Schlechte Zahlungsmoral

29. Januar 2018 17:36; Akt: 29.01.2018 18:33 Print

IZRS-Frau mietete Hüpfburg und zahlte nicht

von Marco Lüssi - Für einen muslimischen Jugendanlass hat die Generalsekretärin des IZRS Hüpfburgen und weiteres Spielgerät bestellt. Auf die Begleichung der Rechnung wartete der Lieferant Monate.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Hüpfburgen, Bullenreiten, Bogenschiessen – dies alles und weitere Attraktionen sollten an einem Fest angeboten werden, das die mit dem salafistischen Islamischen Zentralrat Schweiz (IZRS) verbandelte Vereinigung Islamische Jugend Schweiz am 3. September 2017 in Schlieren durchführen wollte.

Der Anlass fand nie statt – am Vortag der Veranstaltung erfuhr die Stadt Schlieren von der Polizei vom geplanten Fest und sorgte dafür, dass die Genossenschaft Sporthalle Unterrohr den Mietvertrag in letzter Minute auflöste. Dass der Anlass ins Wasser fiel, habe er erst erfahren, als er mit den Hüpfburgen und anderen Spielgeräten in Schlieren vorgefahren sei, sagt Freddy Tanner vom Funsportcenter Tanner in Oberentfelden AG. Seither habe er auf die Bezahlung der Rechnung von 3010 Franken gewartet, die gemäss den Vertragsbedingungen auch bei einer kurzfristigen Stornierung fällig war. Die Bestellung hatte Ferah Ulucay auf ihren privaten Namen vorgenommen – sie amtiert beim IZRS als Generalsekretärin.

Betreibungsauszug umfasst fünf Seiten

Tanner besorgte sich daraufhin einen Betreibungsauszug von Ulucay. Der umfasst fünf Seiten und führt insgesamt 38 Verlustscheine im Gesamtbetrag von 44'436.85 Franken auf. Schulden hat sie unter anderem bei einer Krankenkasse, dem Steueramt und dem Online-Händler Zalando. «Danach glaubte ich nicht mehr daran, dass ich das Geld je sehen würde – und bei mir kam der Verdacht auf, dass man die Bestellung absichtlich über den Namen einer Person machte, bei der nichts zu holen ist», sagt Tanner.

Die Generalseketärin ist nicht das einzige IZRS-Mitglied, das private Schulden plagen. Auch Vereinspräsident Nicolas Blancho ist blank. Weil die Behörden seinen Aufenthaltsort nicht kennen, wurde er mehrfach per Publikation im Amtsblatt des Kantons Bern aufgefordert, ausstehende Krankenkassenrechnungen zu begleichen. Und da er Vorladungen des Konkursamts nicht Folge geleistet hatte, wurde er mehrfach gebüsst.

Mit monatelanger Verspätung doch noch gezahlt

Auf eine Anfrage von 20 Minuten zur ausstehenden Rechnung reagierte Ulucay Ende der letzten Woche prompt – indem sie Tanner die 3010 Franken postwendend überwies, mit einer Verspätung von fast fünf Monaten.

Sie legt Wert auf die Feststellung, dass sie Tanner bereits am Vortag umgehend nach der Absage des Fests informiert habe, ihn aber telefonisch und per E-Mail nicht habe erreichen können. Sie habe danach vergeblich gehofft, dass der Lieferant ihr «aufgrund einer widerrechtlichen Kündigung des Mietvertrages und die dadurch fehlenden Einnahmen» finanziell etwas entgegenkomme.

«Islamophobie schadet der Wirtschaft»

Nicht nur sie, sondern auch Tanner sei Opfer der Islamophobie. «Diese hat dazu geführt, dass ein völlig apolitischer Anlass, bei dem lediglich das islamische Opferfest gefeiert werden sollte, verhindert worden ist.» Der Fall zeige, dass islamophobes Verhalten nicht nur Muslimen, sondern auch Gewerbetreibenden und der Wirtschaft allgemein schade.

Zu ihren privaten Schulden sagt Ulucay, diese seien entstanden, weil sie mit 16 Jahren aus ihrem Elternhaus habe ausziehen müssen und von einem Tag auf den anderen ohne finanzielle Unterstützung dagestanden sei. «Da war es für mich unmöglich, meine Krankenkassenprämien zu zahlen. Plötzlich sass ich auf einem Schuldenberg.» Dieser lässt sich offenbar auch mit einem Kaderjob beim IZRS nicht abtragen. Ulucay sagt dazu nur dies: «Unsere Arbeit ist ehrenamtlich, und wir führen alle ein sehr bescheidenes Leben.»