Knochenjob

09. September 2017 12:34; Akt: 09.09.2017 12:34 Print

Hobby-Hirten scheitern am harten Alp-Alltag

Viele Unterländer haben oft eine falsche Vorstellung vom Knochenjob auf der Alp. Einsamkeit und Unfälle zwingen sie dazu, vorzeitig ins Tal zurückzukehren.

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Bis zu 17'000 Personen haben diesen Sommer auf einer Schweizer Alp gearbeitet. Ein grosser Teil davon sind Aussteiger, Angestellte in einer Auszeit und Abenteurer aus dem In- und Ausland. Doch viele von ihnen werden vom knochenharten Arbeitsalltag überrumpelt. Sie geben nach einiger Zeit auf und kehren ins Tal zurück.

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Wenn sich der erhoffte Rückzug in die Berge vom Traum von der Alp in einen Albtraum verwandelt, melden sich die Betroffenen beim sogenannten Alpofon. Stefanie Nickel ist eine von drei Beraterinnen beim ehrenamtlich geführten Dienst. Alle drei sind ehemalige Älplerinnen und verstehen daher die Sorgen der Anrufer genau. «Diesen Sommer erhielten wir etwa 90 Anrufe», sagt Nickel zur «Südostschweiz». Von der Vermittlung von Arbeitsstellen bis hin zu seelsorgerischer Beratung versuchen sie die Alparbeiter so gut wie möglich zu unterstützen.

Viele glauben, sie könnten Ferien machen

Fritz Felder ist seit über 40 Jahren Älpler und sagt, dass vor allem junge Leute mit falschen und romantischen Vorstellungen auf die Alp wollten. So gebe es einige, die einfach nur Ferien machen wollten. Aber es sei halt ein Knochenjob. «Von morgens um fünf bis abends um zehn, sieben Tage die Woche. Schlechtes Wetter und kranke Tiere erhöhen den Stress nur noch mehr.» Auch die Einsamkeit sei ein grosses Thema. So erlebe er es jedes Jahr, dass viele schon nach einer Woche aufgeben und zurück ins Tal wollen.

Aber auch Unfälle und Krankheiten führen dazu, dass die Hobby-Älpler ihre Sommerjobs auf den Bergweiden vorzeitig beenden. Platzwunden, Gehirnerschütterungen oder einfache Frakturen können auf einer abgelegenen Alp zur Herausforderung werden. Die Statistik des Alpofons zeigt, dass etliche Personen mit der Arbeit und dem Leben auf der Alp nicht klarkommen. So kann es zu unlösbaren Konflikten im Team kommen. Einige wissen sich nur zu helfen, indem sie sich ohne eine Nachricht zu hinterlassen davonmachen.

Neueinsteigern empfiehlt Felder darum, beim ersten Mal in einem Team zu arbeiten und dort Arbeitserfahrung zu sammeln. Viel harte Arbeit und ein starker Durchhaltewille seien nötig. Selber wollte er aber noch nie aufhören. «Unsere Vorfahren hatten auch schlechtes Wetter!», sagt er schmunzelnd.

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Älpler am 09.09.2017 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nun

    Für Nuggi Generationen definitiv nicht geeignet. Da braucht es Männer oder Frauen die wissen was Arbeit heisst. Der Spiegel ist auf der Alp fehl am Platz.

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  • Schämu am 09.09.2017 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Träumer

    Bilder und Filme anschauen und Träumen vom schönen Hirtenleben, dass ist Realität in der heutigen Medialen Welt bis die echte kommt. Die harte Realität kennen leider viele heute nicht weil sie noch nie hart gearbeitet haben.

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  • Entlebuchermeitschi am 09.09.2017 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Streng, aber schön

    Ja die Landwirtschaft ist nicht ohne, ob auf einem Betrieb oder auf der Alp. Die Tiere geben einem aber auch vieles zurück. Streng, aber schön. Würde sofort aushelfen, wenn Not am Mann wäre

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stadtmensch am 10.09.2017 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das Seine

    Danke an die Älpler und Hobbysennen. Sicher ein schöner und hoffentlich auch befriedigender Job. Ich allerdings ziehe die Stadtromantik der Natur vor.

    • Bürger am 10.09.2017 18:19 Report Diesen Beitrag melden

      @Stadtmensch

      Da können Sie sicher sein, als Älpler es viel schöner und romantischer ist in der Natur als in der Verbauten Stadt, wo es in Zukunft immer wärmer wird. Stadtromantik der Natur wo gibt es das? In der Stadt, werden viele Wohnungen leer stehen oder zu teuer sein. Ein normalen Lebensunterhalt zu haben auch Bezahlbare Wohnung zu finden im Flachland, wird für viele ein grosses Problem werden in Zukunft. Stadtmensch kann man auch nicht brauchen auf der Alp, machen schon zu viel kaputt in den Bergen. Bluffen mit dem Geld und Ferienhaus oder Ferienwohnung kaufen dann 2 oder 3 mal nur benützt werden.

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  • Dani am 10.09.2017 10:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufwachen!

    willkommen in der Landwirtschaft.... und sind wir bereit für die Milch zu zahlen? Ich bewundere jeden Bauern der heute danke dem Zwischenhandel ( der Millionen scheffelt) täglich um's Überleben kämpfen muss..... Danke allen Bauern !

  • Bürger am 10.09.2017 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    Viele Unterländer haben den Kopf zu hoch

    Viele Unterländer haben den Kopf zu hoch. Den Lauf des Lebens, können Sie nicht besiegen, im Lauf von Ihrem und jedem anderen Leben, gibt es Herausforderungen da gibt es kein Zurück nur nach vorne gehen einfach weiter machen.

  • Roger am 10.09.2017 08:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das könnten die mir gar nicht bezahlen

    Das wer nichts für mich ich bin es mir gewohnt um 6.00 anzufangen und um 17.00 feierabend zu haben den lohn könnten die gar nicht bezahlen ich arbeite nicht freiwilig gratis jede stunde kostet was und minimum 4 wochen ferien müssen sein das weren dan 17 st pro tag a 25 fr wo ich verlangen würfe

    • Bürger am 10.09.2017 09:27 Report Diesen Beitrag melden

      @Roger verwöhnter Unterländer

      Warum befassen Sie sich mit dem Artikel? Sie sind ein verwöhnter Unterländer der den Kopf zu hoch hat und nicht wirklich Erfahrung hat im Leben. Glauben Sie können nur immer etwas verlangen.

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  • o.p. am 10.09.2017 07:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    viele harte Berufe

    Das Älplerleben wäre nichts, das gebe ich zu. Ich empfinde meine Arbeit aber auch nicht als Zuckerschlecken, so wie ich viele andere als herausfordernd bezeichne. Was Büezer/Bauern oft sagen macht sie dann leider unsympathisch...nur sie haben einen harten Job. Das stimmt einfach nicht! Es braucht jeden, sonst funktioniert unsere Gesellschaft nicht!