ausprobiert – eines von Nivea habe sie schliesslich überzeugt. Lachend räumt sie aber ein: «Zugegeben, es gibt auch Hippie-Deos, da stinkt man mehr mit als ohne.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • INSIDER am 09.07.2014 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Aluminiumchlorid

    Aluminiumchlorid ist seit Jahren ein viel erläutertes Thema. Das gleiche mit den Phtalat Weichmachern welche sehr viel gefährlicher sind (hormonaktiv). Und Chemischen Sonnenschutzfiltern welche ebenfalls hormonaktiv sind. Es gibt seit langem Alternativen für alles das. Nur kostet es sehr viel und die Industrie will die Margen selber abschöpfen. Deshalb haben bis jetzt die Alternativen kaum Chancen gehabt. Da müssen die Behörden mit verboten handeln. Googelt mal REACH.

  • Herr Wettermann am 09.07.2014 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist nur der Anfang!

    Uns Konsumenten wird sowieso immer mehr Zeugs verkauft, welches Höchstschädlich ist. Der Bund erfüllt seine Aufgabe leider schon lange nicht mehr und hat kaum noch etwas im Griff. Es gibt sehr viele Giftstoffe, die uns täglich verabreicht werden! Aluminium ist übrigens auch in JEDER Impfung drin! Wird deshalb eine Impfung verboten? Es ist ein Witz, wenn man jetzt nur die Deo's vom Markt nimmt! Entweder alles oder nichts! Was ich aber fahrlässig finde, ist die Haltung von gewissen Konsumenten: Man glaubt nicht daran, dass Alu giftig ist... Na dann, en Guete!

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  • Leben am 09.07.2014 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesund

    Na endlich. Aber der weg ist lange. Woher kommt es eigentlich, dass Alzheimer boomt? Und MS? Wir sollten wirklich mal die ganze modernisierte Gesellschaft überdenken! Natur und ohne Kosmetika leben wäre 100x besser. Aber schwitzen und riechen ist heute nicht mehr akzeptiert obwohl es normal wäre. Na wirklich lieber schwitzen als krank werden. Seit 2011 Diagnose MS, bin 37 J. Habe sofort das meiste auf Naturprodukte umgestellt. Mache keine Therapie. Sondern bewusstes leben und naturgetreu umgestellt. Kein Rückfall. Ärzte passt es nicht. Schön oder?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rosalie am 10.07.2014 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    48 Stunden Schutz - Wozu?

    Wenn man einmal am Tag duscht, braucht man kein Deo, dass 48 h schützt. Ich benutze schon lange Aluminiumfreies Deo, wie auch Shampoo ohne Silikone. Es findet sich auch billiges Erdöl in Kosmetika. Die Codecheck App, oder Internet Seite kann ich nur empfehlen, da sieht man sofort ob gute oder schlechte Inhaltsstoffe in der Kosmetika sind. Leute, bitte informiert Euch und kauft nicht jeden Mist, Euch zu liebe...

  • Peter Müller am 10.07.2014 08:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer brav die Angst schüren ohne nachzudenken

    Sehr einseitiger Beitrag. Dieser Mythos schwebt schon länger in den Gehirnen herum, ohne Fakten. Dennoch kommt diese Theorie so alle paar Jahre wieder. Aluminium ist allgegenwärtig (ist ja das häufigste Metall der Erdkruste) Habt ihr auch Angst von euerem iPhone? Besteht ja auch aus Aluminium und ist noch mehr dem Hautkontakt ausgesetzt :) Denkt doch mal logisch nach.

  • Charly am 10.07.2014 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache Geld verdienen.

    Ich habe gedacht,das alles vorher getestet wird.Anscheinend funktioniert es hier auch nicht.

  • Herr Brugger am 10.07.2014 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Dilemma

    Gegen Schweiss und stinken helfen zwei Dinge: Alu gegen den Schweissfluss oder Parfüme zur Überdeckung der Gerüche. Von Parfüm bekomme ich Juckreiz und allergische Reaktionen bis zu offenen Hautstellen. Deos ohne Parfüm, dafür halt mit Alu, funktionieren bei bestimmten Marken bestens! Kein dauerndes Jucken, keine Schmerzen! Das wird schwierig...

  • Bergli am 10.07.2014 07:08 Report Diesen Beitrag melden

    wer traut dem Bund?

    wieviel davon ist jetzt tatsächlich wahr? wem soll man glauben? und: der Bundesrat hat offenbar keine andern Probleme zu lösen. Ein Deo verbieten geht eben einfacher als Millionenlöcher in der Verwaltung zu schliessen, oder ist man gar selber Nutzniesser und bei Deos nicht? Sturm im Wasserglas beim BAG? oder Reputationsnotstand?