Strassenverkehr

25. Mai 2018 05:46; Akt: 25.05.2018 05:46 Print

Hier kracht es am meisten wegen Alkohol am Steuer

von Stefan Ehrbar - Zahlen des Bundes zeigen: Der Alkoholkonsum hängt nur bedingt mit der Zahl der Unfälle zusammen. Experten zeigen sich überrascht.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mit 1,96 Promille Alkohol im Blut fuhr ein 24-jähriger Mann im September 2015 in Genf nach Hause. Dabei übersah er einen Velofahrer und erfasste ihn. Das Opfer wurde 45 Meter durch die Luft geschleudert und verstarb noch auf der Unfallstelle. Ein Gericht verurteilte den Fahrer vor wenigen Tagen zu drei Jahren Freiheitsstrafe, davon sechs Monate unbedingt.

Solche Fälle passieren im Westschweizer Kanton besonders häufig. Auf 10'000 Einwohner ereigneten sich in Genf im letzten Jahr 0,76 Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten oder Todesopfern, die hauptsächlich auf Alkohol zurückzuführen sind. Zum Vergleich: Im Kanton Bern waren es nur 0,41 solche Unfälle pro 10'000 Einwohner, in Zürich 0,36.

Doppelt so viele Fahrausweis-Entzüge

Auch die Kantone Tessin und Wallis verzeichnen überdurchschnittlich viele Alkohol-Unfälle. Sind die Autolenker in der lateinischen Schweiz besonders gefährdet, sich alkoholisiert hinters Steuer zu setzen?

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) untersuchte diese Frage in einer Studie aus dem Jahr 2010. Dabei zeigte sich: Fahrausweisentzüge wegen Alkohol am Steuer waren in der Romandie fast doppelt so häufig wie in der restlichen Schweiz.

«Weinkultur» schafft Alkohol-Klima

Auch der Anteil der Autofahrer, die die zulässige Alkoholmenge überschätzten,war in der Romandie am höchsten. Die Angaben sind allerdings mit Vorsicht zu interpretieren, da seit der Publikation neue rechtliche Grundlagen geschaffen wurden. Dazu gehört die Null-Promille-Regelung für Neulenker.

Markus Meury von Sucht Schweiz sagt, in den Westschweizer Kantonen werde durchschnittlich tatsächlich mehr getrunken als in der Deutschschweiz. Dort existiere eine Weinkultur, die ein Klima für erhöhten Alkoholkonsum schaffe. «Gleichzeitig sehen wir aber unabhängig von der Sprachregion einen stärkeren punktuellen Alkoholkonsum vor allem in Städten mit einer Ausgehkultur.» Der Kanton Genf sei mit einem abendlichen Verkaufsverbot «über die Gasse» erfolgreich dagegen vorgegangen, der Kanton Waadt habe vor kurzem nachgezogen.

Kanton Waadt im Mittelfeld

Dass Genf die Rangliste anführe, überrasche ihn denn auch, sagt Meury. Dort werde sogar weniger getrunken als im Schweizer Durchschnitt. Auch die Platzierung von Nidwalden – der Kanton liegt in der Rangliste auf Platz zwei – sei eher überraschend.

Tatsächlich scheint die Westschweiz nicht per se anfälliger auf Alkohol am Steuer. Im Kanton Waadt bewegten sich die schweren Alkoholunfälle 2017 mit 0,38 pro 10'000 Einwohner im Mittelfeld, die Zahlen für den Kanton Jura waren gar unterdurchschnittlich.

Verkehrsfluss und Alter sind wichtig

Die Gründe für tiefe oder hohe Unfallzahlen könnten sehr unterschiedlich sein, heisst es beim Musterkind Basel-Landschaft. Das Bundesamts für Strassen (Astra) verzeichnete dort nur 0,14 schwere Alkohol-Unfälle pro 10'000 Einwohner. Adrian Gaugler, Sprecher der Kantonspolizei Basel-Landschaft, sagt: «Eine Vielzahl von Aspekten wie Geographie, Verkehrsfluss, Strassenführung oder Anzahl Fahrzeuge spricht für unterschiedliche Unfallzahlen.»

Daneben müssten etwa auch der Strassenzustand und das Alter und die Ausbildung der Autofahrer berücksichtigt werden. Wichtig sei, dass die verschiedenen Stellen wie Infrastruktur-Betreiber, Ausbildner oder Polizei zusammenarbeiten. Das zeige nachhaltige Wirkung. «Eine gute Mischung aus präventiven und repressiven Massnahmen hilft, die Unfallzahlen tief zu halten», sagt Gaugler.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stiletto am 25.05.2018 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit im Verkehr

    Mit Alkohol im Blut gehört man nicht hinters Steuer. Die vielen Menschen,die mit starken Medikamenten Autofahren aber auch nicht....

    einklappen einklappen
  • HR am 25.05.2018 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Saufen ja, aber niemals fahren.

    Wer saufen will, soll dies tun, aber niemals fahren!

  • Susanne am 25.05.2018 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Laecherlich

    3 Jahre davon 6 Monate unbedingt ist doch laecherlich fuer ein Menschenleben ! Der betrunkene Autofahrer nahm in Kauf jemanden zu toeten und dafuer gehoeren minimum 15 Jahre !

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bobyswiss am 26.05.2018 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Die "lieben" Diplomaten

    Man sollte endlich mit der Immunität der Diplomaten im Strassenverkehr aufhören. Die können ja tun und lassen was sie wollen.

  • max62 am 26.05.2018 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich dachte es ist verboten.

    Da könnte man doch mal die Bussen erhöhen.

  • Megan am 25.05.2018 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Härtere Strafen

    Man sollte solche halt viel härter bestrafen. Derzeit sind ja die strafen lachhaft und keine Abschreckung. Jeder der mit Alk am Steuer erwischt wird sollt unbeding min 1 Jahr ins Gefängnis und dazu noch ein lebenslanger Führerscheinentzug. So lernen es mache vielleicht. Ich trinke ja zum Glück kein Alkohol.

    • Heidi am 25.05.2018 23:37 Report Diesen Beitrag melden

      Bedenkliches Fahrkönen in der CH

      Und was wollen sie mit denen machen wo nüchtern bedenklich schlechter Autofahren als die Besoffenen.

    • max62 am 26.05.2018 09:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heidi

      Ja mit dem schreiben ist es auch nicht weit her.

    • Megan am 26.05.2018 16:42 Report Diesen Beitrag melden

      ......

      Jede Autofahrt unter Alkoholeinfluss ist eigentlich mit einer versuchten Tötung gleichzusetzen.Egal ob es zu einem Unfall kommt oder nicht aber man geht ein Risiko ein.

    einklappen einklappen
  • HU Wartenweiler am 25.05.2018 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einladung zum Töten

    Drei Jahre, davon 6 Monate unbedingt ! Genial! Das lädt ein, bei einer teuren Scheidung betrunken seine Frau zu überfahren! Ist billiger und 6 Monate überlebt man rsp ist man dann erholt. Wer mit rund 2 Promille fährt ist ein potentioneller Töter !

  • Hurluberlu am 25.05.2018 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    So guet

    Also die Statistik beweist es doch: Alkoholisiert zu fahren ist weniger gefährlich, es passieren weniger Unfälle mit Alkohol als ohne

    • B.Lau am 25.05.2018 14:54 Report Diesen Beitrag melden

      @Hurluberlu

      Aber aufgepasst wenn sie alohosiliert sind. Zuviel Bier z.B. hat viele weibliche Hormone. Mit zuviel raden si komiscghes Zeug und können nicht einparkieren..

    einklappen einklappen