Schwänzerstatistik

15. Dezember 2012 21:59; Akt: 16.12.2012 22:31 Print

Hohe Tiere, tiefe Anwesenheitsquote

In der Öffentlichkeit mögen sie noch so präsent sein – im Parlament glänzten sie diese Legislatur oftmals durch Abwesenheit. Ausgerechnet zwei grosse Politnamen führen die aktuellste Schwänzerstatistik an.

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Diese beiden Gesichter suchte man während vielen Parlamentsabstimmungen vergeblich. (Bild: parlament.ch)

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Vorbei sind die Zeiten, als der typische Nationalrat auch noch Unternehmer und Oberst im Militär war. Immer mehr Ratsmitglieder machen die Politik zu ihrem Beruf. Eine Rangliste von Politnetz über die Abwesenheit der Ratsmitglieder beleuchtet das Dilemma des Schweizer Milizsystems.

Die Internetplattform Politnetz hat erstmals alle 1448 Abstimmungen seit Legislaturbeginn im Winter 2011 ausgewertet und eine Rangliste der Nationalrätinnen und Nationalräte erstellt. Berücksichtigt wurden dabei alle offiziellen Abstimmungsprotokolle.

Wirtschaftsführer fehlen

Die Rangliste widerspiegle die Tendenz, wonach generell Nationalräte aus bürgerlichen Kreisen am meisten fehlten, sagte Thomas Bigliel, Geschäftsführer von Politnetz, der Nachrichtenagentur SDA. «Dies gilt besonders für Firmeninhaber, Wirtschaftsführer und Politiker mit Doppelmandat.»

Den ersten Rang belegt denn auch der Thurgauer SVP-Nationalrat Peter SpuhlerPeter
Spuhler

SVP, TG
Nationalrat
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Stadler USA, New Jersey
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, der fast bei der Hälfte der Abstimmungen (44 Prozent) gefehlt hat. Der Industrielle, der neben seiner Stadler Rail zahlreiche Mandate in Verwaltungsräten und Verbänden innehat, zog inzwischen die Konsequenzen: Nach 13 Jahren im Nationalrat ist er auf Ende der Wintersession zurückgetreten.

Neben dem Stadler-Rail-Chef steht noch eine andere schweizweit bekannte Persönlichkeit auf dem «Schwänzer-Podest». FDP-Politiker Filippo LeuteneggerFilippo
Leutenegger

FDP-Liberale, ZH
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neue-ideen.ch AG, Zürich
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versäumte 566 Abstimmungen unentschuldigt. Auf seine Absenzen angesprochen, reagiert Leutenegger gegenüber der «SonntagsZeitung» gereizt. Das Ranking sei ein nichtssagendes «Medienfüllprogramm», so der frühere Chefredaktor des Schweizer Fernsehens.

Auch Blocher macht sich rar

Ähnlich rar macht Spuhlers Zürcher SVP-Parteikollege Christoph BlocherChristoph
Blocher

SVP, ZH
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Robinvest AG, Männedorf
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, dessen Absenzquote bei Abstimmungen 38 Prozent beträgt. Blocher hatte die Leitung seiner Ems Chemie nach der Wahl in den Bundesrat 2003 abgegeben. Heute ist er SVP-Vizepräsident und Präsident der Finanzierungsgesellschaften Robinvest.

Jeder dritten Abstimmung ist Hans GrunderHans
Grunder

BDP, BE
Nationalrat
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Grunder Ingegnieure AG, Hasle-Rüegsau
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(BE) ferngeblieben. Der BDP-Gründungspräsident ist Inhaber eines international tätigen Ingenieurbüros, daneben betreibt er noch eine eigene Pferdezucht.

Auf den vorderen Plätzen finden sich zudem Nationalräte wie der Berner Stadtpräsident Alexander TschäppätAlexander
Tschäppät

SP, BE
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Stiftung Bärenpark, Bern
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und GLP-Präsident Martin BäumleMartin
Bäumle

glp, ZH
Nationalrat
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Greencross Schweiz, Zürich
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. Als erste Frau taucht in der Rangliste Ursula WyssUrsula
Wyss

SP, BE
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Förderverein Waldstadt Bremer, Bern
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auf Platz 11 auf. Die frühere SP-Fraktionspräsidenten hatte im September 2011 ihr zweites Kind geboren und kandidierte in diesem Jahr für die Berner Stadtregierung.

Ausreisser trüben gute Bilanz

Diese Beispiele trüben laut Bigliel die insgesamt gute Bilanz der grossen Kammer in dieser Legislaturperiode. «Die Abwesenheitsliste wird durch ein paar Ausreisser stark beeinflusst.» Die Schwankungen seien beträchtlich. Durchschnittlich bleiben 10 Prozent der Nationalräte Abstimmungen fern. Die Bandbreite reicht aber von 0 bis 44 Prozent.

Ähnlich sieht es der Politikwissenschaftler Michael Hermann. Der «schwänzende» Nationalrat sei eine Mär, schreibt Hermann in seinem Blog. «Seit den Neunzigerjahren ist der Abstimmungsschlendrian aus der grossen Kammer gewichen.»

Gemäss seinen Berechnungen ist die durchschnittliche Absenz der Parlamentarier seit der Legislatur 1995 von 27 Prozent auf heute 12 Prozent gesunken. Hermanns Befund: «Nationalräte sind heute in Tat und Wahrheit in ihrer grossen Mehrzahl ausgesprochen fleissig.»

(jbu/sda)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • MArtin Thurnherr am 17.12.2012 07:11 Report Diesen Beitrag melden

    Volksvertreter?

    Es gibt andere Damen und Herren, welche UNSERE Interessen mit mehr Einsatz vertreten werden.

  • M. F. am 16.12.2012 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Blocher, der grosse Landesretter!

    Christoph Blocher, der grosse Landesretter auf dem dritten Platz! Sorry, kann man den noch ernst nehmen?

  • franz am 16.12.2012 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    zwnagsrücktritt

    entweder man nimmt sein mandat ernst und ist anwesende oder man sollte freiwillig zurücktreten. wer mehr als 10% abwesend ist, sollte zwangsweise zum rücktritt gezwungen werden.

    • Stimmbürger am 16.12.2012 16:01 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig

      Wer nicht willens oder fähig sein Mandat auszuüben muss den Stuhl freimachen für jemanden der das kann und will !

    einklappen einklappen
  • Christian am 16.12.2012 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Mehrfach-Verdiener =Wahl-Liste streichen

    Im CH-Parlament sind solche Mehrfach-Verdiener / Wirtschafts-Lobbysten nicht mehr erwünscht, welche nur ihre Eigen-Interesse verfolgen.

  • roland_rohrbach am 16.12.2012 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Das System erlaubt es!

    Ganz einfach , solange ein System das Akzeptiert wird die Gier ausgelebt! Sie machen die Gesetze für sich selbst. Menschheit wacht endlich auf! Es ist nur die Spitze des Eisbergs.

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