ÖV-Muffel

01. Februar 2018 05:44; Akt: 01.02.2018 05:44 Print

Pendler fahren lieber mit dem Auto zur Arbeit

von Stefan Ehrbar - Neue Zahlen zeigen, wo die Pendler auf den öffentlichen Verkehr setzen und wo das Auto dominiert. Die Grossstädter sind keine Vorbilder.

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Der öffentliche Verkehr ist nicht überall in der Schweiz gleich beliebt. Neue Zahlen des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE) zeigen, welche Agglomerationen besonders ÖV-affin sind. An erster Stelle steht keine Grossstadt, sondern die Agglomeration Brig-Visp. Die Bewohner der Walliser Orte legen 49 Prozent ihrer Distanzen mit dem ÖV zurück und 41 Prozent mit dem Auto. Auf Platz 2 folgt die Agglomeration zwischen Rapperswil-Jona SG und Rüti ZH. Hier beträgt der ÖV-Anteil 40 Prozent. Die beiden Städte werden viertelstündlich mit der Bahn verbunden. Platz 3 geht an die Agglomeration Biel. Gemäss ARE-Zahlen betrug der ÖV-Anteil an den Distanzen der Bewohner hier im Jahr 2015 35 Prozent. Wahre ÖV-Muffel sind hingegen die Bewohner des St. Galler Rheintals. Nur 9 Prozent ihrer Distanzen legten sie 2015 mit dem ÖV zurück. Leicht andere Zahlen ergeben sich, wenn alle in der Region zurückgelegten Distanzen berücksichtigt werden und nicht nur jene der Einwohner. Dann befindet sich die Agglomeration Baden-Brugg an der Spitze. Gleich dahinter platziert sich bei der Betrachtung nach dem sogenannten Territorialprinzip die Bundesstadt Bern. Auf Platz 3 folgt in dieser Betrachtung die Stadt Zürich. Die Daten im Detail: So schneiden die jeweiligen Agglomerationen ab, wenn die zurückgelegten Distanzen der Bewohner berücksichtigt werden (Wohnortprinzip). Leichte Verschiebungen ergeben sich, wenn das Territorialprinzip gilt, wenn also alle zurückgelegten Distanzen einbezogen werden. Dann zählen auch die Wege der Pendler und Besucher dazu.

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Fast vier Millionen Erwerbstätige in der Schweiz pendeln zur Arbeit, über die Hälfte davon mit dem Auto. Das zeigen neue Zahlen des Bundesamts für Statistik (20 Minuten berichtete). Doch nicht überall ist das Auto das bevorzugte Verkehrsmittel.

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Eine Analyse des Bundesamts für Raumentwicklung zeigt auf, wo der öffentliche Verkehr besonders stark ist. Nur in einer Region ziehen die Bewohner den ÖV dem Auto vor – und zwar nicht in einer Grossstadt. Die Einwohner der Agglomeration Brig-Visp legen 49 Prozent ihrer Distanzen mit dem ÖV zurück. Das Auto kommt auf einen Anteil von 41 Prozent. Brig-Visp ist die einzige Agglomeration der Schweiz, in der Bahn und Bus das Auto schlagen.

Im Rheintal hat es der ÖV schwer

Auf dem Rang 2 folgt nicht etwa Zürich oder Basel, sondern die Agglomeration Rapperswil-Jona SG – Rüti ZH. Zwischen den beiden Städten verkehrt viertelstündlich eine S-Bahn. Die gegenüber der Strasse rasche und häufige Verbindung dürfte der Hauptgrund für das gute Abschneiden sein, sagt ein Experte zu 20 Minuten. Das Auto hat mit 48 Prozent trotzdem einen höheren Anteil als der ÖV mit 40 Prozent. Auf Rang 3 folgt die Agglomeration Biel.

Die ÖV-Muffel des Landes sind die Einwohner des St. Galler Rheintals. Hier werden nur neun Prozent der Wege mit dem öffentlichen Verkehr zurückgelegt und ganze 80 Prozent mit dem Auto (siehe Bildstrecke). Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2015.

In Städten ist der ÖV beliebt

Leicht andere Zahlen ergeben sich, wenn nicht die Distanzen betrachtet werden, die die Einwohner zurücklegen, sondern jene, die in der Agglomeration insgesamt zurückgelegt werden. Dazu zählen auch Wege von Pendlern oder Besuchern von ausserhalb. In dieser Betrachtung setzt sich die Agglomeration Baden-Brugg vor den Städten Bern und Zürich an die Spitze. Danach folgt die Agglomeration Brig-Visp. Am tiefsten sind die Anteile des öffentlichen Verkehrs in Bulle und Martigny.

Die Analyse belegt: Einwohner von Zürich, Bern und Genf benutzen zwar häufiger als der Rest des Landes den öffentlichen Verkehr. Sie sind aber weniger häufig im Zug, Bus und Tram unterwegs als die Gesamtheit der Personen, die sich in der Agglomeration bewegen. Das heisst: Auswärtige, die sich in den Grossstädten bewegen, setzen eher auf den ÖV als die Einwohner selbst.

Billigeres Parkieren für Städter

Die Ursache für diese Differenz führen die Experten des Bundes auf drei Punkte zurück:

Öffentliche Politik: Bewohner der Städte erhalten etwa Parkerleichterungen und benutzen deshalb das Auto häufiger.
Sozioökonomische Unterschiede: Dazu gehört etwa die sogenannte Pendlerdifferenz. Pendler benutzen häufiger den öffentlichen Verkehr als die Gesamtbevölkerung. In grosse Städte pendeln besonders viele Personen.
Verkehrsangebot: In einigen Orten kann es etwa eine Zuglinie geben, die ohne Halt durchfährt. In den grossen Städten trifft diese Begründung allerdings kaum zu.

In den letzten Jahren haben sich keine grossen Verschiebungen mehr ergeben. Das Hauptverkehrsmittel der erwerbstätigen Pendler war im letzten Jahr gemäss Bundesamt für Statistik das Auto (52,4%), gefolgt von der Bahn (16,7%) und Bussen (13,6%). Nur der Anteil der zu Fuss pendelnden Erwerbstätigen sank von 10 Prozent im Jahr 2010 auf 8,8 Prozent im letzten Jahr.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hugo Rubio am 01.02.2018 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu teuer

    Was heisst hier ÖV-Muffel. Die ÖV's sind einfach viwl zu teuer, für das, was angeboten wird.

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  • Anatoll S. am 01.02.2018 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neues System

    Schaut Euch mal an, wie unser Nachbarland gelöst hat. Die Preise von den ÖV s sind drastisch gesenkt worden, so das es lukrativer ist, auf Bahn und Bus umzusteigen. Da haben wir bestimmt noch Potenzial, was das anbelangt.... sogenannte Park and Ride Plätze ohne Gebühren an Bahnhöfen wäre ein Anfang....

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  • Alte sack am 01.02.2018 06:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selber schuld

    Logisch, würde die bilettpreise noch teurer machen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • André am 02.02.2018 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Zeit

    Mit ÖV 1,5 Stunde mit Auto 0,5 Stunde!

  • Luna am 02.02.2018 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weg

    Ich darf aus Gesundheitlichen Gründen nicht Autofahren wenn ich auch könnte . Würde ich mir ausrechnen wieviel Zeit ich einsparen kann und wenn noch hohe Kosten für den Parkplatz dazukommen muss jeder selber abwägen was sich lohnt . ...und beim stelllenwechsel ist es nicht jedermanns Sach , zum Arbeitsort zügeln .

  • Stefan am 02.02.2018 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welche Aussage solche Schwachsinn

    Welche Schwachsinnige Aussage kann man dies Glauben das der Pendler lieber mit dem Auto fährt als mit der ÖV. Ich zum Beispiel muss mit dem Auto kommen, frühe Arbeitszeit kein ÖV fährt um diese Zeit, würde sehr gerne mit dem ÖV fahren.

  • Tanja am 02.02.2018 07:06 Report Diesen Beitrag melden

    ÖV ist sehr unattracktiev

    Na kein Wunder bei den Abo und Ticketpreisen. Das kann sich ja kaum einer leisten dann noch ewig die Ausfälle oder Mangel an Platz. Ich zahle doch nicht so viel um dann noch von Zug nach Zürich zu stehen!! Dann lieber im Auto sitzen, bei Musik und keinen unangenehmen Düften ;-)

    • Heinz Maier am 02.02.2018 10:15 Report Diesen Beitrag melden

      @Tanja

      wenn sie die vollkostenrechnung richtig betrachten, kommen sie mit einem 2. klasse GA garantiert günstiger weg als mit einem auto. ein 2. klasse ga kostet sie etwas über 300.- / monat, dies als mobilitätsflatrate. ich pendle auch mit dem auto, aber nicht weil es günstiger ist, was es sowieso nicht ist.

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  • Arbeiter am 01.02.2018 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lange Distanz = kein Muffel

    ich wohne in Uri und meine Firma ist nahe der Grenze zu Bern, das sind 85km ! mit dem Pkw 1 - 1:15 Std und mit der Bahn zwischen 3 - 4 Std je Strecke! also wenn ich bis zu 6 Std FREIZEIT einspare bin ich ein Muffel? wo ist da die Realität? zumal der Unterhalt inkl. Anschaffung vom Pkw hochgerecht über 10 Jahre immer noch günstiger als die SBB , von der Unabhängigkeit ganz abgesehen!

    • Knurpel am 01.02.2018 23:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Arbeiter

      da musst du ja echt viel viel verdienen um das auf dich zu nehmen! Oder du suchst einen grund von deiner Familie fernzubleiben.....mit dem argument" ich zu das alles nur für euch" seih mal ehrlich zu dir selber... !!! im Ernst.

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