Manipulationsgefahr?

15. Oktober 2015 20:30; Akt: 15.10.2015 20:30 Print

IZRS-Frau erhält Zertifikat als Seelsorgerin

In einem staatlich geförderten Projekt wurden muslimische Notfallseelsorger ausgebildet. Ein Zertifikat erhielt auch eine IZRS-Frau. Dies sorgt für scharfe Kritik.

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Erhielt ein Zertifikat als Care Giver: IZRS-Frau Albana Azemi. (Bild: zvg)

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Mit 500'000 Franken unterstützte der Lotteriefonds des Kantons Zürich den Aufbau einer muslimischen Notfallseelsorge. Das Geld floss dem Verband Islamischer Organisationen des Kantons Zürich (VIOZ) zu. Dieser hat nun nach eigenen Angaben «eine erste zertifizierte Ausbildung für Muslime» etabliert. Im Juni fand die erste Diplomfeier statt – unter den Augen der damaligen Leiterin der Zürcher Fachstelle für Integrationsfragen.

Den Lehrgang absolviert hat auch ein aktives Mitglied des umstrittenen Islamischen Zentralrats der Schweiz (IZRS): Kopftuch-Aktivistin Albana Azemi. Diese weibelte im Kanton St. Gallen gegen ein Hijab-Verbot und amtet als Sprecherin der Islamischen Jugend Luzern, einer IZRS-Jugendgruppe. Zudem war sie an der Organisation einer Alternativveranstaltung zur letztjährigen IZRS-Jahreskonferenz in Freiburg beteiligt. Letztere hatte der zuständige Oberamtmann untersagt. Er befürchtete, dass einige der geladenen Redner die schweizerische Rechtsordnung verletzen könnten.

«Keine Extremisten auf Menschen in Not loslassen»

Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, ist entsetzt: «Unter den Diplomierten sind zweifelhafte Frauen. Es kann doch nicht sein, dass wir Extremistinnen auf Gefängnisinsassen, Trauernde oder Kranke loslassen.» Menschen in einer akuten Notlage seien in einem seelischen Ausnahmezustand und deshalb besonders gefährdet, manipuliert zu werden. «Solche Menschen sind nicht in der Lage, sich gegen das Missionieren extremistischer Seelsorger zu wehren.»

Das Handeln der Zürcher Behörden sei in diesem Fall «völlig naiv». «Bei der Notfallseelsorge handelt es sich um einen zu sensiblen Bereich.» Dass öffentliche Institutionen indirekt mit dem salafistischen IZRS kooperierten, der für die strengste Lesart des Islams nach saudischer Prägung stehe, sei unverständlich. Keller-Messahli verlangt, dass Azemi das Diplom wieder entzogen wird.

VIOZ sieht kein Problem

Verantwortlich für das Projekt ist VIOZ-Sekretär und Imam Muris Begovic. Zur Frage, ob sein Verband Kenntnis von der IZRS-Mitgliedschaft Azemis gehabt habe, äussert er sich nicht. «Ich distanziere mich nicht vom IZRS, da ich nichts mit ihm zu schaffen habe. Wir haben klare Richtlinien definiert, die die Kandidaten erfüllen mussten, etwa eine abgeschlossene Lehre.» Wenn man einen Deutschkurs in der Migros-Clubschule besuche, werde auch kein Gesinnungscheck durchgeführt.

Die Liste der Kursteilnehmer sei ausserdem von der Polizei geprüft worden. «Wir haben nicht fahrlässig gehandelt.» Das ehrenamtliche Engagement sei lobenswert, die Seelsorger würden meist von den Blaulichtorganisationen gerufen. Kopftuch-Aktivistin Albana Azemi sagt, sie habe als «interessierte Muslimin» an dem Lehrgang teilgenommen. Nur weil sie für das Recht von Musliminnen einstehe, den Hijab tragen zu dürfen, gelte sie schon als Extremistin.

Finanzdirektion leitet Abklärungen ein

Der Lotteriefonds, der die Seelsorge gesponsert hat, wird den Fall nun prüfen und allenfalls weitere Informationen vom VIOZ einfordern, wie der Chef Stephan Civelli sagt. «In jedem Fall muss sichergestellt werden, dass keine Personen, die extreme Ansichten vertreten, Notfallseelsorge betreiben.»

Es widerspreche den Richtlinien des Lotteriefonds, dass Lotteriefondsgelder Personen zugute kommen, die extreme beziehungsweise extremistische Positionen vertreten.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans grunder am 15.10.2015 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Christliche schweiz?

    Aber christliche organisationen die sport und musik anbieten bekommen kein geld mehr da sie zu christlich sind. In was für einem Land leben wir eigentlich?

    einklappen einklappen
  • René B. am 15.10.2015 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Sehr schön was der Lotterriefonds alles finanziert.

  • Hans König am 15.10.2015 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich raune und staune...

    Jaja, einmal mehr ein Beweis dafür, dass unsere Gesellschaft mit den aktuellen Themen nicht zurecht kommt. Jeder versucht, irgend jemandem etwas Recht zu machen, ohne sich klar zu werden, was sich daraus entwickelt und welche Signalwirkung es hat. Hauptsache, man hat mitgemacht, ist dabei gewesen und gesehen worden. Eine Lotterie eben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Konsument am 15.10.2015 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Extremismus 

    Extremismus jeglicher Form muss Einhalt geboten werden. Es darf nicht sein das Hilfsbedürftige in Kontakt mit Extremisten kommen, egal ob: rechts, links, christlich, jüdisch oder islamisch. Diese Hilfsbedürftige muss vor Extremmanipulationen geschützt werden.

  • Christoph am 15.10.2015 21:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständnis!!!

    Das finde ich eine Sauerei, dass solche Institutionen aus einem Lotteriefond Geld erhalten. Genau aus solchen Gründen habe ich aufgehört SWISSLOTTO zu spielen.

  • Liberale Muslima am 15.10.2015 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Völlig daneben

    Meiner Meinung nach ist dieser Angriff auf die junge Frau unverständlich und inakzeptabel. Wäre eine nicht muslimische Frau die sich für das Kopftuch einsetzt auch extrem? Differenzierung ist dringend nötig!

  • E. Kant am 15.10.2015 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Substanz?

    Wenn man Auflagen hat und zudem behördliche Überprüfungen durchführen lässt und diese eine Teilnahme gutheissen, muss auch Frau Keller-Massalih respektieren, dass nicht nur ihre persönlichen Präferenzen massgeblich sind. Wieviele Mitglieder ihres Vereins 'Forums für einen fortschrittlichen Islam' haben an der Ausbildung teilgenommen? Man sollte Menschen, die eine gemässigte ehrenamtliche Ausbildung suchen nicht daran hindern - das wäre der falsche Weg - wo will man die religiöse, politische oder sonstige Gesinnungsgrenze ziehen wenn nicht auf rechtsstaatlicher Basis?

  • Eine Meinung am 15.10.2015 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seelsorge: ja - Indoktrination: nein!

    Nun, es geht darum, dass Extremisten und missionarische Eiferer jeglicher Couleur von Menschen in Not ferngehalten werden, da diese besonders labilisiert, bedürftig und daher anfällig für Indoktrinationen sind, insbesondere wenn diese 'Care giver' subtil legitimiert quasi unter dem Deckmantel der staatlichen Notfallseelsorge daherkommen! Mich jedenfalls stört sehr, dass die persönliche Gesinnung dieser Helfer nicht näher geprüft wird und es hierfür keinen Mindeststandard verbindlich definierter Neutralität gibt!